André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Einwurf zur Internet-Revolution: TV und Radio aus dem Netz

von André F. Lichtschlag

Musik ist Trumpf!

Kürzlich haben wir uns für die Küche ein Radio zugelegt, genauer gesagt ein Internet-Radio. Statt WDR oder Lokalradio wählen wir nun zwischen 5.000 Sendern, und täglich werden es mehr. Ska-Sender zum Beispiel. Kleine lokale Country-Spezialisten aus dem tiefsten Süden der USA. Oder russische Knastmusik (Geheimtipp). Und American Freedom Radio. Das klang vom Namen vielversprechend, dachte ich, und hörte mal rein. Der erste Jingle: „Here is American Freedom Radio, the Radio of the Ron Paul Revolution.“ Na also.

Kaum ein Sender ist staatlich lizensiert. Im Webradio bekommt man eine leise Ahnung von der Internet-Revolution, die bald auch das Fernsehen erreichen wird. In eigentümlich frei berichteten wir zuletzt ausführlich über spannende private Internet-TV-Projekte wie PJTV (siehe ef 104) und interessante Feindsender wie Russia Today (siehe ef 110).

Doch richtig los geht es erst, wenn private Spezialisten wie PJTV nicht mehr einzelne Clips verlinken, sondern 24 Stunden rund um die Uhr ein Programm funken und in bester Qualität im TV empfangen werden, frei von jeder politischen Beschränkung. Klar, die deutsche Medienaufsicht wird zusammen mit ihren Brüdern in Nordkorea und Kuba gegensteuern. Aber möglicherweise werden die Zensoren nur immer hinterherhinken. Das Web-Radio jedenfalls ist Realität, selbst für einen stockkonservativen Nutzer wie den Autor, der solche Entwicklungen gerne verschläft und gewohnheitsmäßig noch Computer-Programme nutzt, die auf neueren Betriebssystemen gar nicht mehr funktionieren dürften.

Eine Ahnung von dem, was in Zukunft möglich sein wird, bieten unzählige kreative Youtube-Clips. Etwa Frank Schäfflers historischer Vortrag in Bern oder Carlos Gebauer Rede über das EU-Ermächtigungsgesetz. Oder über dasselbe Thema das Aufklärungs-Video von Abgeordneten-Check. Und wer es musikalisch mag: Auch in Deutschland gibt es Projekte wie den Blink Channel von Aaron Koenig und Daniel Fallenstein. Der dort zu findende Interventions-Sirtaki von Ben Barehead und Dan Droprock war streng hitverdächtig, der Bewegungsapparat sichtlich gut geschmiert. Fast noch einen drauf setzt nun Koenig höchstselbst mit „Euroshima, dem Soundtrack zur Revolution“. Was für ein Video vor dem Kanzleramt! Welch flottes Lied! Was ein Ausdruckstanz! Alle Verkehrsrocker und Kapitäne aufgepasst, gut anschnallen, Gang rein – und mitgezuckt!

Internet

Der Interventions-Sirtaki

Euroshima

Blink TV

Russia Today

PJTV

Russische Knastmusik

Frank Schäffler in Bern

Carlos Gebauer: Raus aus dem Euro

Abgeordneten-Check: Stoppt die Schuldenunion

09. September 2011

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