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WGT in Leipzig: Die schwarze Pfingstgemeindevon David Schah Eine beschauliche Orgie aus Individualismus und kultureller Vielfalt Mehr als zwanzigtausend Besucher werden beim diesjährigen Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig erwartet. Das WGT ist das weltweit größte Festival für eine Vielzahl von abseits der Masse stehenden Musikstilen, Subkulturen und Lebensauffassungen. Zwar dominieren optisch die kunstvoll herausgeputzten Goths, im Volksmund auch Grufties genannt, doch geben sich beim WGT auch zahlreiche andere alternative Moden ein friedliches Stelldichein: Adrett gekleidete und oft mit Krawatte und Hemd ausgestattete Neofolk-Anhänger, langmähnige und leichenblass bemalte Black-Metaller, in japanischer Manga-Ästhetik ausstaffierte Emos, perfekt gestylte Edelpunks, die Mittelalter-Fan-Fraktion mit edlen Burgfräuleins und bärenfellumhängten Recken, Uniform-Liebhaber, Lack-Dominas, aneinander gekettete Sado-Maso-Pärchen und darüber hinaus sehr viele phantasievolle Eigenkreationen. Aber auch die kleine Minderheit der Normalos wird von niemandem schief angeguckt. Das WGT findet jedes Jahr über die Pfingsttage statt, dieses Jahr vom 10. bis zum 13. Juni. Die Veranstaltungsorte sind über ganz Leipzig verstreut, so dass es logistisch unmöglich ist, auch nur einen Bruchteil der über zweihundert Bands aus aller Welt, von China bis Mexiko, zu erleben. Zentrum des Geschehens ist das Agra-Messegelände. Hier befindet sich eine Flaniermeile, auf der sich die WGT-Besucher zur Freude der zahlreichen Photographen und Journalisten bereitwillig in Pose werfen. Eine große Messehalle wird zu einer riesigen Verkaufsfläche für modische Accessoires, exotische Düfte und Tonträger. Wer diese Szene noch nie zu Gesicht bekommen hat, wird sich wie auf einem fremden Planeten vorkommen. Die Leipziger indes haben sich in den zwanzig Jahren, in denen das WGT nun schon stattfindet, an das „schwarze Volk“ gewöhnt und bringen ihnen sogar Sympathie entgegen. Die WGT-Besucher sind inzwischen nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt, sondern sie gerieren sich zudem auch noch so höflich und friedlich, wie man es von gängigeren Jugendkulturen wie etwa Ravern oder Rappern gar nicht gewohnt ist. Neben den über die ganze Stadt verteilten Musikaufführungsorten gibt es auch Lesungen, Partys, Filmvorführungen und Workshops. Der durch Goethe berühmte Auerbachkeller wird zum Schauplatz von Schauerliteraturlesungen, und im Leipziger Gewandhaus treten Neofolk- und Neoklassik-Gruppen auf. Die Stadt Leipzig hat das WGT in ihr offizielles Kulturprogramm aufgenommen und wirbt auch in Tourismus-Broschüren damit. Ein Problem mit dem WGT hat lediglich die im Stadtteil Connewitz stark vertretene Antifa-Szene, welche Teilen der Grufties und Black-Metaller, vor allem aber der deutsch singenden Neofolk-, Heiden- und Mittelalterszene eine völkische Ideologie vorwirft. Im Jahre 2007 gab es in Connewitz Ausschreitungen: Besucher unliebsamer Bands wie der französischen Military-Folk-Formation „Dernière Volonté“ und Uniformfetischisten wurden gezielt angegriffen. Gerüchteweise hat die Stadt Leipzig den Antifa-Gruppen daraufhin noch mehr Mittel im Kampf gegen Rechts zur Verfügung gestellt – mit der Auflage, die WGT-Besucher fürderhin in Ruhe zu lassen. Tatsächlich werden seitdem keine Antifa-Angriffe mehr gemeldet. Zum zwanzigsten Jubiläum des WGT, dessen Keimzelle noch in die DDR-Zeit zurückdatiert, haben sich eine ganze Reihe von hochkarätigen Gruppen angekündigt, etwa die in ganz Ostasien berühmte taiwanesische Black-Metal-Gruppe „Chthonic“, die Godfathers der Electronic Body Music „Front 242“ aus Belgien, die einflussreiche englische Gothic-Band „Fields of the Nephilim“, die schwedischen Goth-Metaller „Lake of Tears“, die mexikanische Elektro-Band „Hocico“, die britische Post-Punk-Band „Killing Joke“, die Dark-Wave-Gruppe „Deine Lakaien“, die