André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Volksentscheid zur Schulreform in Hamburg: Szenen des Untergangs

von André F. Lichtschlag

Bildungsferne Schichten als letztes Aufgebot von Medien und Politik

Erinnern Sie sich noch an den 29. November 2009? Die Schweizer stimmten per Volksentscheid mal eben gegen die Vorgaben ihrer gesamten politischen Klasse, gegen alle Parteien mit Ausnahme der SVP, gegen die Gewerkschaften, gegen die Kirchen, gegen alle Medien mit Ausnahme der „Weltwoche“ – und inhaltlich für ein landesweites Minarettverbot. Das Volk, so zeigte sich, steht tatsächlich weit rechts von der linken „classe politique“ sowie deren Medienclaqueuren.

Gestern stimmten die Hamburger an einem ebenso denkwürdigen 18. Juli 2010 gegen die Vorgaben ihrer gesamten politischen Klasse, gegen alle Parteien von CDU bis Linke mit Ausnahme der FDP, gegen die Gewerkschaften, gegen die geballte Medienmacht – und inhaltlich gegen die bewährte Einheitsschule Margot Honeckers bis Klasse 6. Wieder gilt die Erkenntnis: Das Volk steht heute weit rechts von Medien und Politik. Wenig überraschend übrigens für all jene, die schon einmal einen Blick in beliebige Internetforen und Kommentarspalten geworfen haben: Das Ansehen der Politiker und Journalisten mit ihren linken Ideologien ist längst in den Minusbereich unterhalb der Gebrauchtwagenhändler mit ihren übertünchten Roststellen gesunken.

Dabei hatten sie mal wieder alles gegeben. Die öffentlich-rechtlichen Staatsfunker hatten im Vorfeld „neutral berichtet“ wie es nur ging, das Landesparlament legte bewusst-versehentlich den Termin der Volksabstimmung in die großen Ferien, so dass möglichst wenige betroffene Eltern teilnehmen und von möglichst vielen der meist kinderlosen Polit- und Gewerkschaftsfunktionäre überstimmt werden könnten – und als sich dennoch vor einigen Tagen bereits eine Niederlage abzeichnete, kündigte Ole von Beust seinen Rücktritt geschickt-inoffiziell am Vorabend der Abstimmung an, so dass seine Abwahl als womöglich schöner Nebenanreiz für eine Nein-Stimme auch noch entfallen sollte. Es half am Ende alles nichts.

Natürlich, zur Abstimmung standen gestern nur noch etwas mehr und etwas weniger Schulsozialismus. Bildung, das ist klar, muss wie Brötchen und Autos auch vom Markt bereitgestellt werden, um die Misere wirklich zu überwinden. Schule funktioniert dauerhaft nur als Angebot und auf eigene Kosten, nicht als Zwang und auf Rechnung Dritter und künftiger Generationen. Solch grundsätzliche Erkenntnisse werden erst wirklichen Umwälzungen nach dem Zusammenbruch des bis über beide Ohren überschuldeten neosozialistischen Menschenexperiments, genannt: „der freie Westen“, folgen.

Zunächst aber stehen wir wieder am Beginn der Wendezeit. Medien und Politik sehen bereits vergleichbar durchblickend aus wie im Osten Europas vor 1989 – niemand nimmt sie noch ernst, keiner glaubt ihnen mehr wirklich. Das Fernsehen liefert den Offenbarungseid: Ähnlich wie zuletzt am Wahlabend in Nordrhein-Westfalen wurde auch gestern die personelle „Evolution“ unserer Herrscherklasse mittels TV deutlich sichtbar in jedes Wohnzimmer übertragen. Immer wieder wurden da die beiden kommenden Hauptakteure der Landespolitik ins Bild gezoomt, hier von Beusts vermutlicher Nachfolger Christoph Ahlhaus (CDU), dort die grüne Landesvorsitzende und Koalitionspartnerin Katharina Fegebank (GAL). Man schaue sich diese Elite an… Und lächle. Denn Humor ist Trumpf, im Endstadium jedes „Systems“.

Internet

Christoph Ahlhaus 1

Christoph Ahlhaus 2

Christoph Ahlhaus 3

Katharina Fegebank 1

Katharina Fegebank 2

Katharina Fegebank 3

19. Juli 2010

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