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Aktuelle Nachricht – Venezuela: Mordrate unter Chávez im Steigflug

von Redaktion eigentümlich frei

Pressekodex soll Linderung bringen

(ef-DS) Im Jahre 2009 wurden in Venezuela 16.000 Menschen ermordet. Mit 49 Mordopfern pro 100.000 Menschen liegt Venezuela somit an der Spitze der Länder mit über 25 Millionen Einwohnern und verweist sogar Südafrika mit 37 Ermordeten auf Platz zwei. Es folgen Kolumbien (35), Brasilien (25), Russland (16), Mexiko (14), Thailand (8), Ukraine (7), Türkei (7), Pakistan (7), die USA (5,4) und Argentinien (5,3).

China (2,4), Kanada (1,8), Frankreich (1,6) und Großbritannien (1,5) muten schon nicht mehr ganz so gefährlich an, während im Vergleich dazu Italien (1,1) und Deutschland (0,9) schon fast idyllisch anmuten. Am unteren Ende befindet sich Japan mit schlappen 0,44 Ermordeten.

Die Mordrate wird von Land zu Land mit recht unterschiedlichen Methoden ermittelt. So gehen zum Beispiel in vielen Ländern Mordversuche mit in die Statistik ein, in anderen wiederum nicht. In vielen Entwicklungsländern dürfte zudem ein Großteil der Ermordeten statistisch gar nicht erfasst werden. Mit Sicherheit ist auch davon auszugehen, dass in so manchem Staat die Statistiken aus politischen Gründen geschönt werden. Es fällt dennoch auf, dass gerade kleptokratische Schwellenländer mit staats- und bürokratiebedingt undurchlässigen Klassenstrukturen und entsprechend großem Gefälle zwischen Arm und Reich eine extrem hohe Mordrate aufweisen.

Dass ausgerechnet Venezuela an der Spitze der mörderischen Kriminalität liegt, steht somit im krassen Gegensatz zum Anspruch des seit 1999 regierenden nationalistisch-sozialistischen Führers Hugo Chávez, der sich mit seiner raumorientierten Wirtschaftspolitik (Modell der „endogenen Entwicklung“) und seiner offiziellen Sozialpolitik vor allem eine Verbesserung der Lage der Armen auf die Fahnen geschrieben hat. So führt die Regierung die auch in lateinamerikanischem Vergleich extrem hohe Mordrate lieber auf die noch zu zerschlagenden kapitalistischen Reststrukturen des Landes zurück, und das obwohl die Mordrate im Jahre 2000 noch bei 33 lag und der vergleichsweise viel „kapitalistischere“ Rivale Kolumbien in der selben Zeitspanne seine Mordrate von einem Spitzenplatz (63) auf nunmehr 35 reduzierte.

Da die Erklärungen des Sozialpopulisten Chávez für die hohe Kriminalität bei der Bevölkerung offenbar nicht ganz glaubwürdig rüberkommen, schickt man sich nun an, die Übermittler der schlechten Botschaft, nämlich die Presse, zur Staatsräson zu verdonnern: Zumindest einen Monat lang darf die venezolanische Presse nun keine Fotos mehr veröffentlichen, auf denen Gewalttaten oder deren Folgen zu sehen sind, so ein Gerichtsbeschluss. Wenn die Bevölkerung die Opfer auf dem leuchtenden Pfad zur sozialistischen Gesellschaft nicht registriert, so offenbar das Kalkül, kommen weniger Zweifel an der Richtigkeit der Marschrichtung auf.

Zensurbestrebungen in Bezug auf Kriminalitätsstatistiken gibt es indes auch in Ländern, die sich noch am unteren Ende der Mordskala befinden. So könnte sich der Deutsche Presserat auf das Antidiskriminierungsgesetz berufen, wenn er der Forderung in seinem „Pressekodex“ für Journalisten Nachdruck verleihen will, wonach die ethnische oder religiöse Zugehörigkeit von Tätern in Kriminal- und Gerichtsberichten nur dann preisgegeben werden soll, wenn „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.“

Internet:

List of countries by homicide rates (Wikipedia)

20. August 2010

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