ursprüngliche Black-Metal und jetzige Neofolk-Gruppe „Dornenreich“ aus Österreich, die deutsche die Schrecken des Zweiten Weltkriegs thematisierende Hardcore-Elektro-Gruppe „Feindflug“, die deutschen Pagan-Metal-Bands „Finsterforst“ und „Gernotshagen“, die finnischen Pagan-Metaller „Moonsorrow“, die norwegische Viking-Metal-Band „Helheim“, die Industrial- und Dark-Ambient-Formation „Lustmord“ des Amerikaners Brian Williams, die der Neuen Deutschen Härte zugerechneten Bands „Megaherz“ und „Umbra et Imago“, die heidnische Mittelalter-Folk-Gruppe „Rabenschrey“, die Mittelalter-Kombo „Wolfenmond“, die britischen „Mediæval Bæbes“, die in Deutschland sehr populäre US-amerikanische Death-Rock-Band „Cinema Strange“, die britische Neoklassik- und Martial-Industrial-Band „In the Nursery“ oder der britische Neofolk-Künstler Tony Wakeford. Besuchern des WGT wird empfohlen, sich rechtzeitig um eine Unterkunft zu kümmern, da die meisten Hotels schon Wochen vor Pfingsten ausgebucht sind. Gourmets kommen im WGT vor allem im „mittelalterlichen Dorf“ in der Nähe der Agra-Hallen auf ihre Kosten, wo man sich an Spanferkeln und diversen Met-Sorten laben kann. Auch Kindern wird dort ein ausgefallenes Unterhaltungsprogramm geboten. Das Wave-Gotik-Treffen ist ein schönes Beispiel dafür, dass jugendliche Subkulturen familienfreundlich sein können und nicht mit schlechtem Benehmen, Borniertheit und ausgrenzendem Kollektivismus einhergehen müssen. Internet: Offizielle Webseite des Wave-Gotik-Treffens Auswahl von Musikstücken auf Youtube von 2011 am WGT teilnehmenden Bands: http://www.youtube.com/watch?v=laO4WFT9KCU http://www.youtube.com/watch?v=xz6N3iVQNnc http://www.youtube.com/watch?v=uUR5YcZJCMY&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=nAe6k_ATHaE&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=RfYb93KeTg8&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=slv7t6sVtMk http://www.youtube.com/watch?v=9DL_Pxgqmno&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=a416qXmN5gM http://www.youtube.com/watch?v=gfjBhgSWLHA&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=WXeK3M7O8_0 http://www.youtube.com/watch?v=-VhImcgjqaw http://www.youtube.com/watch?v=6X2QHIbIuuE&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=wyDAuMPErF4&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=3WVbP4_GmYQ http://www.youtube.com/watch?v=02WF5j-6Aqw http://www.youtube.com/watch?v=EycqBA8MjV4 http://www.youtube.com/watch?v=k2K4i21XgLw&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=qHfIavD5Nfw http://www.youtube.com/watch?v=XMnE9SG-bHM http://www.youtube.com/watch?v=uoHITEOzhX8&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=iDZX8kZpii0&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=SGDzzcTqaOo http://www.youtube.com/watch?v=eIiniM6WvUw http://www.youtube.com/watch?v=qit1lNknAaY&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=_Z0Wp0kpuDM http://www.youtube.com/watch?v=52knI36SxYk http://www.youtube.com/watch?v=zoIJmb83Jb4&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=Ca17gn7XewA http://www.youtube.com/watch?v=IMLv5fOlh3Q http://www.youtube.com/watch?v=ZD4H-E0UT0Q http://www.youtube.com/watch?v=dVKLo9YepUg http://www.youtube.com/watch?v=Z0Hfq4fdjX8 http://www.youtube.com/watch?v=98Or2CskMWc&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=aauyGe_szzs&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=2LAbZR65Lnw&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=iUtPLwlNcws http://www.youtube.com/watch?v=rSZ-UGFbXro&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=0USSHqur1Qg http://www.youtube.com/watch?v=ZH_NmKI1WWo http://www.youtube.com/watch?v=2kMC0xN6mSo http://www.youtube.com/watch?v=o9Xdy8hhAWE&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=mEaKcfa6Kic&feature=related http://www.youtube.com/watch?v=cMDRp5tYmqk 22. April 2011 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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