Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Krimis: Vor 50 Jahren verstarb Dashiell Hammett

von Ansgar Lange

Ein Klassiker der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts

„Mit Hammett tritt der Kriminalroman in die gesellschaftliche Wirklichkeit und zugleich in die große Literatur.“ Mit diesen Worten hat der deutsche Kriminalschriftsteller Jörg Fauser seinen großen amerikanischen Kollegen Dashiell Hammett gewürdigt, der am 10. Januar 1961 verarmt und resigniert in New York an Lungenkrebs gestorben ist. Berühmt geworden ist der großgewachsene, schlaksige und immer elegante Hammett, dessen politische Sympathien den Kommunisten galten, wegen seiner fünf Romane, die zwischen 1929 und 1934 erschienen sind.

„Rote Ernte“ ist ein Politthriller, über den der französische Romancier André Gide schrieb: „Im Amerikanischen entgehen mir freilich allerhand Feinheiten; aber seine mit Meisterhand geführten Dialoge in der ‚Roten Ernte’ können Hemingway oder sogar Faulkner als Beispiel dienen, und die ganze Geschichte wird mit höchstem Zynismus durchgeführt“. „Der Fluch des Hauses Dain“ ist laut Jörg Fauser eine „psychologische Schauergeschichte mit Anklängen an die Tradition der ‚Gothic Novel’“, „Der Malteser Falke“ (mit Humphrey Bogart und Peter Lorre kongenial verfilmt) eine klassische Geschichte über den Detektiv als harten Hund und einsamen Wolf in der Großstadt. Der Held Sam Spade war das Vorbild für Chandlers Privatschnüffler Philip Marlowe und Ross MacDonalds Lew Archer, wobei Hammett sich im Gegensatz zu den beiden anderen Autoren nicht bemüht hat, seinem Protagonisten sympathische Züge zu verleihen. Der Roman „Der gläserne Schlüssel“ kommt zwar ohne Privatdetektiv aus. Doch dieser vierte Thriller der Marke „hard boiled“ – neben dem Malteser Falken sicher Hammetts bestes Buch – hat seinen „Helden“ in Ned Beaumont, der vielleicht nur eine Spur weniger amoralisch und korrupt ist als die sonstigen Männer, die eine namenlose Stadt in den USA bevölkern. Hammetts letzten Roman „Der dünne Mann“ kennen vielleicht manche aus der humoristischen Verfilmung mit William Powell und Myrna Loy als Nick und Nora Charles samt Foxterrierdame Asta.

Wie kam Hammett zum Schreiben? Es war ihm sicher nicht in die Wiege gelegt. Erst als erwachsener Mann hatte sich der an Tuberkulose leidende Beau seine Bildung autodidaktisch angelesen. Er las Schundromane, Aristoteles und Henry James. Er las auch die Franzosen – insbesondere Anatole France und Flaubert. Sein Handwerk lernte er mit Anfang 20 als Detektiv bei der berühmten Pinkerton Detektivagentur, die mit dem Slogan „Wir schlafen nie“ um Klienten warb. Und sein schriftstellerisches Handwerk lernte er nach seiner Zeit bei Pinkerton’s als Autor der billigen Pulp-Magazine.

Warum Hammett nach 1931 fast vollständig verstummte und keine Romane mehr schrieb, bleibt der Spekulation überlassen. Er war gesundheitlich schwer angeschlagen, musste in der McCarthy-Ära wegen seiner Sympathien für die Kommunisten und der Weigerung, zu „singen“ und andere an das sprichwörtliche „Messer“ zu liefern, ins Gefängnis. „Auch wenn es um mehr als Gefängnis, wenn es um mein Leben ginge, würde ich es für das hingeben, was ich für Demokratie halte, und ich lasse mir weder von Polizisten noch von Richtern vorschreiben, was ich für Demokratie zu halten habe“, soll er zu seiner Lebensgefährtin Lilian Hellman gesagt haben.

Und so schließen wir uns am Ende seinem Kollegen Raymond Chandler an, der nicht ganz ohne Bösartigkeit formulierte: „Ein wahrer Jammer, dass er mit dem Schreiben aufgehört hat. Ich habe nie herausgekriegt, warum. Vielleicht war er in einem bestimmten Stil am Ende seiner Möglichkeiten angekommen, und es mangelte ihm die intellektuelle Tiefe, das dadurch auszugleichen, dass er sich an etwas anderem versuchte. Aber sicher bin ich da nicht“. Wer Hammett noch nicht kennt, sollte sich mit den bei Diogenes erschienenen Bänden – hierzu gehören auch die Storysammlungen wie „Fliegenpapier“ und „Fracht für China“ – eindecken. Lesefaule können auch zum Hörbuch greifen und sich bei langen Autofahrten an den acht CD des „Malteser Falken“ erfreuen, die Wiglaf Droste besprochen hat.

09. Januar 2011

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