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von Redaktion eigentümlich frei
Die deutsche Hochschule als Bildungshängematte
(ef-DS) Nach diversen Studienreformen und der Einführung von Studiengebühren in vielen Bundesländern konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Leistungsdruck bei den Studenten bis zur Grenze des Unerträglichen gestiegen sei – wenn man den Verlautbarungen von demonstrierenden Studenten und von Vertretern studentischer Lobbygruppen Glauben schenken wollte. Die Realität sieht indes etwas anders aus, zumindest wenn man lieber einer Untersuchung des Hamburger Bildungsforschers Rolf Schulmeister glaubt.
Demzufolge liegt der durchschnittliche Aufwand (Vorlesungen, Seminare, Bücherausleihen, Hausarbeiten schreiben, Paragraphen, Formeln oder Vokabeln pauken etc.) für das Studium bei 26 Stunden pro Woche in der Vorlesungszeit. Der Rest des Tages entfiel auf uni-irrelevante Aktivitäten wie etwa Plaudern und Baggern in der Uni-Cafeteria, Sonnenbaden auf dem Campus, Calamares-Essen in der Mensa, Mensurschlagen auf dem Verbindungshaus, Demonstrieren gegen Leistungsdruck und für kostenlose Bildung oder auch Engagement in der örtlichen Attac-Krabbelgruppe. Auch Jobben für das Studium fällt mit durchschnittlich 6,4 Stunden pro Woche nicht ganz so sehr ins Gewicht, zumal immer noch in den meisten Fällen Vater Staat (Bafög) oder auch der leibliche Vater das Studium finanziert.
Der Lernaufwand während der vorlesungsfreien Zeit, die im Schnitt vier Monate beträgt, wurde nicht gemessen. Gegenüber dem „Spiegel“ sagte eine Mitarbeiterin des Bildungsforschers: "Es hat uns sehr überrascht, wie wenig die meisten Studenten tatsächlich tun.“ Die Untersuchung basiert auf einer genauen Selbsterfassung des Tagesablaufs von 121 Studenten an vier deutschen Universitäten (Hamburg, Mainz, Hildesheim und Ilmenau). Die Probanden selbst gaben zu, dass das Ergebnis mit ihren vorherigen Eigenwahrnehmung bezüglich ihres Fleißes gar nicht korrelierte. Ein Grund liege auch darin, dass sich Vorlesungen und Seminare wie ein Flickenteppich über die Woche verteile und man Zwischenräume oft nicht sinnvoll zum Lernen nutzen könne.
Zwar dürften die meisten Studenten unterwegs mit Taschen und Rucksäcken ausgestattet sein, in die neben ortsunabhängig lesbaren Büchern auch ein Laptop passt, doch letzterer würde der Untersuchung zufolge allzu gern für Facebook und andere Online-Aktivitäten genutzt. Auch werde meistens erst kurz vor den Klausuren gelernt. "Wir nennen das Bulimie-Lernen", so wird Schulmeister vom „Spiegel“ zitiert. "Die Studenten sind nicht in der Lage, sich die Arbeit einzuteilen."
Internet: Artikel in „Spiegel online“ vom 20.09.2010 über die Untersuchung zum Lernverhalten deutscher Studenten
24. September 2010
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