André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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FDP-Untergang: Der schiefe Blick mancher Kommentatoren

von André F. Lichtschlag

Schäffler hier, Lindner dort

Einmal mehr bestätigt sich in diesen Tagen, dass man die Mitschwimmermedien nur gegen den Strich lesen muss, um der Wahrheit näher zu kommen. Schon beim „Rücktritt“ von Christian Lindner lagen zahlreiche Kommentare um knapp 180 Grad daneben, die zunächst vermuteten, Lindner habe mit seinem selbstlosen Rücktritt Parteichef Rösler retten wollen. Ho, ho, raunt der Weihnachtsmann.

Tatsächlich machte Lindner den Lafontaine wohl eher, um sich für höhere Aufgaben nach dem von ihm eingeleiteten Sturz Röslers bereitzuhalten. Das dämmert nun sogar dem einen oder anderen Chefkolumnisten, dem man das Video vom „um den Respekt vor dem eigenen Engagement“ besorgten und lächelnd „Auf Wiedersehen“ säuselnden Lindner in der Wiederholungsschleife zeigen musste, bis er endlich den Sinn verstand.

Umgekehrt verhält es sich nun im Fall Schäffler. Schon die kolportierte Sicht, die FDP habe sich heute „noch einmal gerettet“, ist schlicht grotesk. Aber ausgerechnet dem „Eurorebellen“ werfen manche „Parteifreunde“ und Journalisten vor, „auf dem Egotrip rücksichtslos“ den Mitgliederentscheid initiiert zu haben. Tatsächlich reiste Schäffler in den letzten Wochen bis an die gesundheitliche Belastungsgrenze durch die Parteiveranstaltungen der Republik, rackerte Abend für Abend, nur um bei ihrer letzten Chance diese, seine Partei zu retten. Denn nur um sie ging es doch: Bei einem tatsächlichen Nein zum permanenten Rettungsschirm hätte die FDP der Partei Suliks in der Slowakei in die Opposition folgen müssen. Man hätte auch hierzulande die große Einheitspartei gezwungen, sich als solche zu bekennen und in einer zwischenzeitlichen „großen Koalition“ den Schirm umzusetzen, um danach Neuwahlen auszuschreiben. Der Steuerzahler wäre ohnehin verraten worden. Aber die FDP wäre mit Schäfflers Schwenk noch einmal zu retten gewesen. Richard Suliks und auch David Camerons Umfragewerte sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Bei aller Gewitztheit ist Frank Schäffler eine treue lippisch-westfälische Seele. Der Prototyp des braven Parteisoldaten. Er wird vermutlich auch jetzt noch in der hoffnungslosen Partei bleiben und notfalls mit ihr untergehen. Nach dem Aus in spätestens zwei Jahren werden dann eher die Karrieristen die Pferde wechseln als ein Frank Schäffler. Und dann wird man auch einen Christian Lindner wiedersehen, wo auch immer. Und: Schnarrenberger zu den Grünen? Westerwelle zur CDU? Kubicki zur SPD? Und die Boy Group zu den Piraten?

Sie alle wissen auch, dass eine neue eurokritische FDP bei Umfragen und Wahlen durch die Decke schießen würde. Doch sie nehmen lieber den Untergang ihrer Partei in Kauf, als zukünftig selbst in Berlin als „Outlaw“ zu gelten. Denn als „Eurogegner“, das musste Frank Schäffler erfahren, wird man bei manchem netten Empfang und der einen oder anderen Festivität gemieden wie ein stinkender Pilz. Wer das riskiert, benötigt ein bisschen Charakter.

Wie dem auch sei: Schon ein kurzer Blick auf die jeweilige Physiognomie von Schäffler und Lindner hätte deutlich gemacht, wer tatsächlich der Egomane ist und wer der Idealist, ja der um das Parteiwohl besorgte Altruist. Mit der FDP haben einmal mehr auch manche Kommentatoren am heutigen Tag verloren.

16. Dezember 2011

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