Frank W. Haubold

Jg. 1955, ist promovierter Informatiker und Schriftsteller

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NATO und Islamisten in Libyen: Beim Töten Seite an Seite

von Frank W. Haubold

Über die moralische Verwahrlosung deutscher Medien

Unerträglich und für mich bis vor kurzem unvorstellbar sind der Zynismus und die Unverfrorenheit, mit der einige NATO-Staaten aus einem mittels Propagandabehauptungen (Bomben gegen friedliche Demonstranten) ergaunerten UN-Mandat für eine Flugverbotszone ein Mandat für einen uneingeschränkten Krieg gegen ein souveränes Land machen. Und die Medien stehen nicht etwa dagegen auf oder üben auch nur verhaltene Kritik, sondern kämpfen in der ersten Reihe in der Propagandafront mit!

Als 1989 die Mauer fiel, habe ich gedacht: Endlich keine politisch motivierten Lügen mehr, keine Indoktrination mehr durch gleichgeschaltete Medien. Ich habe mich getäuscht, leider. Ich habe kein Mitleid mit Herrn Gaddafi. Wer 42 Jahre lang autokratisch ein arabisches Land regiert, hat so viele dunkle Flecken auf der Weste, dass es für mehr als eine Anklage reichen dürfte. Aber in Libyen sterben jetzt Unschuldige durch NATO-Bombardements, durch marodierende Milizen angeblicher „Freiheitskämpfer“ (von denen nicht wenige Al-Kaida-Verbindungen haben) und natürlich auch durch die verzweifelte Gegenwehr der Gaddafi-Anhänger. Das ist für mich kein „Volksaufstand“, wie uns die Medien weismachen wollen, es ist ein von der NATO, Al-Kaida-Rebellen und den islamistischen Steinzeitregimen der Region (Katar!) gezielt herbeigeführter Umsturz aus niedrigen Motiven.

Ja, und ich gebe es zu, ich bin fassungslos und angewidert von einem Medienkartell, das nicht nur gleichgeschaltet und völlig verantwortungslos agiert, sondern sich – ob nun bewusst oder aus Feigheit – zum Komplizen von mutmaßlichen Kriegsverbrechern macht.

In Tripolis und Libyen gehen jetzt nicht nur im Wortsinn die Lichter aus. Bewaffnete Banden durchkämmen unter der Regie des Al-Kaida-Mannes Abdul Hakim Belhadj (Kommandeur des Militärrates von Tripolis) plündernd und mordend die „widerspenstigen“ Wohnviertel in Tripolis und anderswo. Und die Strichjungen in den bundesdeutschen Redaktionsstuben verkaufen das dem Publikum als „Befreiung von einem Terror-Regime“.

Wie diese „Befreiung“ tatsächlich aussieht, darüber berichtet der britische „Independent“ unter anderem folgendes: „Als erster Reporter, der Livematerial des vorrückenden Rebellenkonvois übertrug, wurde Crawford Zeuge des Blutvergießens, als die Rebellen Zawiyah zurückeroberten: ‚Es wurden Menschen mit halb abgeschossenen Köpfen eingeliefert und Menschen mit abgeschossenen Beinen. Einer von ihnen war im selben Alter wie mein Sohn. Wir machten uns bereit, zu sterben. … Wir geben es wieder, wie wir es sehen. Wir haben Gaddafi-Kämpfer gesehen, die gefesselt und hingerichtet wurden. Das ist Krieg. Das ist es, was vorgeht. Die Gegenschläge der Rebellen hier sind wirklich erschütternd.’ (Sky News-Reporter Alex Crawford)“

Und fast exakt zu selben Zeit sprechen führende Mitglieder der Bundesregierung den NATO-Angreifern, die die Massaker von beiden Seiten erst möglich gemacht haben, ihren Respekt aus. Respekt für die Zerstörung eines Landes und die tätige Mithilfe bei der Ermordung Zehntausender zumeist Unschuldiger!

In dieses Bild der völligen moralischen Verwahrlosung passt auch, dass die hiesigen Medien heute fast ausnahmslos das Asyl für die Familienangehörigen Gaddafis in Algerien bedauern und unisono die hasserfüllten Tiraden eines Rebellenführers nachplappern, der sich um sein wohlverdientes Schlachtfest betrogen sieht.

Nein, man kann wirklich nicht soviel essen, wie man k …en könnte!

Internet

http://edition.cnn.com/2011/WORLD/africa/08/09/libya.zlitan/

http://www.independent.co.uk/news/world/africa/rebels-wreak-revenge-on-dictators-men-2345261.html

http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/flucht-nach-algerien-asyl-fuer-gaddafis-nicht-ueberraschend-aber-dumm_aid_660432.html

31. August 2011

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