Ronald Gläser

Jg. 1973, Amerikanist aus Berlin, Medienredakteur bei der "Jungen Freiheit".

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Reproduktion: Feminismus „schuld“ an Geburtendelle

von Ronald Gläser

Zeugungsstreik der doppelrollengeplagten Männer

Ganz Deutschland diskutiert die Thesen von Thilo Sarrazin, der das Aussterben der Deutschen vorhersagt, wenn sie weiterhin so niedrige Geburtenraten haben. Sarrazin diskutiert auch die Gründe für den Rückgang bei den Geburten. Unter anderem nennt er die Emanzipation und Erwerbstätigkeit der Frau und den Niedergang der traditionellen Familie (Seite 345).

Es lohnt sich, diese beiden Punkte zu vertiefen. In der Tat ist es wünschenswert, dass der Mann arbeitet und die Frau zu Hause bleibt, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist es logisch, dass Familienmitglieder ihre Aufgaben entsprechend aufteilen. Männer verdienen mehr, Frauen sind die besseren Erzieherinnen. Jede andere Verhaltensweise wäre ökonomischer Unfug. Deswegen haben die Menschen überall in der Welt auch ihre Rollen so verteilt. Papi geht arbeiten und bringt die Mäuse nach Hause, Mutti kümmert sich um die Kleinen – das ist die natürliche Ordnung und nicht Ausdruck eines patriarchialischen Masterplans zur Unterdrückung der Frauen.

Doch dann kam der Feminismus, jene letzte und hartnäckigste Nachgeburt von 1968. Fortan wollten sich Frauen selbst verwirklichen und/oder im Berufsleben den Männern Paroli bieten, was ihnen auch nach Jahrzehnten kaum gelungen ist. Denn nach wie vor sind die meisten Führungspositionen mit Männern besetzt, wie von Frauenaktivisten immer wieder lautstark beklagt wird. Für Frauen war das Kinderkriegen dennoch nicht mehr so wichtig.

Und auch das sollte bedacht werden: Plötzlich sollen die Männer sich mehr und mehr der Kindererziehung widmen. Natürlich ist es schön, wenn Vati Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Aber die ganze „Gleichberechtigung“ ist längst zum Dogma geworden. Im Extremfall gehen Männer jetzt ganztags arbeiten und müssen sich trotzdem zu Hause noch dem Windelnwechseln und Geschirrspülen widmen, während die nicht berufstätigen Mütter sich selbst verwirklichen. Viele Männer haben zu Recht das Gefühl, die Esel dieser neuen Weltordnung zu sein. Kein Wunder, dass auch ihnen die Lust an der Familie vergangen ist. Wie viele von ihnen sagen sich nach dem ersten Kind, dass sie auf ein zweites lieber verzichten? Und wie viele sehen ihre Freunde und verzichten gleich von vornherein auf Kinder? Wir wissen es nicht genau, aber die Zahlen zeigen seit Jahrzehnten in eine Richtung.

Und diese Dosis Feminismus soll nun noch weiter erhöht werden, wenn es nach den Gender-Propagandisten geht. Der Soziologe Hans Bertram, der auch die Bundesregierung berät, behauptet: „Zwang üben wir heute auf Frauen aus. Solange wir Fürsorge als weiblich und freiwillig definieren, stecken wir in einer Falle. Männer müssen die gleichen Leistungen erbringen wie Frauen. Also müssen wir nun die Männer zwingen, fürsorglich zu sein. Solange wir die Männerrolle nicht umdefinieren, werden wir das Dilemma nicht lösen.“

Es ist natürlich ausgemachter Blödsinn, dass eine sogenannte Modernisierung der Geschlechterverhältnisse etwas zum Positiven ändern würde. Im Gegenteil: Die Emanzipation hat uns ja schon die niedrigen Geburtenraten beschert – wie tief soll sie denn noch sinken? Wenn die Antwort der Regierung auf sinkende Geburtenraten darin besteht, dass den Männern noch mehr Pflichten auferlegt werden sollen, dann wird sie nur das Gegenteil erreichen: noch niedrigere Geburtenraten.

Bemerkenswert auch, dass Professor Bertram einerseits meint, wir würden Zwang auf Frauen ausüben (Blödsinn). Ferner sei es deswegen an der Zeit, jetzt Zwang auf Männer auszuüben. Das ist die Logik eines Verrückten aus der Gummizelle, der den ganzen Tag mit der Kopf gegen die eine Wand rennt, bis er feststellt, dass das nichts bewirkt – um dann mit voller Wucht gegen die andere Wand zu rennen.

Nur wenn sich der Staat aus dem Familienleben seiner Bürger komplett raushält, kann die natürliche Ordnung wieder aufblühen. Dann würden bestimmt in absehbarer Zeit wieder bestandserhaltende Geburtenraten erreicht.

16. September 2010

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