15. Juli 2010

Gendermania Karriere in Teilzeit?

Wahlgeschenke für die oberen weiblichen Zehntausend

Heute früh ist mir schon wieder der Appetit vergangen, als ich das ZDF-Morgenmagazin sah. Ohne besonderen Anlass war es mal wieder Zeit für eine Fernseh-Hassminute. Diesmal richtete sie sich gegen das patriarchalische Wirtschaftssystem und uneinsichtige Arbeitgeber, die zu wenige Frauen in Führungspositionen einsetzen.

Aufgehängt wurde die Geschichte an Anke Domscheit-Berg, einer Microsoft-Managerin. Die 42jährige Mutter eines Sohnes wünscht sich mehr Teilzeitbeschäftigung für Führungskräfte. Das sei aber schwer zu machen, denn Arbeitgeber beurteilten ihre Mitarbeiter zu oft danach, wie hoch ihre Präsenz sei – und nicht nach der Qualität ihrer Arbeit. Ein richtiger Punkt – aber deswegen ist die Argumentationskette trotzdem nicht richtig.

Wirkliche Fach- oder Führungskräfte sind nun mal so mit ihrem Job, ihrem Projekt, ihrer Firma verbunden, dass sie den ganzen Tag an nichts anderes denken können. Sie sind mit ihrer Firma „verheiratet“. Das ist die Realität. Wie soll jemand, der nur einen halben Tag im Büro ist, diese Leidenschaft entwickeln? Frau Domscheit-Berg könnte ja mal bei Bill Gates nachfragen, ob der sein Unternehmen auch „in Teilzeit“ aufgebaut hat.

Die brutale Wahrheit lautet: Frauen müssen sich entscheiden – Kinder oder Karriere? Beides geht nicht. Ich kann das Wort von der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ nicht mehr hören. Natürlich durfte auch in dem ZDF-Beitrag das Lieblingsklagelied nicht fehlen: „Familie und Beruf zu vereinbaren ist in Deutschland noch immer schwer. Unter anderem deshalb sind Frauen nach wie vor weniger in den Chefetagen zu finden.“

Familie und Beruf sind ungefähr so gut zu vereinbaren wie Fahrradfahren und Telefonieren oder Pinkeln und dabei ein Bierglas in der Hand halten. Es war immer unpraktisch und wird es immer sein. Aber es geht. Deswegen bekommen die meisten normalen Frauen beides letztlich auch unter einen Hut. Ob als Parfümverkäuferin bei Douglas, als Verlagsangestellte, Zahnarzthelferin oder als Kassiererin bei Aldi – die meisten normalen Frauen gehen irgendwann – wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind – wieder arbeiten und führen ein normales, glückliches Leben. Sie arbeiten Teilzeit oder auf 400-Euro-Basis und machen damit den Sommerurlaub möglich oder helfen, das Auto abzubezahlen.

Es sind die Karriereweiber mit den dicken Brieftaschen, die jetzt weitere Vorteile für sich einfordern. Sie wollen das Unmögliche. Und wenn die Arbeitgeber ihnen das nicht freiwillig geben, dann muss der Staat sie dazu zwingen. Heute zum Beispiel fordert Manuela Schwesig mal wieder Frauenquoten in Vorstandsetagen von privaten Unternehmen. Als nächstes kommt dann wahrscheinlich die Forderung danach, Unternehmen dazu zu verpflichten, dass sie Frauen auf Wunsch einen Teilzeitarbeitsvertrag anbieten müssen bei gleichzeitiger Zwangsbeförderung.

Es gibt kaum jemanden in Deutschland, der sich nicht über die bösen Wahlgeschenke an die FDP-Klientel in Form von Steuersenkungen für Hoteliers aufregt. Doch was ist mit diesen und allen anderen viel, viel teureren Gender-Wahlgeschenken für die Karrierefrauen mit den dicken Brieftaschen?


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