04. Januar 2012

Aus Israel Wählt Ron Paul und lasst mein Volk ziehen!

Von Sklaven, Machtmenschen und freien Seelen

Seit kurzem habe ich Schlafprobleme. Ich sitze hier in meinem Wohnzimmer in Karnei Shomron, Israel, in der 8. Nacht des Chanukkafests, und frage mich, welche weiteren Wunder am 3. Januar und in den kommenden Monaten bereitstehen. Der Name Ron Paul ist ständig an meinen Fingerspitzen. Ich habe ihn während der letzten Monate so oft getippt, es ist verrückt. Ich bin so aufgeregt wie selten jemals zuvor, und ich lebe nicht einmal mehr in Amerika. Während der letzten Debatte der Republikaner bin ich um 3 Uhr israelischer Zeit aufgestanden, um einen 20 Uhr EST Live-Stream auf You Tube anzusehen, ohne zu ermüden. Ich stehe auf dem Gaspedal und kann mich nicht beruhigen. 

Ich habe erst kürzlich herausgefunden, warum ich so aufgeregt bin.

Ich fing an, mich für diese ganze Freiheitsbewegung zu interessieren, als ich hörte, dass Ron Paul sämtliche Entwicklungshilfe, einschließlich die für mein Land, Israel, streichen will. Ich hielt dies für eine phantastische Idee. Ich hasse den Gedanken, das Geld der amerikanischen Steuerzahler zu nehmen, das ich nicht brauche. Der einzige Grund, weshalb wir es nehmen, ist übrigens nicht, dass wir es brauchen. Wir nehmen es, weil wir uns nicht allein fühlen wollen, und Juden verspüren immer eine tiefe existentielle Isolation und Einsamkeit. „Vom Felsengipfel erblicke ich es, von den Hügeln werde ich es gewahr: Ein Volk, das ganz für sich wohnt, das sich nicht rechnet unter die Völker," sagte Bileam über das Volk Israel im 4. Buch Moses 23, 9. Diese Einsamkeit spüren wir noch immer. Also nehmen wir das Geld. Es ist beschämend, es ist Diebstahl, es ist zersetzerisch, es ist moralisch falsch und führt dazu, dass Menschen uns dafür hassen, dass wir sie in einen Konflikt ziehen, dessen Lösung nicht ihre Aufgabe ist. Ich wollte ein Ende dessen sehen und traute keinem israelischen Führer zu, es von sich aus aufzugeben, also versuchte ich mehr über Ron Paul herauszufinden.

Was ich fand war faszinierend. In den Foren erfuhr ich von Menschen, die sich bereits 2008 buchstäblich bis zur totalen Erschöpfung für diesen Mann einsetzten. Einige schütteten Geld in seine Kampagne, das sie sich nicht leisten konnten, und einigen ging sogar ihre Ehe wegen ihres unbeirrbar verrückten Engagements zu Bruch. Das hat mich schockiert. Ich konnte es noch nicht verstehen, aber nachdem ich ihm einige Tage lang zugehört hatte, begann ich zu begreifen.

Was an Ron Paul inspiriert solch extremes Verhalten? Eine dermaßen wahnsinnige Unterstützung einerseits und Angst und Schrecken andererseits? Ich kann die Antwort in einem Wort geben: Seele. 

Die unentbehrliche Seele eines Menschen ist definitionsgemäß frei. Die Idee, dass die Menschen durch Gottes Bestimmung frei sind, ist den meisten Menschen fremd. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen andere kontrollieren und ihnen die Freiheit wegnehmen wollen. Dies wird meistens als Machttrieb bezeichnet. Der Machttrieb ist der Freiheit entgegengesetzt, da Macht die Fähigkeit zur Kontrolle anderer bedeutet. Es gibt nur einen legitimen Zweck, zu dem Macht genutzt werden kann und sollte, ob es sich dabei um militärische, legislative oder exekutive Macht handelt. Und der ist die Legalisierung der Freiheit.

Ron Paul möchte nicht Präsident werden, um mir Freiheit zu „geben“. Ihm gehört meine Freiheit nicht und er gab sie mir nicht. Der einzige Grund, aus dem Ron Paul Präsident sein will, ist, dass er die Bestrafung der Menschen für die Ausübung ihrer Freiheit, die rechtmäßig ihnen gehört, beenden will. Er will keine Macht. Das ist jedem klar, der ihm beim Reden zuhört.

