14. April 2010

Aktuelle Nachricht – Überraschende Wende im Kinderschänder-Skandal Ganz neue Verbindungen geraten ins Visier

Papst-Vertrauter Bertone weist auf Zusammenhang zwischen Homosexualität und Missbrauch hin

(ef-AFL) Der Pädophilie-Skandal, der in seinem Ausmaß längst nicht mehr nur, sondern allenfalls am Rande Einrichtungen der katholischen Kirche betrifft, bekommt durch die jüngsten Äußerungen des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone eine unerwartete Wendung.

Bertone, die laut deutscher Presse „rechte Hand von Papst Benedikt XVI.“, äußerte sich zum auffälligen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie. Vatikansprecher Padre Federico Lombardi legte heute nach und bezog sich dabei auf die von der Glaubenskongregation in den vergangenen Jahren untersuchten Missbrauchsfälle: „60 Prozent der Missbrauchsopfer waren dabei des gleichen Geschlechts wie der jeweilige Täter“, klärt er auf. Bertone bleibt ebenfalls bei seinen aufsehenerregenden Äußerungen: „Das ist die Wahrheit, und das ist das Problem.“

Zuvor hatte er bei einem Besuch in Chile einen statistisch aussagekräftigen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie verneint, aber Studien zitiert, die einen sehr deutlichen auch psychologischen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie aufzeigten. Die Pädophilie sei im Übrigen in allen Teilen der Bevölkerung zu finden – das gelte auch für Priester. Jeder Missbrauch von Kindern, auch und gerade der durch Priester, sei „sehr schwerwiegend und skandalös“.

Verschiedene Medien und Politiker zeigen sich „empört“, ohne den Zusammenhang selbst widerlegen zu können: „Das ist eine inakzeptable Vermischung von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben. Wir verurteilen das“, so das französische Außenministerium in einer Stellungnahme, die im vermeintlichen Zusammenhang von Missbrauch und katholischer Kirche vor einigen Wochen nicht zu vernehmen war. Der Präsident der italienischen Homo-Organisation Arcigay, Franco Grillini, fügt hinzu, Bertone sage Schändliches und lüge, „wobei er weiß, dass er lügt“. Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD), Axel Hochrein, bezeichnete Bertones Äußerungen als „Hexenjagd“.

Und so sind es viele, die beim scheinbaren Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch die Kirche lautstark anklagten und nun plötzlich selbst in einer viel deutlicheren Verbindung zu stehen scheinen.

Rückblick: Der Theologe Johannes Maria Schwarz hatte bereits im Februar auf eine nationale Studie hingewiesen, die im amerikanischen „Christian Science Monitor“ veröffentlicht wurde und nach der die protestantischen Kirchen Amerikas zu einem höheren Anteil von Pädophilie betroffen seien als die katholische Kirche. Erzbischof Silvano Tomasi, ständiger Beobachter des Vatikans bei den Vereinten Nationen in Genf, wies darauf hin, dass die meisten Missbrauchs-Fälle in den USA in protestantischen Konfessionen zu verzeichnen seien. Die entsprechenden Skandale in jüdischen Gemeinden der USA lägen im Zahlenvergleich ebenfalls über den Missbrauchsvorfällen innerhalb der katholischen Kirche. Auch der deutsche Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber versuchte mit eigenen Statistiken nachzuweisen, „dass sexueller Missbrauch bei Mitarbeitern der katholischen Kirche sehr viel seltener vorkommt als bei anderen erwachsenen Männern“. Nichtzölibatär lebende Männer werden, so Kröber, mit einer 36 Mal höheren Wahrscheinlichkeit zu Missbrauchstätern als katholische Priester. Kröber arbeitet als Professor für forensische Psychiatrie an der Berliner Charité und ist Mitherausgeber des Standardwerks „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“.

Und der statistische Zusammenhang zwischen Homosexualität und Missbrauch? Tatsächlich weisen auch das Bundeskriminalamt und der Deutsche Kinderschutzbund darauf hin, dass bei den Opfern von Kindesmissbrauch generell eindeutig Jungen mit 61,6 Prozent gegenüber 38,4 Prozent Mädchen dominierend seien. Demzufolge wären, wenn man die wenigen erfassten weiblichen Täter vernachlässigt und gleichzeitig bedenkt, dass nur eine kleine Minderheit aller Männer schwul ist, Homosexuelle weit überdurchschnittlich häufig Kinderschänder im Vergleich mit Frauen zugeneigten Männern.

Was die „psychologischen Übereinstimmungen“ betrifft, erinnerte die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach in dieser Woche an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Schwulen und Päderasten (SchwuP) bei den Grünen in den 80er Jahren. Deren Papier zur Legalisierung von Pädophilie wurde bei der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen am 9. März 1985 in Lüdenscheid mit 76 zu 53 Stimmen mehrheitlich als Diskussionspapier in das Landtagswahlprogramm aufgenommen. Der langjährige Schwulen-Aktivist und heutige Parlamentarische Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, Volker Beck, schrieb 1988 in dem Buch  „Der pädosexuelle Komplex“, „eine Entkriminalisierung“ sei „dringend erforderlich“. Manfred Bruns, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes, erläutert den Zusammenhang so: Die Schwulenbewegung habe damals keine wegen ihrer „abweichenden Sexualität“ verfolgte Gruppe „den Herrschenden ausliefern“ wollen. Warum Pädosexuelle inzwischen keine Rolle mehr spielen, das begründet Bruns so: „Heute grenzen sich fast alle Schwulengruppen von den Pädos ab, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie sonst geächtet werden und politisch nichts mehr ausrichten können.“


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