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![]() Jg. 1969, Journalist und Buchautor, www.alexander-kissler.de ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Benedikt in Sicht: Zollitsch, Wulff, das MittelmaßImpressionen kurz vor der katholischen Kirchenspaltung? Vor einer Woche stand an dieser Stelle eine szenische Imagination aus Anlass der PR-Offensive des Robert Zollitsch. Der Freiburger Erzbischof ist mittlerweile ein gutes Stück vorangekommen. Dem Interview in der „Zeit“ vom 1. September folgten fast ebenso umfängliche Auftritte in der „Augsburger Allgemeinen“, der „Welt“, der „Westfalenpost“. Der Besuch Benedikts XVI. in Deutschland wird thematisch arrondiert. Tenor: Man muss, darf, soll über alles reden, auch über heiße Eisen wie Interkommunion und wiederverheiratet Geschiedene, muss, darf, soll alles „theologisch durchdringen und pastoral durchdenken“, und dann schauen wir mal, was herauskommt. Der Soundtrack zu derlei barrierefreier Gutwilligkeit lautete einst, „ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…“. Auf scharfe Kritik wie lautes Lob stieß besagte szenische Miniatur über des Bischofs verbale Munterkeit. Man vermisste mehr als einmal Fairness und Respekt gegenüber Zollitsch und Wulff. Der Kolumnist sei ein Spötter, nichts sonst. Man könne nur hoffen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Eine Entschuldigung sei angebracht. Die bemerkenswerteste Passage im „Zeit“-Gespräch war die bisher unentdeckte Tatsache, Christian Wulff sei „ein Katholik, der seinen Glauben lebt“. Bekanntlich hat Wulff im Juni 2006 die Meldung, sich von seiner Frau nach 18 Ehejahren getrennt zu haben, verknüpft mit der Präsentation einer neuen Freundin, der geschiedenen Bettina Körner, mittlerweile Wulff, First Lady. Margot Käßmann, damals Landesbischöfin in Hannover, kommentierte scharf: Sie könne „in keiner Weise nachvollziehen, dass ganz plötzlich eine neue Partnerin öffentlich präsentiert wird, als sei nichts gewesen.“ Wulff habe „einfach die eine Frau durch die andere ersetzt, bevor wirklich eine Trennung stattgefunden hat. Da gibt es für mich Schamgrenzen und Anstandsfristen, da geht es um die Verletzung von Gefühlen und auch um die Würde aller Beteiligten.“ Wollen wir hoffen, dass der einmal schamfreie Christian Wulff derart geläutert ist, dass er das Lob Zollitschs in zweiter Ehe verdient und zum katholischen Role model nun taugt. Wollen wir ebenfalls hoffen, dass sich bei der Begrüßungsrede am 22. September für Benedikt XVI. nicht urplötzlich der alte Adam im Bundespräsidenten melden wird, der einst den Papst schurigelte. Als Angela Merkel grund- und stillos im Februar 2009 eine weitere Distanzierung Benedikts vom Holocaust forderte, sprang Parteifreund Wulff ihr bei und sorgte für eine Ökumene des Dünkels. Eine „Klarstellung“ vom Papst einzufordern, sei legitim – wohlgemerkt hatte es eine solche damals längst gegeben –, auch die Kirche müsse sich „von Radikalen klar abgrenzen.“ Warum also, wenn nicht aus arkanen Gründen, hat Zollitsch sich Christian Wulff zur besonderen Belobigung ausgesucht? Weil er der prominenteste Patchworker Deutschlands ist und die Fetzenehe als Ausweis von Modernität gilt? Ein Leser schreibt dazu: Zollitsch bewege sich ganz im Strom der Zeit, wenn er Barmherzigkeit für Wulff fordere und Wunscherfüllung meine, „denn das passiert in einer auf Wünsche abgestellten Gesellschaft ständig. Nur ist es selbstverständlich keine Barmherzigkeit, einem Kind so unendlich großen Mengen an Schokolade zu geben, wie es sich wünscht, sondern Lieblosigkeit. Die Folge der derzeit allerorten verbreiteten Zollitsch‘schen Haltung, dass man jeden Wunsch erfüllen müsse, ist nämlich, dass dann die Wünsche gezielt manipuliert werden müssen.“ So werde der Mensch auf lange Sicht vollständig unfrei. Das Böse siege letztlich. Und dass er „mit Christian Wulff paktiert, zeigt eben, dass Zollitsch wie alle Mediokren den mediokren deutschen Politiker dem fabelhaft intelligenten Papst in Rom vorzieht.“ Müsste er diesem, nebenbei bemerkt, nicht eher Gehorsam entgegen bringen statt dialektischem Kalkül? Zumindest das also wird sich aus den Interviews des Versammlungsleiters der Deutschen Bischofskonferenz lernen lassen: Im noch so freundlichen öffentlichen Reden über Glaube, Kultus, Solidargemeinschaft triumphieren die Parameter ganz weltlicher Weltanschauung. Gehorsam und Demut sind nicht vermittelbar, nicht vorgesehen, Wunscherfüllung und Subjektivismus verstehen sich von selbst. Hat das nur strukturelle Gründe? Ist die Zeit nun einmal so, oder sind wir es, die die Zeit so furchtsam verbiegen? 12. September 2011 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. 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