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Aktuelle Nachricht – Mineralölwirtschaft: Treiben Spekulationen den Benzinpreis nach oben?

von Redaktion eigentümlich frei

Ein grüner Wissenschaftler revolutioniert das ökonomische Verständnis

(ef-AFL) Seit Monaten steigt der Ölpreis. Letzte Woche hat er die Marke von 80 Dollar pro Barrel (159 Liter) hinter sich gelassen. Politiker machen als Schuldige in solchen Perioden immer gerne „die gierige Mineralölwirtschaft“ verantwortlich. Der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold kommt nun im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen zu einem anderen Ergebnis: Internationale Spekulanten seien für ein Drittel des Preisanstiegs verantwortlich.

„Der Ölmarkt ist eine Mischung aus Rohstoffmarkt und Finanzmarkt“, erläutert Bukold. An den beiden großen Ölbörsen in New York und London werden täglich 13-mal so viele Ölkontrakte (Paper Barrels) gehandelt wie tatsächlich an Öl gefördert. Finanzinvestoren wetten demnach in großem Stil auf den Ölpreis, und zwar, so glaubt Bukold zu wissen, derzeit nur „auf steigende Preise“. Dadurch, so Bukold, zahlen deutsche Autofahrer „für jeden Liter Benzin, Diesel oder Heizöl 14 Cent mehr“ als sie ohne Spekulation zu zahlen hätten. Das seien durchschnittlich 136 Euro pro Jahr und Auto. Für die Zukunft rechnet der Hamburger Forscher mit deutlich weiter steigenden Preisen „im Aufschwung“. Neue Rekordpreise oberhalb von 150 Dollar je Barrel und Benzinpreise von zwei Euro pro Liter seien in Sichtweite.

„Erdöl oder auch Lebensmittel sollten für Finanzinvestoren tabu sein. Es kann nicht angehen, dass sich Investmentbanken oder Hedgefonds auf Kosten der Allgemeinheit bereichern“, kommentierte Bärbel Höhn, Vizechefin der Bundestagsfraktion der Grünen, die Ergebnisse von Bukolds Studie. Höhn fordert nun schärfere Finanzkontrollen. In den USA diskutiert die Politik bereits über Vorschriften, nach denen jeder Investor in Zukunft nur noch eine bestimmte Anzahl an Kontrakten besitzen darf.

Zum Vergleich: Der Steueranteil am Liter Benzin durch Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer beträgt etwa 60 Prozent, also heute knapp 80 Cent pro Liter. Das macht gemäß den Berechnungen Bukolds 778 Euro durchschnittlich pro Jahr und Auto. Und das, so fügt der an den Universitäten in Trier und Wien lehrende Wirtschaftsphilosoph Hardy Bouillon auf Anfrage von eigentümlich frei hinzu, „ganz unspekulativ“. Schließlich könne man über Bukolds spekulative 136 Euro durchaus streiten, die 778 Euro Benzinverteuerung durch das Abgreifen der Politik lasse sich aber nicht wegdiskutieren.

Bouillon, dessen neues Buch „Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit“ dieser Tage erscheint, kommentiert gegenüber ef Bukolds Thesen im übrigen sarkastisch so: „Jahrhundertlang haben sich die klügsten Ökonomen den Kopf darüber zerbrochen, wie die Preise anders als durch Nachfrageänderungen oder Marktinterventionen gesenkt werden können. Dank Steffen Bukold müssten sie es inzwischen begriffen haben. Es reicht, auf einen günstigeren Preis zu spekulieren, und schon kann man den derzeitigen Preis nach unten drücken. Anders herum funktioniert es ja auch, glaubt man Bukold. Demnach locken nicht steigende Preise ‚Spekulanten’ zu Optionsgeschäften, sondern es sind die Optionsgeschäfte, welche die Preise ankurbeln.“

Literatur

Neu: Hardy Bouillon: Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit

12. April 2010

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