André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Verwehrte Liebe, verehrter Hass: Kindheit in kaputten Familien

von André F. Lichtschlag

Was Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Timothy McVeigh und Anders Behring Breivik noch gemein haben

Die „Süddeutsche Zeitung“, die „Huffington Post“ und viele andere sehen Anders Behring Breivik in der Tradition des Oklahoma-City-Attentäters Timothy McVeigh. Der Autor dieser Zeilen hat wie der Blogger „Zettel“ zuletzt auf Gemeinsamkeiten zwischen Breivik und der Baader-Meinhof-Bande hingewiesen. Ein kleines Detail allerdings, das alle vier Terroristen als hoch politisierte Megakriminelle gemeinsam haben, wurde bislang wenig beachtet. Ulrike Meinhofs Vater stirbt, als sie sechs Jahre alt ist, an Krebs. Meinhof wächst bei Renate Riemeck, einer Art Stiefmutter, auf, als ihre Mutter sich im Kunststudium „selbst verwirklichen“ will. Andreas Baaders Vater stirbt in russischer Kriegsgefangenschaft, als dieser zwei Jahre alt ist. Baader sieht seinen Vater nur ein einziges Mal und bleibt ohne Erinnerung an ihn. Jahrelang wächst er bei der Oma auf, bevor seine Mutter zurückkehrt. Die Eltern von Timothy McVeigh lassen sich scheiden, als dieser zehn Jahre alt ist. Er wächst danach bei seinem Vater und dessen Freundinnen auf. Die Eltern von Anders Behring Breivik lassen sich scheiden, als dieser nur ein Jahr alt ist. Seit 16 Jahren hat Breivik keinen Kontakt mehr zum Vater, der sich heute wünscht, sein Sohn „hätte sich besser umgebracht“. Über seine Mutter schreibt Breivik in seinem „Manifest“: „Meine Mutter wurde von meinem Stiefvater mit Genitalherpes infiziert, da war sie 48 Jahre alt. Er hatte mehr als 500 Sexualpartner, von denen sie auch wusste, aber sie ignorierte es einfach – auch aus moralischen Gründen." Waren die Taten der vier Terroristen ein später Schrei nach fehlender Elternliebe? Ein Post-Protest des einst verzweifelten Kindes gegen die real existierende Patchworkfamilie? Dafür spricht, dass Breivik sich in seinem Pamphlet nach einer „Sexualerziehung, wie sie in den 50er und 60er Jahren üblich war“, zurücksehnt.

Ist das nun eine Randnotiz? Oder die wirkliche konservative Provokation an der ganzen furchtbaren Geschichte?

26. Juli 2011

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