03. August 2010

Unwetter Keine Tornados im Juli 2010

Windhosen sind hierzulande ein alter Hut

Konsumenten staatsnaher deutscher Medien mussten in diesem Sommer den Eindruck gewinnen, dass unser Wetter immer extremere Kapriolen schlägt. So gab es vom 12. bis zum 14. Juli an mehreren Orten Deutschlands Tornaldo-Alarm. In Wettervorhersagen wurde ausdrücklich vor „Tornados“ gewarnt, und wie zur Bestätigung meldeten daraufhin die Qualitätsmedien im Gleichschritt, dass ein Tornado auf Helgoland einen Campingplatz verwüstet habe. Staatlich alimentierte Klimawahrsager beeilten sich, darauf hinzuweisen, dass dies alles mit der menschgemachten Erderwärmung zu tun habe. Und Maybritt Illner fragte am 22.07.2010 in ihrer Sendung, ob die Natur sich nun am Menschen räche, woraufhin Klimafrosch Mojib Latif eine heiß-düstere Zukunft an die Wetterwand malte und international gebündelte kraftvolle Abwehrmaßnahmen einforderte, Umweltminister Norbert Röttgen eindringlich „alternative“ Energiequellen beschwor und die Grüne Khmer Hanna Poddig das herrschende Energieverbraucherschweinesystem ganz abschaffen und unser aller Konsum auf naturverträgliches Steinzeitniveau herunterfahren wollte.

Wenn aber endlich der Merkel-Befehl umgesetzt ist, wonach der Mensch die Erde nur noch um weitere zwei Grad und keinen Grad mehr aufwärmen solle, dann lässt die dankbare Natur das mit der Rache gewiss sein und hört mit ihren Warnstichen auf. Dann gibt es in Deutschland keine zu kalten Winter und keine zu heißen Sommer mehr, das Wetter hält sich brav an die Durchschnittstemperaturen, und artfremde Tornados müssen wieder dorthin wo sie herkamen, nämlich ins schlimmste aller Sünderländer, wo die Naturentweiher und Klimafrevler noch viel mehr Energie verbrauchen als bei uns.

Doch gab es im Juli 2010 wirklich Tornados in Deutschland, und wenn ja, wäre das so außergewöhnlich gewesen? Der passionierte Wetterexperte Thomas Sävert hat historische Berichte über Windhosen in Deutschland akribisch genau zusammengetragen und auf seiner Webseite tornadoliste.de veröffentlicht. Über den Fall Helgoland am 12.07.2010 schreibt er: „Über die Düne nahe der Insel Helgoland zog eine ausgeprägte Böenfront hinweg, ein Tornado ist nahezu ausgeschlossen.“ Im Juli dieses Jahres gab es Sävert zufolge in Deutschland keine waschechte Windhose mit Bodenkontakt. Doch die Chroniken aus deutschen Landen sind seit dem Mittelalter voller Berichte über Windhosen und Wirbelstürme, die teilweise sogar viele Menschenleben forderten. Wahrscheinlich verging kaum ein Jahr ohne zumindest einen regelkonformen Tornado.

Zeugen eines solchen Unwetters wurden beispielsweise im Jahre 1670 die Radeberger in Sachsen: „entstunde alhier bey sonst stillem Wetter ein unversehener starcker Sturm und Wirbel-Wind welcher auf dem Alten Marckte etliche noch verhandene: insonderheit die Weissen-Zeug: und Klöppel-Spitz-Buden übern hauffen warff und die Wahren in die Lufft führte daß theils vor den Thoren in Gärten thiels auf den Wällen und Pasteyen theils auf den hohen Dächern der Häuser liegen blieben.“

Die Dietzenbacher Chronik berichtet aus dem Jahre 1774: „Zwischen 16 und 17 Uhr wütete der Tornado hier, riss alles mit sich, außerhalb der Bahn war es windstill. In der Ortschaft Arnsdorf werden alle Dächer zerstört, danach ganze Häuser und Ställe in Dittersdorf. Dabei starben viele Kühe und Menschen wurden schwer verletzt. Dann folgte eine 50 Meter breite Schneise durch ein Waldgebiet, kein Baum blieb stehen. Einige Bäume wurden mehrere hundert Meter weiter geschleudert oder sogar der Rinde beraubt. In Etzdorf bei Roßwein wurden mehrere Häuser dem Erdboden gleichgemacht.“

Selbst in größeren Städten wie Hannover, Köln, Trier, Plochingen oder Aschaffenburg richteten Tornados in den letzten fünfhundert Jahren erhebliche Sach- und Personenschäden an. Was sich nur geändert hat, ist die Bezeichnung dieses Wetterphänomens: Erst in den letzten beiden Jahrzehnten werden Windhosen im zunehmenden Maße und seit etwa drei Jahren fast durchweg in der Presse als „Tornados“ bezeichnet. Das klingt natürlich dramatischer, todbringender, warnender und rächender als das profane Wort „Windhose“. Aber auch andere unlängst geschehene Unwetter und Temperaturanomalien fallen historisch gesehen nicht gerade aus dem Rahmen, wie eine Auswahl von Katastrophen der letzten 120 Jahren beweist, die das „Europäische Institut für Klima und Energie“ (EIKE) auf seiner Webseite zusammengetragen hat.

Offenbar hat sich die Natur schon immer an uns Menschen gerächt. Die Menschen sollten ernsthaft anfangen, sich zu wehren: Statt dem Klimagott immer neue Opfer darzubringen, sollte sehr viel mehr Energie produziert und darauf verwendet wenden, menschenfeindliche Wetterfolgen so gut wie möglich einzudämmen. Wenn uns aber die Umweltfundamentalisten zu Bescheidenheit und Armut verdammen, wird es die Natur viel leichter haben, uns hinwegzufegen.

Internet:

Tornado-Historie von Thomas Sävert

EIKE: Unwetterauswahl der letzten 120 Tage


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