Lion Edler

Lion Edler, Jahrgang 1987, studiert in Berlin und arbeitet nebenher als freier Journalist.

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Jubiläum: 25 Jahre Junge Freiheit

von Lion Edler

Heilpraktiker im BRD-Sanatorium

03. Juni 2011

Wenn ein ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter in der ,,Süddeutschen Zeitung" erklärt, er empfinde eine ganz bestimmte Zeitung als ,,unappetitlich" und ihm werde beim Lesen dieser Zeitung ,,die Suppe kalt", dann hat ein solches Blatt wohl alles richtig gemacht. Der nationalkonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ist dies nun gelungen. In diesem Monat wird das Blatt, das von den lieben Kollegen gern mit Beschreibungen wie ,,umstritten" und ,,rechtslastig" geehrt wird, 25 Jahre jung.

Stephan Braun heißt der Sozialdemokrat, der sich anlässlich des „Junge-Freiheit“-Jubiläums so besorgt über seine Suppentemperatur äußerte und der gerne mal von seinem Nachnamen auf andere schließt. Nach Auffassung von Braun (Studienfach: unter anderem Pädagogik, Beruf: unter anderem Volkspädagogik) seien besonders zwei „Junge Freiheit“-Autoren ,,hart an der Grenze": Thorsten Hinz und Stefan Scheil. Es wirkt bezeichnend, dass Braun sich ausgerechnet diese beiden Autoren aussuchte, stehen doch beide für das wohl hervorstechendste Alleinstellungsmerkmal der ,,JF" unter den deutschen Wochenzeitungen: die generelle Kritik am herrschenden links-antifaschistischem Geschichtsbild im allgemeinen und am Geschichtsbild über die Zeit 1933-1945 im besonderen. Wenn dieses Tabu Nummer eins angepackt wird, hört bei Politikern wie Stephan Braun & Co der Spaß eben auf, und der Wind wird gleich noch einmal ein paar Grad eisiger als gegen Sarrazin & Co.

Daneben beschäftigt sich die Zeitung unter anderem kritisch mit der Ideologie des ,,Gender Mainstreaming", verteidigt Eva Herman und Thilo Sarrazin und moniert unablässlich das Fehlen einer konservativen beziehungsweise ,,rechten" Partei im Bundestag. Konservativ, patriotisch, unbequem – so lässt sich der politische Kurs der Zeitung aus der Hauptstadt zusammenfassen. Und so mancher deutsche Michel, der das Zeitungswunder liest, wundert sich dann – und kommt hoffentlich ins Grübeln über die politischen Zustände. Hier und da mag sich auch mancher Konservativer einen etwas weniger altbackenen Stil und eine etwas stärkere Bindung des Konservatismus an die Moderne wünschen, etwa wenn die e-Mail in der Zeitung noch ,,E-Post" heißt oder eine Reform des Sozialstaats hin und wieder sehr skeptisch gesehen wird. Insgesamt bleibt jedoch zu konstatieren, dass um die „JF“ kaum herum kommt, wer wirklich wissen will, was in der Republik vonstatten geht: Hier kommen jene politischen Außenseiter der verschiedensten – nicht nur konservativen – Couleur zu Wort, die woanders systematisch totgeschwiegen werden.

Die „Junge Freiheit“ erfährt keinerlei finanzielle Unterstützung durch einen Großverlag, allein die Leser sowie zahlreiche Kommanditisten und Spender sorgen für das Überleben eines deutschen Zeitungswunders. Während der Kette von linksextremen Angriffen gegen die Zeitung konnte sich die Redaktion stets auf die Haltung der etablierten Parteien und Medien von SED bis CSU und von ,,Neues Deutschland" bis ,,BILD" verlassen, die mit einer Kombination aus ohrenbetäubendem Schweigen und oft gar nicht so klammheimlicher Freude reagierten. Wenn man nicht nur am Stammtisch klagt, sondern es ernst meint und die Machtfrage stellt, dann wird es eben erst richtig ungemütlich, und dann ziehen die CDU- und „BILD“-Maulhelden rasch reihenweise die Köpfe ein. Die Machtfrage stellen, das heißt heute in erster Linie nicht die Etablierung einer neuen Partei, sondern das Aufbauen von medialem Gegenwind. Denn die ,,vierte Gewalt" ist in Wahrheit längst die erste Gewalt geworden, wie zuletzt die Atomdebatte zeigte. Und während die „BILD“-Zeitungs- und CDU-Bonzen nur über die Linken lamentieren, sitzen die Männer der Tat in Berlin im Verlagsgebäude im Hohenzollerndamm – das ist der Unterschied.

Mancher Konservativer mag die Beschäftigung der „JF“ mit den Themen NS-Vergangenheitsbewältigung und Zweiter Weltkrieg etwas überbordend finden, zumal befürchtet wird, auf diesem Wege potenzielle Leser jenseits des Burschenschafts-Millieus und der Weltkriegs-Veteranen zu verprellen. Andererseits wissen Chefredakteur Dieter Stein und seine Mitstreiter nur zu gut, dass es bei diesen Themen nicht nur um Nachhutgefechte um die Ehre der deutschen Vorfahren geht, sondern dass das vorherrschende links-antifaschistisch Geschichtsbild zu massiven Problemen in der Gegenwart führt, die Deutschland bedrohen. Um es mit dem ebenfalls als „JF“-Autor bereits in Erscheinung getretenen Schriftsteller Günter Maschke zu sagen: ,,Die BRD kann die Ausländerfrage nicht lösen – wegen Hitler! Sie kann die Frage der inneren Sicherheit nicht lösen – wegen Hitler! Sie kann ihre Armee nicht zu einer kriegsfähigen Truppe formen – wegen Hitler! Sie fürchtet den Vorwurf des Antiamerikanismus – wegen Hitler! Und den des Antikommunismus – wegen Hitler! Sie kann die Kriminalität nicht eindämmern – wegen Hitler! Sie versagt sich die Rechte, die jeder Nation zustehen – wegen Hitler! Wie lange noch die Regierung Hitler?" Nur folgerichtig erscheint es also, dass die „Junge Freiheit“ im letzten Jahr titelte: ,,Hitler – wann lassen wir ihn sterben?" Seit einem Vierteljahrhundert kämpft die „Junge Freiheit“ nun schon dafür, dass Adolf Hitler im Krankenhaus BRD die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden – begleitet von dem erbitterten Widerstand von Politikern, Journalisten und Berufs-Antifaschisten aus anderen Branchen.

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