26. April 2010

Griechische Tragödie Pfänderspiel

Sie möchten das Geld eben umsonst haben, geschenkt

Nehmen wir mal an, Sie sind ein Geldsack. Das hat sich rumgesprochen und ein guter Bekannter ist gerade nicht flüssig. Er wendet sich also an Sie und bittet Sie darum, ihm Geld zu leihen. Was fragen Sie ihn?

- Was willst du denn damit machen ?

Antwort: Ich kann meine Schulden bei dem und dem nicht zurückzahlen.

- Was bietest du mir für Sicherheiten ?

Antwort: Ich zahle ganz bestimmt zurück, du kannst dich darauf verlassen. Von jetzt an spare ich eisern. Keine überflüssige Ausgabe mehr. Ganz bestimmt nicht. Nur die Raten für meinen Mercedes müssen weiter laufen, ich brauche halt so ein Auto, mit einem Fiat halte ich es nicht aus.

Würden Sie ihm ihr Geld leihen ? Würden Sie überhaupt soweit kommen, über den Zinssatz zu reden? Gewiss nicht.

Warum muss eigentlich Griechenland keine Sicherheiten hinterlegen, um an das Geld anderer Staaten zu kommen? Kredite werden immer mit Sicherheiten, mit einem Pfand unterlegt. Der Zinssatz kommt immer danach. Was nützt es, horrende Zinsen zu verlangen, wenn das Geld schon bei der Ausleihung verloren ist? Warum macht man bei Staatsanleihen eine Ausnahme? Weil der Staat die beliebig zu erhöhenden Steuern seiner Bürger  als Sicherheiten hat. Im Falle Griechenlands ist jedoch das Ende der Fahnenstange schon erreicht, bevor sie überhaupt hochgeklettert sind. Denn dort zahlt niemand nennenswert Steuern. Es gibt keine Zweifel mehr, dass Griechenland nachhaltig pleite ist, weil die Bürger ihr Geld lieber selbst behalten, anstatt es dem korrupten Staat zu übereignen. Geld, das dorthin fließt, wird nicht zurückgezahlt werden. Allenfalls erneut umgeschuldet.

Warum verlangt unsere Spitzenführungskraft Angela M. keine Sicherheiten?

Griechenland müsste ein paar seiner wunderschönen Inseln ja nicht verkaufen, wie es so oft gefordert wird, sondern nur als Sicherheit für den Fall der Fälle anbieten. Eine höhere Motivation, die Schulden zurückzuzahlen, kann ich mir gar nicht vorstellen. Dann würde es nämlich darum gehen, sein Eigentum zu verteidigen. Die Eigentumswirtschaft, Kredite, die mit Eigentum gesichert sind, ist nach Heinsohn/Steiger („Eigentum,  Zins und Geld“, Metropolis Verlag) die Quelle  der Entwicklung der Produktivkräfte. Wer sein Eigentum verteidigen muss, entwickelt ungeheure Energien. Zurück zur Frage: Sie hat Schiss und außerdem keine Ahnung.

Sind die Griechen denn in ihrer Gesamtheit Eigentümer der Inseln?

Sie fühlen sich so. Sie sind es natürlich nur mittelbar, als Nation. Und als Nation würden endlich die Energien frei, die nötig sind, einen schlanken, funktionierenden Staat zu errichten. Oder eben pleite zu gehen und dafür zu bezahlen.

Was würde mit den griechischen Privateigentümern passieren, die Grundstücke auf den Inseln besitzen?

Der Staat würde ihnen ins Grundbuch schreiben, dass ihre Grundstücke belastet sind und sie dafür entschädigen müssen. Sie wären also diejenigen, die in den Arsch gekniffen wären. Doch könnte der griechische Staat diese Last auf alle Bürger verteilen. Oder nur die Reichen besteuern. Oder die Banken in die Pflicht nehmen. An Phantasie, staatliche Einnahmen zu erhöhen, hat es noch nie gefehlt.

Was würde bei Vollstreckung passieren?

Die Vollstrecker, also Deutschland, andere EU-Staaten und der IWF würden die Inseln als Privatbesitzer übernehmen und wahrscheinlich verkaufen. Natürlich würden sie rechtliche Sicherheiten verlangen. Zum Beispiel, sie nicht plötzlich schwindelerregende Steuern an den griechischen Staat zahlen müssen. Das wäre alles verhandelbar. Aber alleine die Vorstellung einer solchen Lösung wird Griechenland vor Empörung aufschreien lassen. Sie möchten das Geld eben umsonst haben, geschenkt. Der Grad der Empörung zeigt übrigens, wie stark diese Energie ist, das Eigentum zu verteidigen. Denn nichts anderes tun sie mit ihrem Geschrei.

 Information

Der Autor Winfried Kellmann betreibt die Buchhandlung BELLE-ET-TRISTE in Berlin-Wedding.


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Autor

Winfried Kellmann

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