André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Nachtrag zur Grabschändung: Franz Josef Wagner ist glücklich

von André F. Lichtschlag

Der Weg in den Abgrund

„Und die Medien schweigen“, schrieb ich irrtümlich, weil sich die Presse zur Grabschändung in Wunsiedel meist pietätvoll der Meinung enthielt. Nicht so die „Bild“-Zeitung und ihr Kolumnist Franz Josef Wagner. Was der heute Morgen auswirft, macht eigentlich sprach- und fassungslos. Und zeigt deutlich, wohin der „Kampf gegen rechts“ langsam aber sicher führt.

Kewil, die Edelfeder von PI-News, kommentiert den neuen Tiefpunkt deutscher Pressegeschichte treffend: „Gestern früh um vier Uhr, zu einer Zeit, wo man lichtscheues Gesindel oder Gespenster auf Friedhöfen erwartet, grub die Stadtverwaltung Wunsiedel hochoffiziell die sterblichen Überreste vom einstigen Führer-Stellvertreter aus und schaffte sie weg. Heute nun ist BILD-Kolumnist Franz-Josef Wagner aktiv geworden.“

Kollege Thorsten M. hatte ebenfalls auf PI-News auf Folgendes hingewiesen: „Zur Erinnerung – auch weil sich dieser unerhörte Vorgang am Jahrestag des Stauffenbergschen Attentats auf Hitler zutrug – eine erschreckende Analogie zur totalitärsten Phase der Nazi-Diktatur: Nach dem Scheitern des Staatsstreichs wurden damals Stauffenberg, Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht standrechtlich erschossen und auf dem St. Matthäus-Kirchhof in Berlin verscharrt. Schon im Morgengrauen ließ Himmler die Leichen ausgraben, verbrennen und über den Rieselfeldern Berlins verstreuen, damit nichts an sie erinnere. Durch Grabverweigerung anderen Menschen Genugtuung verschaffen zu wollen ist – egal durch wen – ein barbarischer Akt, mit dem man sich außerhalb jeglicher Zivilisation stellt. Es ist schließlich ein nicht nur christlicher Grundsatz, nicht über den Tod hinaus zu richten.“

Heß war 1941, vor dem Holocaust, nach England geflogen, was Wagner nicht davon abhält, ihn für Millionen Ermordete persönlich verantwortlich zu machen. Andere sahen das anders, zum Beispiel die nicht für ihre besondere Zimperlichkeit bekannten Richter bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Und wie Kewil erläutert: „Für Heß wurden mehrere Gnadengesuche eingereicht, darunter vom britischen Chefankläger in Nürnberg, von SPD-Bundespräsident Gustav Heinemann und von der Bundesregierung 1984. Sogar Churchill soll mit der Behandlung von Heß nicht einverstanden gewesen sein.“

Doch Gnade, das war vor dem Aufstand der Anständigen. Nach Kewil zeigen Wagners Worte, wohin die Reise geht: „Mitglieder der zugelassenen NPD sollen nicht Schornsteinfeger oder Fußballtrainer sein dürfen, die Übernachtung in Hotels wird ihnen verweigert, andere Parteien, die man willkürlich je nach Lust und Laune als rechtspopulistisch, rechtsextrem oder rechtsradikal bezeichnet, werden in Gaststätten nicht bedient, ihre Demos werden untersagt oder mit staatlicher Billigung von linken Randalierern gestört, Versammlungslokale werden gekündigt und Ehefrauen und Verwandte in Sippenhaft genommen. Und kehrt einer der NPD den Rücken, wird er trotzdem lebenslang mit diesem Stigma konfrontiert sein, während Kommunisten und Maoisten problemlos Bundesminister wurden. Die logische Botschaft lautet: Hängt euch endlich auf!“

Und hier untertreibt Kewil. „Hängt euch auf!“, das wäre dem verhinderten ganz, ganz großen Widerstandskämpfer Franz Josef Wagner bei weitem noch zu wenig, denn damit wäre es final ja nicht getan. Und deshalb schreibt Wagner auch persönlich an Rudolf Heß: „Eigentlich gehören Sie für mich in kein Grab auf einem Friedhof.“ Und unpersönlich über diesen Menschen: „Dass seine Knochen nun ausgegraben, seine Gebeine verbrannt wurden und die Asche ins Meer geworfen wird, ist großartig.“ Und über sich selbst: „Ich bin glücklich, dass dieses Schwein nicht mehr auf einem Friedhof liegt.“

So stand es nicht 1933 im „Stürmer“ und auch nicht 1944 im „Völkischen Beobachter“ geschrieben, sondern heute, am 22. Juli, in der „Bild“-Zeitung. Ein Meilenstein auf dem Weg in den Abgrund.

Ps: Und wer nun reflexhaft glaubt, dass es hier darum gehen könnte, einen Nazi reinzuwaschen oder Partei zu ergreifen für Deutschlands Unappetitlichste, der sollte dann doch lieber „Bild“ lesen.

22. Juli 2011

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