20. April 2012

Rezension Der schwarze Kanal

Ein Buch von Jan Fleischhauer

Linke haben ein Problem mit der Meinungsfreiheit. Sie reagieren geradezu panisch, wenn sie mit Auffassungen konfrontiert werden, die ihren eigenen widersprechen. Dass der zum Konservativen mutierte Journalist Jan Fleischhauer bei Spiegel Online eine regelmäßige Kolumne namens „Der schwarze Kanal“ verfassen darf, stört die Hausmeister der korrekten politischen Gesinnung. „Sturmgeschütz der Demokratie“ kann ihr Nachrichtenmagazin doch nur sein, wenn berechenbar gegen konservative oder „rechte“ Positionen geschossen wird.

Nun hat der Rowohlt Verlag die Kolumnen in Buchform gepresst. 200 Seiten Lesevergnügen sind garantiert, denn Fleischhauer kann schreiben. Er ist witzig und meinungsstark. Er schreibt an gegen den intellektuellen und medialen Zeitgeist. Kurzum: Man sollte sich sein neues Buch unbedingt kaufen!

Natürlich ist es von Fleischhauer selbstverliebt zu behaupten, dass er einen Preis für die meistgehasste Kolumne erhalten müsste, falls es ihn denn gäbe. Doch alle Journalisten, die etwas mitteilen und dabei unterhalten wollen, sind eitel. Ansonsten könnten sie ja ins Kloster gehen oder beim Finanzamt arbeiten. Sehr hübsch ist die Idee von Autor und Verlag, am Ende des Buches kein Nachwort zu plazieren, sondern einige ausgewählte negative Reaktionen der Leser seiner Kolumne zu veröffentlichen. Zu gerne würden manche linke Gutmenschen dem scharf gescheitelten Fleischhauer, der eine gewisse Herrenreiter-Ausstrahlung hat, die „Fresse polieren“. Sie ertragen es nicht, dass im selbsternannten „Sturmgeschütz der Demokratie“  ein Mann schreibt, der nicht (mehr) links ist.

Hassfigur für linke Kritiker

Unter dem Schutz von Pseudonymen können die Ge- und Betroffenen so ihre Protestnoten absenden. Wenn „das_dunkle_orakel“ ein Schreibverbot für den Autor verlangt und einräumt, dass es ja nun leider die blöde Meinungsfreiheit gibt, dann spürt man förmlich, wie der linke Volkszorn kocht. Andere wollen dem „Bübchen“ und „Schreiberling“, so ihre Diktion, gleich in den Hintern treten. Man merkt: Wer so viel hasserfüllte Reaktionen bekommt, der muss etwas Wahres aussprechen. Und um Karl Kraus zu zitieren: „Was trifft, trifft auch zu“.

Fleischhauer ist wohl mittlerweile ein gelassener Konservativer, der von einem heiteren Pessimismus getragen wird. Er ist ironisch und schreibt gegen die Moralisierung der Politik an. Das mögen die Blockwarte der politischen Korrektheit aber überhaupt nicht. Fleischhauer verteidigt all diejenigen, die von unserem Meinungskartell als Paria dargestellt werden. Er bricht eine Lanze für Guido Westerwelle (dem auch sein Schwulsein zu keiner Erhöhung der eigenen Popularität verhilft), den Freiherrn zu Guttenberg und die attraktive FDP-Frau Silvana Koch-Mehrin. Er piesackt die Grünen als die Partei des öffentlichen Dienstes, die in ihrer eigenen „BAT-Bohème“ lebt. Für die rot-grünen Heuchler Fischer, Schily und Schröder hat er erkennbar wenig übrig. Während bei Christian Wulff jeder Cent umgedreht und über sein angeblich so spießiges Eigenheim philosophiert wurde, gab es keinen Aufschrei, „als sich der ehemalige Innenminister Otto Schily von einer Firma anstellen ließ, die nun die fälschungssicheren Personalausweise produziert, die er in seiner Zeit als Minister einführte.“

Sentimentalsozialisten wie Heribert Prantl und die „Käßmann-Kultur“ gehen ihm erkennbar auf den Geist, über den der Konservative im Gegensatz zur angepassten linken Schickeria verfügt. Auch die Wutbürger, die auf Lautstärke statt Wahlzettel setzen, die Rettungs-Europäer und die tumben Merkel-Basher bekommen ihr Fett weg. Meist trifft Fleischhauer ins Schwarze, weil die Fakten stimmen – dem „Spiegel“-Apparat sei Dank. Und auch unser Riesenstaatsmann Helmut Schmidt bekommt eine Breitseite. Heute gibt der grantelnde Zigarettenraucher den Weltstaatsmann und Weltökonom, dabei war er selbst ein wirtschaftspolitischer Blindgänger. In den achteinhalb Jahren seiner Kanzlerschaft vervierfachten sich nämlich die Schulden des Bundes von 80 Milliarden auf 320 Milliarden D-Mark. Wer schon damals so lässig mit dem Geld der Steuerzahler umging, der kann heute locker seiner Amtsnachfolgerin vorwerfen, einen plumpen D-Mark-Nationalismus zu pflegen.

Warum Steuersenkungen jetzt richtig sind

Besonders lesenswert ist die Kolumne „Warum Steuersenkungen jetzt richtig sind“. Wer heute in Deutschland für Steuersenkungen eintritt, der wird vom Meinungs- und Politikkartell der herrschenden Stände als unzurechnungsfähig dargestellt. Angeblich sei eine solide Haushaltsführung vordringlicher als Steuersenkungen. „Das klingt ja auch besser als der schnöde Hinweis, dass man mit dem Geld nicht auskommt, welches man den Bürgern abnimmt“, so der Autor. Insbesondere unserem unsäglichen Finanzminister Schäuble sei folgende Passage ins Stammbuch geschrieben: „Wir haben uns angewöhnt, nicht die Erfindung immer neuer Steuern für begründungspflichtig zu halten, sondern den Widerspruch dagegen. Vielleicht sollte man zur Abwechslung mal diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die so großzügig mit dem Geld anderer Leute verfahren. Eine Steuersenkung wäre ein erster Schritt in diese Richtung.“

Fleischhauer, Jan: Der schwarze Kanal. (amazon.de)


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