27. August 2010

Migration und Fertilität Aufruhr auf der „Andrea Doria“

Sarrazins Thesen sind jedoch nur die halbe Wahrheit

„Och, nicht schon wieder Sarrazin!“, wird der geneigte Leser angesichts der Überschrift vielleicht ausrufen, und in der Tat erinnert das politische Deutschland in diesen Tagen an einen Hühnerstall, in den jemand einen Knallfrosch geworfen hat. Wenn sich selbst die ehemalige FDJ-Sekretärin im Kanzleramt bemüßigt fühlt, sich öffentlich zu einem Buch zu äußern, das sie gar nicht gelesen hat, muss der Schock wirklich tief sitzen.

Zweifellos hat Thilo Sarrazin recht mit dem, was er über den fehlenden Integrationswillen der Mehrheit türkisch-arabischer Zuwanderer sagt oder schreibt. Dass deren Integration gescheitert ist, pfeifen schon heute die Spatzen von den Dächern, und auch das vehementeste Geschrei seiner Gegner wird nichts daran ändern, dass diese offenkundige Tatsache Allgemeingut wird bzw. heute schon ist.

Der Verweis auf das Verhalten vieler Migranten und die verfehlte Einwanderungspolitik aller Regierungen seit den 70er Jahren erklären allerdings nicht, weshalb deutsche Frauen immer weniger Kinder bekommen, so dass Deutschland mit nunmehr 7,9 Geburten je 1000 Einwohner heute das Schlusslicht in Europa darstellt. Der Verweis auf höheren Wohlstand und Bildungsgrad der Bevölkerung und die damit verbundenen höheren Ansprüche an Einkommen und Lebensqualität greift nur teilweise und erklärt zudem nicht, weshalb ausgerechnet im reichsten Land Europas die Geburtenrate am niedrigsten ist. Wirtschaftliche Gründe allein können also nicht die Ursache für den Verzicht vieler Frauen und junger Paare hierzulande auf eigene Kinder sein. Bedenkt man die wirtschaftliche Situation der Familien in der 60er Jahren der alten Bundesrepublik oder in den 70er und 80er Jahren in der ehemaligen DDR mit vergleichsweise exorbitant hohen Geburtenraten, so taugt auch das Argument angeblich krisenhafter Entwicklungen nicht als Erklärung, und der in diesem Zusammenhang oft gebrauchte Begriff „Armutsrisiko“ mutet beinahe wie ein zynischer Witz an. Die Gründe für diese Verweigerungshaltung müssen also auch psychologischer und gesellschaftlicher Natur sein.

Hier muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch das gesellschaftliche Klima hierzulande und das von der hiesigen politisch-medialen Kaste gepflegte negative Selbstbild der Deutschen zu dieser Entwicklung beiträgt. Wer möchte seine Kinder schon in einem Land zur Welt bringen, das seine Identität in Kriegsschuld und Massenmord sucht und findet, die eigenen Vorfahren pauschal als „Täter“ verunglimpft, die Opfer des eigenen Volkes marginalisiert und verleugnet und seine gesamte Geschichte auf 12 Jahre NS-Herrschaft verengt?

Das ist keine theoretische oder gar provokatorische Frage, denn es gibt einen durchaus nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen der emotionalen Befindlichkeit der Menschen (Selbstwert-, Gemeinschaftsgefühl und Zukunftssicherheit) – kurzum ihrer grundsätzlichen Einstellung zum Leben – und ihrer Neigung, eine Familie zu gründen. Selbst kurzfristige positive Erlebnisse, wie erst unlängst die Fußball WM 2006, bei der die Deutschen zum tiefen Entsetzen der Politik ihre nationalen Symbole wieder in Gebrauch nahmen, haben einen Effekt auf die Zeugungswilligkeit, deren Zunahme sich in einem deutlichen Babyboom im Frühjahr 2007 auswirkte.

Eine positive Gemütslage ist in Deutschland allerdings eher die Ausnahme als die Regel, und dies ist politisch durchaus beabsichtigt. Ein positives Gemeinschaftsgefühl der Deutschen ist zweifellos sogar eine Schreckensvision für die 68er-geprägte Politiker- und Meinungsbildnerkaste hierzulande, deren Herrschaftsanspruch sich nur durch ideologische Indoktrinierung und der Züchtung von Schuldkomplexen dauerhaft aufrechterhalten lässt. Diese Kaste bezieht ihr Selbstbewusstsein ausschließlich aus einer unterstellten moralischen Überlegenheit gegenüber dem eigenen Volk, dem man zutiefst misstraut und für dessen dauerhafte Repression ihr jedes Mittel bis hin zur zahlenmäßigen Marginalisierung desselben gerechtfertigt erscheint.

