15. April 2010

Deutsche Presse und die Tea Party Faschismuskeule mit Sternenbanner

Proteste gegen schwarze Führer sind natürlich „rassistisch“…

Der sehr schnell einsetzende Protest der Bürger gegen Präsident Barack Obama ging bei uns im anhaltenden Jubel unter. Amerika ist jetzt vereint und glücklich unter seinem ersten farbigen Präsidenten, so ungefähr lief die Berichterstattung über die USA in den ersten Monaten des Teleprompter-Präsidenten. Die Tea Party Bewegung wurde erst nicht ernst genommen.

Inzwischen hat sich das geändert. Vor allem der Wahlsieg der Republikaner in Massachusetts und der dritte Tea Party Express, der heute seine letzte und wichtigste Station Washington erreicht, haben es unmöglich gemacht, den lautstarken Unmut der Bürger weiter zu ignorieren.

Diskutiert wird dabei nicht über die wichtigsten Beweggründe der neuen Graswurzelorganisation Tea Party. Es gäbe da ja einiges in Augenschein zu nehmen, schließlich gibt es genug Gründe, um gegen das Gesundheitsreformgesetz Obamas zu sein, der eine staatliche Einheitskasse schaffen will. Noch bessere Argumente sprechen gegen das gewaltige Bankenrettungspaket. Und sehr gute Gründe schließlich hat eine Opposition, die der Regierung vorwirft, alles das mit immensen Schuldenbergen zu bezahlen, von denen jeder weiß, dass sie auf herkömmliche Art niemals getilgt werden können.

Das Bild, das in unseren Qualitätsmedien von der Tea Party gezeichnet wird, ist jedoch schwer verzerrt. Zwischen verirrten Arbeitslosen, die gegen sich selbst demonstrieren, und ultrakonservativen Republikanern wird immer wieder auch die Rassismus-Keule gegen die Tea Party Bewegung ausgepackt.

„Als Obama seine Gesundheitsreform verabschieden wollte, kamen Tausende Tea-Party-Anhänger nach Washington und demonstrierten mit ‚Kill-the-Bill’ gegen die Reform. Sie bespuckten die Abgeordneten, die für das Gesetz stimmen wollten, beschimpften sie als Schwucheln und Nigger“, schreibt der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Diese Szene vom 20. März, über die der „Spiegel“ so lebhaft berichtet, beschäftigt auch viele Amerikaner. Denn: Die angeblichen Nigger-Rufe hat es wohl gar nicht gegeben! Zwar berichteten die Medien zunächst groß über die Vorwürfe, die von mehreren schwarzen Abgeordneten der Demokraten vorgetragen worden sind. Aber danach kamen Zweifel auf, die einem unvoreingenommenen Reporter nicht entgangen sein dürften.

Erstens fand sich kein einziger Beweis. Und das ist deswegen komisch, weil alles voller Kameras war. Wenn auf einem Klo in einer High School in Wyoming ein weißer Schüler zu seinem schwarzen Klassenkameraden „Nigger“ sagt, dann wird sich niemand über das Fehlen eines Videobeweises wundern. Wenn aber Abgeordnete mit ihren Assistenten, die selbst mit Kameras bestückt sind, durch Washington laufen, am Tage einer sehr wichtigen Abstimmung, dann sind auch viele Kameras da. Aber keine einzige hat den angeblichen Vorfall gefilmt…

Und auch die Leute, die die Abgeordneten bespuckt haben sollen, waren nicht zu finden. Wie blöd, denn ein Abgeordneter hat sogar ausgesagt, der oder die Angreifer seien von der Polizei festgenommen worden. Doch leider gibt es auch dafür keinen Beleg.

Die einzigen Filmaufnahmen, die es bei Youtube gibt, sind solche, die einen sehr zivilen Protest zeigen. Keine vermummten Steinewerfer wie bei den Linken, die ihrer Wut freien Lauf lassen. Sondern Durchschnittsbürger, die buhen und „Kill the Bill“ rufen. Das, so dachten wir, ist noch erlaubt.

Unter US-Bloggern kursiert seit Wochen das Gerücht, dieser Pseudo-Spießrutenlauf sei von den linken Abgeordneten von langer Hand geplant worden. Sie könnten sich verabredet haben, hinterher der Presse zu sagen, sie seinen als „Nigger“ beschimpft worden. Ihre Leute haben alles gefilmt, um Beweise zu produzieren, falls wirklich ein Idiot dabei ist, der sich zu einer rassistischen Bemerkung hinreißen lässt. Aber wenn es einen Videobeweis dafür gäbe – die Amerikaner hätten ihn schon tausendmal gesehen.

Die unreflektierte Widergabe des Rassismusvorwurfs in dem besagten „Spiegel“-Artikel zwei Wochen später ist sicherlich das schlimmste Beispiel für die verzerrte Berichterstattung über die Tea Party Bewegung. Aber auch andere Medien sparen nicht mit wüsten wie unsachlichen Beschimpfungen: Für das „Neue Deutschland“ ist die Tea Party ein „hasserfülltes, lautstarkes Bündnis aus Ultrakonservativen und Rechtsextremisten“. Für den „Kölner Stadtanzeiger“ ist die Tea Party von „rassistischem Gedankengut durchsetzt“. Und für den „Tagesspiegel“ sind die ursprünglichen Anti-Obama-Proteste „rassistischer Natur“.

Das ist das ultimative Totschlagargument: Weil der Präsident ein Schwarzer ist, sind die Leute, die gegen ihn demonstrieren, „rassistisch motiviert“. Mit diesem „Argument“ könnte jede Regierung mit einem schwarzen Regierungschef – und sei sie noch so diktatorisch – ihre Opposition – und sei diese noch so im Recht – mundtot machen.

Die fragwürdige Berichterstattung über die Tea Party zeigt uns heute schon, welche Argumente das politisch-korrekte Establishment in Deutschland gegen eine solche Bewegung hierzulande ins Feld führen würde: Rassismus, Sexismus, Ausländerfeindlichkeit – wahrscheinlich noch erweitert um den Vorwurf, „aus Auschwitz nichts gelernt“ zu haben. Und das gegen Bürger, die nichts weiter wollen als einen schlanken Staat und niedrigere Steuern.

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