Es gibt zwei Arten von Menschen. Jene, die Macht wollen und jene die Freiheit wollen. Man kann ziemlich einfach erkennen, wer wer ist. Jene, die Freiheit wollen, sind geradlinig. Sie sind beständig, prinzipientreu und wenn sie mit einem reden, kann man ihre menschliche Seele spüren. Es gibt dort draußen ein Kontinuum von menschlichen Seelen irgendwo im spirituellen Cyberspace, und wenn man mit einer dieser Seelen in Berührung kommt, weiß man das sofort, weil Seelen definitionsgemäß frei sind. Man spürt Aufrichtigkeit, Echtheit, Beständigkeit, einen freien Menschen. Wenn man jemand ist, der Freiheit sucht und mit einer wahren menschlichen Seele in Berührung kommt, wird man sofort süchtig und verschlingt, was man in die Hände bekommt. Man möchte sich sofort zusammenschließen, auch wenn man nicht allem zustimmt. Es gibt Menschen in der Freiheitsbewegung, die Israel nicht gerade mögen, insbesondere mich als „Siedler“ nicht, und es ist mir egal. Wenn sie Freiheit wollen, dann merke ich das und mein menschlicher Antrieb zum Individualismus verwandelt sich plötzlich in ein intensives Verlangen, sich zu einer Gemeinschaft zu vereinen – allerdings zu einer Gemeinschaft freier Individuen. Es ist eine wunderschöne Dialektik und es ist egal wobei wir übereinstimmen oder nicht, solange wir über die Freiheit einer Meinung sind.

Man wird süchtig nach Ron Paul und verzweifelt sucht man mehr und mehr, jedes Video aus der Vergangenheit, das man finden kann, jede Rede, die man verpasst hat, alles was er sagt, von dem man bisher nichts gehört hat, obwohl man es schon tausendmal mit anderen Worten gehört hat. Man ist hilflos. Das unersättliche Verlangen, fähig zu sein, die eigene gottgegebene Freiheit zu nutzen, überwältigt dich völlig. Es ist, als ob man plötzlich erkennt, dass man ein Mensch ist, und das göttliche Ebenbild, als das Gott dich geschaffen hat, wird lebendig und fängt Feuer.

Aber noch etwas anderes geschieht mit dir. Sobald man süchtig nach Ron Paul ist, kann man es nicht länger ertragen, jemandem zuzuhören, der Macht will – und wenn sie anfangen zu reden, ist man sofort angewidert. Vorher waren sie einfach nur langweilig. Nun sind sie ekelerregend. Romney oder Gingrich oder Bush oder Obama zuzuhören macht dich krank und man weiß nicht, wie Ron Paul die Debatten durchhält, ohne dass ihm übel wird. Man sieht eine politische Fassade bei diesen Politikern, die so durchsichtig ist, als ob ein Gespenst dir seine ätherische Zunge herausstrecken würde. Es ist nicht zu ertragen.

Was es so unerträglich macht, Romney oder Gringrich reden zu hören, ist, dass da jemand steht und Dinge erzählt, die völlig seelenlos sind. Dies sind keine freien Menschen. Dies sind Machtmenschen. Nicht, dass Romney oder Gringrich keine Seelen hätten. Sie haben eine. Sie sind einfach Menschen wie du und ich. Aber sie haben praktisch ihre Seelen verpfändet beim Versuch, Macht zu erlangen, andere mit Windungen und Phrasen zu kontrollieren und mit widersprüchlichen Äußerungen wie: „Ich will das Budget kürzen und das Militär ausbauen!“ Sie sagen es in einem gepflegten Ton und ohne die Miene zu verziehen, genauso wie eine seelenlose Tonaufnahme. Ihre Menschlichkeit ist dermaßen unter den Lügen begraben, die sie sich selbst erzählen, dass weder sie selber noch wir ihre Seelen im menschlichen Kontinuum spüren können. Der Anblick eines sprechenden menschlichen Körpers ohne kommunizierende Seele kann einen freien Menschen wahnsinnig machen.

Der Grund, warum Ron Paul in den Umfragen nie verliert, liegt darin, dass er die Menschen nicht im konventionellen Sinn „überzeugt“, dass er in allen möglichen Punkten recht hat. Er aktiviert menschliche Seelen, entzündet ein spirituelles Feuer nach dem anderen, während er über Freiheit spricht. Ist eine Seele erst einmal aktiviert und realisiert der Mensch, dass er frei ist, egal was die Menschen ihm antun oder erzählen, gibt es kein Zurück. Die anderen Kandidaten versuchen mit zackigen Einzeilern, die sich cool anhören, die Köpfe zu verdrehen. Sklaven folgen diesen Einzeilern wie ein Pöbelhaufen und  folgen einander von Kandidat zu Kandidat. Langsam aber sicher aktiviert Ron Paul einige der einzelnen Seelen in diesem Pöbelhaufen, während diese von einem zackigem Konter zum nächsten zackigen Konter wippen, und er steigt in den Umfragen.

