03. September 2012

Rede in Tampa Die Zukunft der Ron-Paul-Bewegung

Wir müssen uns weiter bilden, andere „entschwindeln“ und die „gütige Maske“ des Staates abreißen

Eine der aufregendsten Erlebnisse während des Wahlkampfs 2012 war der Anblick der riesigen Massen, die kamen, um Ron zu sehen. Seine Mitbewerber konnten zur gleichen Zeit noch nicht einmal einen Starbucks zur Hälfte füllen. Als ich in den späten 70ern und frühen 80ern als Rons Stabschef arbeitete, konnte ich davon nur träumen.

Aber was hat alle diese Leute an Ron Paul so gefesselt? Er hat seinen Anhängern keinen Platz am staatlichen Fleischtopf angeboten. Er hat nicht irgendein verlogenes Gesetz verabschiedet. Tatsächlich hat er nichts von dem getan, das wir mit Politikern verbinden. Was seine Anhänger an ihm lieben, hat mit Politik überhaupt nichts zu tun.

Ron ist der Anti-Politiker. Er spricht unmodische Wahrheiten aus, bildet die Öffentlichkeit lieber als sie zu hofieren und steht zu seinen Prinzipien, auch wenn die ganze Welt gegen ihn gerichtet ist.

Manche sagen: „Ich liebe Ron Paul, nur seine Außenpolitik mag ich nicht.“ Aber diese Außenpolitik stellt den besten und mutigsten Teil von Ron Paul dar. Frieden ist der Dreh- und Angelpunkt des Paulschen Programms, nicht dessen belangloser oder überflüssiger Zusatz. Er würde und könnte diesen niemals aufgeben.

Das Problem hätte Ron vermeiden können, wenn er sich nur um sein persönliches Vorwärtskommen gekümmert hätte. Aber er weigerte sich. Egal wie oft er ermahnt wurde, seinen Mund über Krieg und Imperium zu halten, blieben dies die Kernstücke seiner Reden und Interviews.

Natürlich verdient Ron Paul den Friedensnobelpreis. In einer gerechten Welt würde er außerdem die „Medal of Freedom“ erhalten und sämtliche Auszeichnungen, auf die jemand in seiner Position Anspruch hätte.

Stattdessen ist die Vergangenheit übersät mit vergessenen Politikern, die haufenweise Auszeichnungen von anderen Politikern überreicht bekamen. Was Ron mehr als alle Ehrungen und Zeremonien der Welt bedeutet, seid ihr alle – und eurer Bekenntnis zu den unsterblichen Ideen, für die er sich sein ganzes Leben lang eingesetzt hat.

Es ist Rons Ehrlichkeit und sein Antrieb, die Öffentlichkeit aufzuklären, das uns in unserem zukünftigen Schaffen inspirieren sollte.

Es ist kein Zufall, dass Regierungen überall die Ausbildung der Kinder übernehmen wollen. Staatliche Bildung wiederum soll der vermeintliche Beweis für die Güte des Staates und seine Sorge um unser Wohlergehen sein. Die wahre Erklärung dafür ist wenig schmeichelhaft. Wenn die staatliche Propaganda in heranwachsenden Kindern Wurzeln schlagen kann, werden diese Kinder keine Bedrohung für den Staatsapparat sein. Sie werden die Ketten an ihre eigenen Gelenke legen.

H. L. Mencken sagte einst, dass der Staat dich nicht nur gehorsam machen will. Er versucht dich dazu zu bringen, dass du gehorsam sein willst. Und diese Sache machen die staatlichen Schulen sehr gut.

Ein längst vergessener politischer Denker, Etienne de la Boetie, hat sich gefragt, warum Menschen ein unterdrückendes Regime jemals tolerieren würden. Immerhin wird die kleine Minderheit derjenigen, die regieren, zahlenmäßig von den Regierten erheblich übertroffen. Also könnten die regierten Menschen dem ganzen ein Ende setzen, wenn sie nur den Willen dazu hätten. Aber dennoch tun sie dies selten.

De la Boetie folgerte daraus, dass die einzige Möglichkeit für das Überleben jedes Regimes darin besteht, dass das Volk mit ihm einverstanden ist. Diese Zustimmung könne von enthusiastischer Unterstützung bis zu stoischer Resignation reichen. Aber sollte diese Zustimmung jemals verschwinden, wären die Tage eines Regimes gezählt.

Und deshalb ist Bildung – wirkliche Bildung – eine so große Gefahr für jedes Regime. Wenn der Staat seinen Zugriff auf euren Verstand verliert, verliert er den Schlüssel zu seinem eigenen Überleben.

Der Staat fängt an, diesen Zugriff zu verlieren. Es scheint so, dass traditionelle Medien, die seit Anbeginn der Zeit Wasserträger für die Regierung waren, durch unabhängige Stimmen aus dem Internet bedroht werden. Ich glaube nicht, dass irgendjemand unter 25 überhaupt eine Zeitung liest.

