Adorján F. Kovács

ist Gesichtschirurg und Publizist.

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Kommentar: Kampf gegen Sarrazin

von Adorján F. Kovács

Wenn die linke Schraube der Dialektik durchdreht

Die Linke übertreibt es manchmal mit der Dialektik. Dem Juden Karl Marx wurde schon Antisemitismus nachgesagt aufgrund einer Frühschrift mit dem Titel "Zur Judenfrage". Wer den Aufsatz genau liest, wird den Vorwurf nicht so recht verstehen. Das war aber Marxens Gegnern auf der extremen Linken, den Anarchisten Proudhon und Bakunin, ziemlich egal. Auch Zionisten und ihre Apologeten, ebenfalls eher Linke, wie schon die Kibbuzim zeigen, haben Marx mindestens jüdischen Selbsthass, wenn nicht antisemitische Tendenzen unterstellt. Der wahre Grund dürfte gewesen sein, dass er als Internationalist mit einem Judenstaat wenig anfangen konnte. Die linken Dialektiker sind auch heute wieder unterwegs und machen aus Weiß Schwarz. Kritikerinnen des Islams wie Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek und Seyran Ateş werden, weil sie der Linken und ihren Zielen nicht passen, zu Islamophoben erklärt. Dass jede dieser Frauen mehr vom Islam weiß und versteht als jeder oder jede der selbsternannten Islamfreunde im rot-rot-grünen Spektrum, bedarf keiner weiteren Begründung. Aber diese Meinungsphalanx scheut sich auch nicht, noch weiter zu gehen und diese Islamkritikerinnen als "Faschistinnen" zu denunzieren.

Insofern ist es auch wieder irgendwo logisch, dass ausgerechnet Necla Kelek in ihrem gestrigen Artikel in der „FAZ“ den praktisch von der gesamten Systempresse fertig und zum "Faschisten" gemachten Thilo Sarrazin nicht eigentlich unterstützt, sondern lediglich das anmahnt, was irgendwann mal linke Grundforderung war: Eine inhaltliche (ökonomische) Auseinandersetzung. Und nicht eine moralisierende. Und erst recht keine, wenn man sein Buch noch gar nicht gelesen hat. Kelek weist in ihrem Beitrag sogar nach, dass Sarrazin in vieler Hinsicht (Bildung) geradezu klassisch sozialdemokratisch argumentiert. Dass die SPD aber nicht komplett stromlinienförmige Meinungen offenbar nicht mehr aushält, verwundert kaum. Die linke Schraube der Dialektik wird so lange gedreht, bis sie durchdreht – und mit ihr die Linke. Der klassische (Noch-)Sozialdemokrat Sarrazin ist ein Nazi und die (aufgeklärte, aber nicht multikultisierende) Muslimin Kelek hasst den Islam. Wenn die Linke so weiter macht, wird bei ihr diese Schraube demnächst locker.

31. August 2010

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