Dennoch können wir nicht erwarten, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind die Botschaft der Freiheit versteht oder sich dafür begeistert. Tatsächlich können die meisten damit einfach nicht umgehen. Wirklich frei zu sein ist ebenso furchteinflößend wie elektrisierend. Die Bibel erzählt uns dies sehr ausführlich in der Geschichte des Auszugs aus Ägypten. Als Moses letztendlich von Gott die Aufgabe des Befreiers annahm, wurde er angewiesen, meinen Urahnen, den Israeliten, folgendes zu sagen: „Darum sage den Kindern Israels: Ich bin der Herr. Ich führe euch aus den Frondiensten Ägyptens hinaus und ich befreie euch aus ihrer Knechtschaft. Ich erlöse euch mit ausgestrecktem Arm und mit gewaltigen Zeichen. Und ich nehme euch als mein Volk an und will euer Gott sein, und ihr sollt erkennen, dass ich es bin, der Herr, der euch aus den Frondiensten Ägyptens befreit hat.“ (2. Buch Moses, 6, 6-7)

Und wie lautete die Antwort meiner Ahnen? „Und Moses sprach in diesem Sinne zu den Kindern Israels; aus Mutlosigkeit und wegen des harten Dienstes wollten sie aber nicht hören.“ (6, 9)

Nicht jeder kann mit der Botschaft der Freiheit umgehen. Für einige Menschen ist sie zu beängstigend und einige sind einfach zu sehr versklavt. Das sind die Menschen, die Ron Paul verachten, dieselbe Sorte Menschen, die in der Wüste gegen Moses rebellierten und versuchten, nach Ägypten zurückzukehren. Freiheit ist zu viel für sie und sie können mit diesem göttlichen Geschenk nicht umgehen. Sie möchten und brauchen jemanden, der sie kontrolliert. Ihre Seelen wurden durch die Sklaverei, Besteuerung und Kriege zu sehr beschädigt.

Aber nichtsdestotrotz zwang Gott meine halsstarrigen Urahnen, Ägypten zu verlassen, und demzufolge bin ich heute hier, predige die Freiheit erneut, kämpfe nicht nur für die Freiheit Amerikas, sondern für meine eigene Freiheit vom Einfluss Amerikas in meiner eigenen Region.

Wählt Ron Paul und lasst mein Volk noch einmal ziehen! Hört auf, euch hier einzumischen und hört auf euch Einfluss zu kaufen, indem ihr mir Geld gebt. Hört auf zu versuchen der allmächtige Friedensbringer zu sein und lasst uns unsere Probleme hier allein lösen. Wenn wir denken, dass der Iran eine Bedrohung ist, dann können wir damit umgehen und wir werden die Konsequenzen tragen. Es ist nicht Amerikas Problem und ihr könnt euch einen weiteren Krieg nicht leisten.

Jetzt verstehe ich, warum Menschen alles für diesen Mann geben würden. Immer wenn er die Frage gestellt bekommt, „Würden Sie Heroin legalisieren?“ antwortet Ron Paul, „Ich will die Freiheit legalisieren!“ Diese Leute verstehen wenig davon, dass Freiheit tausendmal mehr süchtig macht als Heroin.

Amerikanische Juden! Wacht auf! Lasst eure Brüder in Israel frei! Wir waren die erste Nation, der Gott jemals die Freiheit schenkte und wir trugen die Idee der Freiheit in die Welt, als wir vor über 3000 Jahren Ägypten verließen. Es wird endlich Zeit, dass wir das Beispiel sind, für das wir auserwählt wurden.

Information:

Der Autor ist ein Mitglied von „Jews for Ron Paul“ und leitet die Webseite „World of Judaica“.

Der Artikel erschien erstmals am 29.12.2011 in englischer Sprache auf der Webseite des Autors unter dem Titel „From Israel: Vote Ron Paul and Let My People Go!“ Übersetzung für ef-online von Robert Grözinger. Die deutschen Zitate aus dem Alten Testament sind aus der Übersetzung von Prof. Dr. Vinzenz Hamp und Prof. Dr. Meinrad Stenzel, 1962.


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Autor

Rafi Farber

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