08. Mai 2010

Keynes triumphiert Griechenland hat alles richtig gemacht

Wie das Wirtschaftswunder in Hellas zu erklären ist

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der geniale Wirtschaftstheoretiker John Maynard Keynes Recht hatte, dann ist dieser Beweis durch die griechische Volkswirtschaft erbracht. Stand Griechenland noch vor 15 Jahren als eines der ärmsten Länder der EU da, so wurde durch konsequentes Deficit Spending die heutige Wirtschaftsleistung erst ermöglicht.

Konservative wie sozialistische Regierungen haben seit dem, gut beraten durch gewerkschaftsnahe und andere keynesianische Ökonomen, Kredite am Markt aufgenommen und dieses Geld in ihre Volkswirtschaft gepumpt. Dadurch wurde der Konsum angeregt und mithin die Wirtschaft angekurbelt. Erster Erfolg war, dass Griechenland ohne Probleme die Stabilitätskriterien des Euro-Paktes erfüllte und den Euro am 01.01.1999 als Gründungsmitglied der Eurozone einführte.

Griechenland führte diese Politik konsequent weiter. An allen Ecken und Enden wurden kreativ Möglichkeiten aufgetan, den Konsum durch eine kluge Ausgabenpolitik zu stützen. Den Staatsbediensteten wurden die Löhne erhöht. Arbeitnehmer wurden früh verrentet bei fast gleich bleibenden Bezügen. Hohe öffentliche Ausgaben, zum Beispiel ein ungewöhnlich hoher Militäretat, wurden ebenfalls auf Pump realisiert. Durch hohe Lohnabschlüsse bei stabiler Währung konnten die Realeinkommen der Arbeitnehmer gesteigert werden. Flankierende Maßnahmen – Mindestlöhne, hoher Kündigungsschutz – taten ein Übriges.

All dies aber musste gegen die engstirnige Kritik von rechten, neoliberalen Möchtegern-Ökonomen durchgesetzt werden. So wurde teilweise vorgebracht, Konsum schaffe keinen nachhaltigen Wohlstand. Das Anregen der Volkswirtschaft auf Pump bringe nicht soviel zusätzliche Steuereinnahmen, dass die Schulden wieder zurückgezahlt werden könnten. Und soweit das Verteilen von Geld überhaupt zu längerfristigen Investitionen führe, so seien diese zu einem großen Teil Fehlinvestitionen, weil die investierenden Unternehmer falsche Preissignale erhielten.

Peinlich für die neoliberale Crew: Durch die bewährten Rezepte einer rationalen keynesianischen Wirtschaftspolitik konnte das Wirtschaftswachstum tatsächlich derart angekurbelt werden, dass bald das Steueraufkommen des griechischen Staates so sehr anstieg, dass alle Staatsschulden ohne weiteres zurückgezahlt werden konnten.

Dieses Jahr ist Griechenland das erste EU-Land ohne jegliche Schulden, die Wirtschaft brummt und ist ein Motor für die ganze EU, genau wie Keynes es vorhersagt.

Wieder einmal konnten die keynesianischen Rezepte an einem konkreten Beispiel als richtig demonstriert und damit die irrationale neoliberale Kritik daran widerlegt werden.


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Autor

Kai Steinle

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