Wer zu den Wurzeln dieses fast schon selbstmörderischen Verhaltens vordringen will, wird in Josephs Fischers (das ist jener linksextreme „Straßenkämpfer“, der es nach Disziplinierung zum bundesdeutschen Außenminister bringen durfte) Buch „Risiko Deutschland“(!) fündig.

Im Zusammenhang mit der damaligen Visa-Affäre diagnostizierte Mariam Lau in der „Welt“: „Aber es bleibt eben beim ‚Risiko’, das nur durch Westbindung und europäische Integration einzuhegen sei: ‚Eine deutsche demokratische Linke, die diese beiden historischen Grundbedingungen der bundesrepublikanischen Politik nicht mit Klauen und Zähnen verteidigt, muss von Sinnen sein, denn sie würde nicht nur das Land, sondern auch sich selbst erneut in eine schlimme Gefahrenlage bringen.’ Deutschland muss von außen eingehegt, und innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi ‚verdünnt’ werden.“

Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass die deutsche Geburtenrate gering zu halten ist – was unter anderem durch den Feminismus, die Förderung der Abtreibung, die Propagierung „alternativer“ (also schwuler und lesbischer) Partnerschaften sowie die Diffamierung der klassischen Familie und der Mutterschaft generell als Keimzelle und Ideal des Nationalsozialismus geschieht – bei gleichzeitiger massiver Förderung des Zuzugs und der dauerhaften Niederlassung von Ausländern, teilweise sogar unter Umgehung geltenden Rechts (siehe Visa-Affäre). Dass die „Grünen“ (mit den rot-braunen Wurzeln), Teile der SPD und die SED-Erben diese Politik gegen das eigene Volk und die eigene Kultur aus ideologischen Gründen unterstützen und forcieren, vermag nicht zu verwundern. Um so befremdlicher ist es jedoch, dass die Union (immerhin noch mit dem Relikt „C“ aus besseren Tagen im Parteinamen) nicht nur keinerlei Widerstand leistet, sondern sich sogar bereitwillig mit vor diesen Karren spannen lässt.

Konrad Adenauer würde sich angesichts von Persönlichkeiten wie der ehemaligen FDJ-Sekretärin Angela Merkel, der Integrationsbeauftragten Böhmer oder eines Herrn Laschet in NRW im Grabe umdrehen, die heute das Bild der Union prägen. Wäre Adenauer heute noch politisch aktiv, hätte ihn die CDU längst wegen „nationalistischer und revisionistischer Tendenzen“ aus der Partei ausgeschlossen. Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen „Modernisierung“ hat die CDU unter Frau Merkels Führung inzwischen alles über Bord geworfen, für das die Union einst stand: Familie, Religion, nationale Identität und Kultur. Sie hat auf allen relevanten Gebieten die Positionen des politischen Gegners übernommen und kämpft heute sogar wacker mit gegen „Rechts“ (das ist das, was die Union selbst einst war)!

Kurzum, die Union ist heute nicht mehr und nicht weniger integraler als Teil einer sozialistischen Blockparteienlandschaft, die der in der ehemaligen DDR inzwischen schon fast bis aufs Haar ähnelt. Nein, damit täte man der DDR sogar Unrecht, denn selbst in dieser Diktatur von Moskaus Gnaden war der Blick keineswegs rückwärtsgerichtet, schon gar nicht in einer so krankhaften Form des Selbsthasses, wie er den 68er Ideologen zu eigen ist.

Die Bundesrepublik von heute ist dagegen krank an Leib und Seele, und so ist Sarrazins Zukunftsszenario keineswegs eine weit hergeholte Horrorvision, sondern die unausweichliche Folge gegenwärtigen politischen Handelns. Gegensteuerung ist vielleicht (noch) möglich, aber dazu bedarf es eines konservativ-freiheitlichen Korrektivs in der Politik, das ich im Augenblick nicht sehe. Vielleicht ist ja der Leidensdruck noch nicht groß genug.


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