04. Oktober 2012

Günther Jauch Banker trifft Revoluzzer

Nur der Ordnungspolitiker fehlt

Wie schlicht das Weltbild der Günther-Jauch-Redaktion ist, zeigte die Besetzung am vergangenen Sonntag. Auf der einen Seite der linke Revoluzzer Daniel Cohn-Bendit. Auf der anderen Seite das Gesicht des deutschen Finanzmarktes Josef Ackermann. Auf der einen Seite der Kämpfer für staatliche Regulierung und Umverteilung. Auf der anderen Seite der Verteidiger des Kapitals und der Bezieher von Millionenboni. Alles war angerichtet. Doch ein echter Schlagabtausch entwickelte sich nicht. Die Kontrahenten waren sich zu oft einig: Die EZB soll ruhig Staatsanleihen kaufen. Die Politik soll die nächste Krise verhindern. Und Jens Weidmann soll sich nicht so anstellen.

Das überrascht nicht. Denn die beiden sitzen eigentlich nebeneinander – in der „Wir-wollen-an-das-Geld-der-deutschen-Steuerzahler-und-Sparer“-Reihe. Sie feiern zwar auf unterschiedlichen Partys: der eine auf dem sogenannten Finanzmarkt, der andere im europäischen Wohlfahrtsstaat. Die Getränke lassen sie sich aber beide frei Haus von der EZB, den Rettungsschirmen und den Transfersystemen liefern. Und daran soll sich auch so schnell nichts ändern.

Ihnen gegenüber hätte jemand gehört, der an die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft wie Haftung und Eigenverantwortung erinnert. Jemand, der erklärt, warum wir nicht dauerhaft über unsere Verhältnisse leben können. Warum Inflation unsozial ist. Warum Verluste nicht sozialisiert, Regeln nicht gebrochen und Schulden nicht vergemeinschaftet werden sollen.

Im zweidimensionalen Weltbild öffentlich-rechtlicher Redakteure scheint für diese Position aber kein Platz. Da passt sie genauso wenig rein wie Ron Paul zwischen die friedvollen und sozialen US-Demokraten auf der einen Seite und die kriegslüsternen und finanzmarkt-gesponserten Republikaner auf der anderen Seite. Leider.  


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