Die Medien und die politische Klasse machten gemeinsame Sache beim Versuch sicherzustellen, dass niemand etwas über Ron Paul herausfindet. Als sich dies als unmöglich erwies, schwärzten sie ihn an und sagten, dass niemand Ron hören wolle, wenn er stattdessen Tim Pawlenty oder Mitt Romney hören könnte.

Aber all dies ging nach hinten los. Je mehr Panik sie über Ron verbreiteten, desto mehr wurden die Menschen zu ihm gezogen. Sie wollten wissen, warum das Establishment sie so eifrig vom Zuhören abhalten wollte.

Unsere Herausforderung des Staates ist die radikalste, der er sich jemals gegenübersah. Wir versuchen nicht, den Staat effizienter zu machen oder zu zeigen, wie er höhere Einnahmen bekommt . Wir versuchen nicht, sein Modell der Wohlstandsverteilung zu verändern. Wir sagen nicht, dass diese Subvention besser als jene ist oder dass diese Steuer das System reibungsloser arbeiten lasse als die andere. Wir lehnen dieses System mit Stumpf und Stiel ab.

Und wir sind nicht gegen die Kriege der Regierung weil diese kontraproduktiv sind oder die Kräfte des Staates überstrapazieren. Wir sind gegen sie, weil auf Lügen basierender Massenmord niemals moralisch akzeptabel sein kann. Folglich betteln wir nicht um Abfälle vom imperialen Tisch, und wir streben keinen Platz an diesem Tisch an. Wir wollen den Tisch umstoßen.

Wir haben viel Arbeit zu erledigen. Unzählige Amerikaner wurden davon überzeugt, dass es in ihrem Interesse ist, von einer regierenden Elite beraubt und herumkommandiert zu werden, die sich in Wirklichkeit nicht um deren Wohlergehen kümmert und nur danach sucht, ihre Macht und ihren Wohlstand auf deren Kosten zu vergrößern.

Die tödlichste und antisozialste Institution der Geschichte ist damit durchgekommen, sich selbst als die einzige Quelle der Zivilisation zu beschreiben. Von dem Moment, an dem Amerikaner den Fuß in staatliche Schulen setzen, lernen sie, dass der Staat dazu da ist, sie von der Armut, gefährlicher Heilkunst und Notzeiten zu befreien, wirtschaftliche Impulse zu geben, wenn die Wirtschaft notleidend ist und sie überall gegen düstere Gesellen zu schützen. Diese Sichtweise wird wiederum von den Rundfunk- und Printmedien bekräftigt.

Wenn die Öffentlichkeit beschwindelt worden ist, wie Murray Rothbard sagen würde, müssen wir das Entschwindeln übernehmen. Wir müssen die gütige Maske des Staates herunterreißen. Das ist der Auftrag, der vor euch liegt, vor uns allen, hier und jetzt.

Fange bei dir selbst an. Lerne alles was du kannst über eine freie Gesellschaft. Lese die Großen wie Frederic Bastiat, Ludwig von Mises und Murray Rothbard. Wenn du in die Literatur der Freiheit eintauchst, teile was du liest und lernst. Starte ein Blog. Erstelle einen You-Tube-Kanal. Organisiere einen Lesekreis. Aber egal, was du tust, lerne, verbreite was du lernst, und hör niemals auf.

Wenn es durch Propaganda geschieht, dass die Menschen gedankenlos die Ansprüche des Staates akzeptieren, dann müssen sie durch Aufklärung zur Vernuft gebracht werden. Mit seinen schwindenden Medien wird es für den Staat immer schwieriger, seine Behauptungen aufrecht zu erhalten und die Menschen davon zu überzeugen, seine Lügen und Propaganda zu akzeptieren.

Es heißt, die Feder ist mächiger als das Schwert. Betrachtet das Schwert als den Staat. Betrachtet die Feder als euch alle, wie jeder von euch auf seine eigene Art und Weise die Idee der Freiheit verbreitet.

Denkt an die Erkenntnis von Etienne de la Boetie: Jede Regierung beruht auf öffentlicher Zustimmung – sobald die Öffentlichkeit diese Zustimmung entzieht, ist jedes Regime dem Untergang geweiht.

Deshalb fürchten sie Ron, deshalb fürchten sie euch, und deshalb, trotz der Greuel, über die wir täglich lesen, können wir es wagen, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken.

Informationen:

Llewellyn H. Rockwell jr. ist der Gründer und Vorsitzende des amerikanischen Ludwig von Mises Institutes. Am 25. August 2012 hielt Rockwell eine Rede auf dem „Paul Festival“ in Tampa, Florida zu Ehren des Präsidentschaftskandidaten Ron Paul. Der obige Text, der am 27. August auf der Webseite lewrockwell.com unter dem Titel „Ron Paul and the Future“ veröffentlicht wurde, basiert auf dieser Rede. Übersetzung für ef-online von Robert Grözinger.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Lew Rockwell

Über Lew Rockwell

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige