Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Margot Käßmann: Dekadente Schöpfungslehre

von Edgar L. Gärtner

Nachlese zum Ökumenischen Kirchentag in München

17. Mai 2010

Nach dem triumphalen Comeback der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann auf dem gerade zu Ende gegangenen Ökumenischen Kirchentag in München kann einem schon unheimlich zumute werden. Ein Redakteur meiner Lokalzeitung „Höchster Kreisblatt/Frankfurter Neue Presse“ erklärt den frenetischen Beifall, den Käßmanns Vortrag im katholischen (!) Münchner Liebfrauendom auslöste, aus der Vorbildrolle, die diese in den Augen ihres überwiegend weiblichen Publikums spiele. Käßmann sei deshalb wie eine Heilsbringerin gefeiert worden, weil sie „ein Vorbild auch im Scheitern“ sei, schreibt der Kollege Olaf Kern, der früher einmal als Werbetexter gearbeitet hat. Er hätte auch schreiben können „Vorbild in der Dekadenz“, denn die gefallene Bischöfin und Noch-Pfarrerin erhielt den größten Applaus für ihre Behauptung, die Anti-Baby-Pille sei ein „Geschenk Gottes“ und freier Zugang zu Verhütungsmitteln das Mittel der Wahl im Kampf gegen die Überbevölkerung in armen Ländern. Sie erklärte die von Biochemikern entwickelte Lebensverhinderungs-Pille zu einem schützenswerten Teil von Gottes Schöpfung, während sie das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum wie die damit unweigerlich verbundenen CO2-Emissionen offenbar als Teufelswerk ansieht. Deutlicher kann man die in der nihilistischen Konfusion von Eros und Tanatos gipfelnde postmoderne Beliebigkeit kaum ausdrücken.

Dabei fällt mir ein, dass der von mir hier an Ostern zitierte Spruch von Gómez Dávila über den hygienischen Nutzen der Inquisition eine Fortsetzung hat. Die Intoleranz des alten römischen Pontifikats sei weniger gegen die Ketzerei gerichtet gewesen als gegen Schäbigkeit und Einfältigkeit, behauptet dort der begnadete Aphorist. Und einige Seiten weiter betont er: „Zwischen Christen und Skeptikern existiert ein Pakt zur Rettung des Menschen vor dem fortschrittlichen Schwachsinn.“ Der Münchner Kirchentag zeigt in der Tat, dass weder gesunder Menschenverstand und Skeptizismus noch bibeltreues Christentum in der politisch korrekten Ökumene eine Heimstatt finden können.

Internet

Margot Käßmann Superstar

Käßmann im Liebfrauendom: Pille ist ein ‚Geschenk Gottes’

„Geschenk Gottes“. Käßmanns Pillenlob bringt Katholiken in Rage

Gómez Dávila: Scholien zu einem inbegriffenen Text

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