10. Mai 2010

Weichwährung
Das Endspiel um den Euro kündigt die Apokalypse an

Die EU möchte Hochwasser mit Sturzfluten bekämpfen

Man braucht weder den Maya-Kalender noch die Weissagungen des Nostradamus oder des Malachias, um jetzt klar erkennen zu können, dass das Ende der uns vertrauten Welt naht. Nicht erst um Weihnachten 2012, sondern schon am Ende des laufenden Jahres werden die Mauern des wohlfahrtsstaatlich organisierten europäischen Hauses höchstwahrscheinlich so große Risse zeigen, dass die Einsturzgefahr ins Auge fällt. Damit wird auch klar, dass es keiner Erderwärmung oder anderer Naturkatastrophen bedarf, um uns der Apokalypse näher zu bringen. Der galoppierende Realitätsverlust unserer politischen Klasse reicht alleine hin, um das Gefüge der Welt, wie wir sie kennen, völlig durcheinander zu bringen. Da unsere Regierenden, um ihre Schein-Legimität zu wahren, nicht nur beim Klimawandel, sondern auch bei der Schuldenkrise Ursache und Wirkung vertauschen müssen, können wir uns darauf verlassen, dass sie mit sicherem Instinkt nur zu solcher Medizin greifen, die die Übel, die diese vorgeblich bekämpfen soll, nur verschlimmern kann. Sie erklären den Klimawandel für eine Folge der CO2-Zunahme in der Atmosphäre, obwohl alle Beobachtungen dafür sprechen, dass es sich genau umgekehrt verhält. Und sie erklären die Entwertung des Euro als Folge des Angriffs böser Spekulanten, obwohl es auf der Hand liegt, dass erst die Überschuldung Griechenlands und anderer EU-Mitgliedsstaaten der Spekulation Angriffsflächen geboten hat.

Um die Spekulation gegen den Euro abzuwehren, möchten die EU-Finanzminister Euro-Ländern in finanzieller Schieflage nun mit bis zu 750 Milliarden geborgten Euros und durch den Aufkauf von Ramschanleihen durch die EZB beistehen. Im Klartext: Die durch eine Überschwemmung der Finanzmärkte durch billiges Geld ausgelöste Schuldenkrise soll mit einer Sturzflut billigen Geldes bekämpft werden. Durch die Aufgabe der politischen Unabhängigkeit der EZB werden die bislang immerhin noch halbwegs ökonomisch vernünftigen Deutschen nun definitiv zu Melkkühen der von Nicolas Sarkozy angeführten sozialistischen Erpresser und Umverteiler. In meinem vor drei Jahren erschienenen Buch „Öko-Nihilismus“ bin ich übrigens in einem Zukunftsszenario davon ausgegangen, dass der französische Zentralstaat Dank systematischer Erpressung seiner europäischen Nachbarn immer noch formal existieren wird, wenn Deutschland längst in eine Ansammlung mehr oder weniger lebensfähiger „Gated Communities“, Stadtstaaten und selbstverwalteten Gaue zerfallen sein wird. Angela Merkels Zustimmung zu der von Sarkozy geforderten Aufhebung aller Stabilitätsregeln der Eurozone hat nun den Weg dafür frei gemacht. Ich kannte, als ich das Szenario schrieb, allerdings noch nicht den Maya-Kalender und hatte erst für die 2020er Jahre damit gerechnet.


Internet

FAZ: Der Euro als Weichwährung (Sehr interessant sind auch die Leserzuschriften zu diesem Kommentar.)

Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie


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