22. Mai 2010

Euro-VerteidigungAngela Merkel flieht das Pfingstwunder

Aber es ist noch nicht zu spät für die Erleuchtung

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte offenbar alles daran, die deutsche Beteiligung am Euro-Rettungspaket in Höhe von 148 Milliarden Euro (plus 20 Prozent Spielraum nach oben) noch vor Pfingsten mit Hängen und Würgen durch den Bundestag zu bringen. Vermutlich ging es ihr darum, der letzten Chance einer Erleuchtung durch das Pfingstwunder zu entgehen. Vielleicht fürchtet sie auch, von jenen erpresst zu werden, die mehr über ihre Stasi-Vergangenheit wissen. „Herr vergib’ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, kann man da nur all jenen Mitgliedern des deutschen Bundestages zurufen, die sich – aus welchen Gründen auch immer – dazu hergegeben haben, der Enteignung deutscher Sparer durch die monetäre Planwirtschaft der EU und deren Umverteilung von Wohlstand zugunsten disziplinloser Mittelmeeranrainer zuzustimmen.

"Scheitert der Euro, dann scheitert Europa." Mit diesem ultimativen Spruch hatte Angela Merkel am 19. Mai vor dem Bundestag für den 750-Milliarden-Euro-Schutzschirm und das von der Berliner Regierung im Alleingang ausgesprochene sofortige Verbot von Bankaktien- und Anleihe-Leerverkäufen geworben. „Die Währungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Bewahrung der europäischen Idee“, betonte die Kanzlerin. Schon einige Tage zuvor, nach der nächtlichen staatsstreichartigen Aufhebung aller Stabilitätsregeln der Euro-Zone, hatte der Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso in großsprecherischer Manier verkündet: „Wir werden den Euro verteidigen, was immer es kosten mag.“

Da liegt für alle, die statt des „Teuro“ lieber ihre vergleichsweise soliden D-Mark oder Gulden behalten hätten, der Schluss nahe: Wenn Europa nicht für mehr steht als für eine von französischen Technokraten ausgedachte Papierwährung, dann ist nicht einsichtig, warum man für die Verteidigung dieser Kopfgeburt alle denkbaren Opfer bringen soll. Wer es nicht glauben wollte, dass die europäischen Regierungschefs nicht nur Papiergeld „ex nihilo“ schöpfen, sondern tatsächlich nach dem Nichts streben, der könnte sich nun davon überzeugen.

Dass nach der Absegnung der Ergebnisse des Brüsseler Staatsstreichs in Berlin kein Aufschrei durch das Land ging, ist kaum zu glauben. Vielleicht geht aber einem Teil der Europäer über Pfingsten doch noch ein Licht auf und sie beginnen zu erkennen, dass Europa eher nach dem Muster der römischen Verträge zwischen Nationalstaaten (EWG) und noch besser als Ansammlung von Kleinstaaten unter dem Dach des heiligen römischen Reiches oder deren Verbund in der Habsburger Monarchie mit freiem Handel auf der Basis echten Geldes funktioniert. Denn die Geschichte zeigt, dass die damit verbundene kulturelle Vielfalt zum Durchbruch der Freiheitsidee und zum Aufblühen der Wirtschaft in Kontinentaleuropa führte, während Versuche großräumiger Gleichschaltung immer Krieg, Not und Elend herbeiführten. Echtes (Privat-)Geld fördert die Völkerverständigung, während das zentralstaatliche Papierwährungsmonopol Neid und Zweitracht sät. Da hilft es auch nicht, dass sich die Regierenden auf Krisensitzungen in schlechtem Englisch zu verständigen suchen.

Internet

Merkel verspricht Spekulanten-Bremse

Angela Merkel warnt vor dem Zerfall Europas

Leon de Winter: Zurück zur EWG 

Werner Abelshauser: Zweite Entmachtung der Bundesbank


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