Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist aus Berlin, Medienredakteur bei der "Jungen Freiheit".

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WM 2010: Sport ist Sport – Politik ist Politik

von Ronald Gläser

Über die Instrumentalisierung der Nationalelf

24. Juni 2010

Sport und Integration. Das neue Dogma in Deutschland geht so: Durch Sport lösen wir die Probleme mit unseren integrationsunwilligen Zuwanderern. So verbreitet das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen die frohe Botschaft: „Über das gemeinsame Sporterlebnis ergibt sich die Gelegenheit, Menschen anderer Kulturkreise kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, aber auch Missverständnisse und Vorurteile abzubauen, Verständnis und Toleranz aufzubauen.“ Was für eine kitschig-romantisierende Vorstellung vom Zusammenleben in Problemgegenden! Wenn Familien versagen, wenn die Schule versagt, wenn Leute auf dem Arbeitsmarkt chancenlos sind – dann soll ein gemeinsames Fußballspiel plötzlich alles regeln. Einfach absurd.

Obwohl diese Vorstellung abenteuerlich ist, setzen die Linken neuerdings auch auf den früher so verhassten Spitzensport („alles total kommerzialisiert“), um ihre Vorstellungen von einem glücklichen Multikulti-Zusammenleben zu verwirklichen. Deswegen wird jetzt mächtig politisiert, was viel schlimmer ist als alle Kommerzialisierung. Längst ist die rassische Zusammensetzung der Nationalelf – oder heißt es jetzt Bevölkerungself? – ein Politikum, so als ginge es bei der Weltmeisterschaft um die Umsetzung innenpolitischer Quotenziele – statt um Tore. Den normalen Deutschen wird es dann noch als Vorteil verkauft, wenn viele Spieler mit Migrationshintergrund an einem Sieg beteiligt sind. Aber nur dann! So feierte Patricia Schäfer im ZDF-Frühstücksfernsehen den Sieg der Deutschen über Australien als Erfolg einer „multikulturellen Mannschaft“. Komischerweise war im ZDF nach der Niederlage gegen Serbien kein Wort von der „Multikultitruppe“ zu hören, die ziemlich kläglich versagt hat. „Multikulti“-Propaganda ist nur für Schönwetterperioden gedacht.

Ähnliche Anwandlungen wie im ZDF bei „Spiegel online“: Dort wurde kürzlich im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ behauptet, wir Deutsche seien langweilig und würden gerne mehr so „multikulti“ sein wie unsere Mannschaft: „Deshalb begeistern sich die Deutschen für ihre jugendliche Multi-Kulti-Truppe, die an guten Tagen so flott und modern daherkommt, wie das Land gerne wäre.“ Dazu fällt mir eigentlich nur der Slogan aus der Du-darfst-Werbung ein: „Ich will so bleiben wie ich bin.“

Der Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, SPD-nah) schließlich ließ die Katze kürzlich aus dem Sack. Er meinte in der Berliner Morgenpost: „Mesut Özil ist mein Lieblingsspieler, weil er das beste Beispiel für Integration in Deutschland ist.“ Das sagt ja eigentlich schon alles. Er ist nicht für Mesut Özil, weil er ein guter Spieler ist und Tore schießt, sondern weil er angeblich ein Beispiel für Integration ist. Ausgerechnet Mesut Özil. Der gebürtige Türke singt nach eigener Aussage die Nationalhymne nicht mit, sondern betet Koranverse, wenn die Melodie gespielt wird. Tolle Integration ist das.

Ich stelle mir Integration so vor wie bei meinem türkischen Dönerhändler am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Der ist ein fleißiger Typ und arbeitet, damit es seine Kinder mal besser haben. Nix Hartz IV. Zur Zeit hat er eine große Deutschlandfahne an sein Geschäft gehängt und eine Tafel aufgestellt, auf die er gekritzelt hat: „Bei Jedem Deutsche Sieg ein Freigetränk!“ (sic, sic, sic). Wenn sein Sohn jetzt noch in der Schule aufpasst, wie man den Satz richtig schreibt, dann ist die Familie in einer Generation integriert. Aber ohne diese Eigenleistung wird es nicht gehen.

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