22. Oktober 2012

Financial Repression Tour Robin Hood eilt zur Rettung des Anlegers

Das Institut für Austrian-Asset-Management beseitigt die Nebelschwaden

Am vergangenen Freitag fand der zweite Anlauf der „Financial Repression Tour“ des Instituts für Austrian Asset Management in Kassel statt, zwei Wochen nach der ersten Tagung in Wien. Steffen Krug, der Leiter des Instituts, eröffnete die Vortragsreihe mit einem Bild der Stadt Kassel bei schönstem Sonnenschein, gefolgt von einer dichten Nebelwand, die von der gleichen Stelle fotografiert wurde. „Der Anleger von heute befindet sich in ebenso einer Nebelwand. Die verzerrten Zinsen und Preise lassen ihm keine Sicht auf die eigentliche Situation, was es sehr schwierig macht, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Krug. Schnell sei man bei schlechter Sicht gegen einen Baum gelaufen.

Den ersten Versuch, den Schleier zu beseitigen, startete Ralf Flierl, Chefredakteur des Magazins „Smart Investor“. Das Problem der derzeitigen Weltwirtschaft sei die extrem hohe Verschuldung der westlichen Länder. Ab einem Schuldenstand von 90 Prozent des BIP würde eine Volkswirtschaft in eine „Todesspirale“ geraten, aus der es nur schwer ein Entrinnen gibt. Um die Verschuldung zu bekämpfen, gebe es fünf Möglichkeiten. Die erste heißt Sparen. An den Südländern der Eurozone lasse sich jedoch erkennen, dass dieser Weg sehr schmerzhaft ist, selbst wenn auch nur die Neuverschuldung gedrückt wird. Die zweite Möglichkeit kranke an den geringen Aussichtschancen. „Wachstum“ kann nur in einer wachstumsorientierten Rahmenordnung geschehen, die es längst nicht mehr gibt. Auch sei das Potential bei älteren Volkswirtschaften zu gering, um höhere Wachstumsraten zu ermöglichen. Die dritte Möglichkeit ist die erste mit Erfolgsaussichten. Sie heißt Staatspleite oder Schuldenschnitt. Dabei stellt der Staat alle Schuldzahlungen ein und die Gläubiger verlieren ihr Geld. Diejenigen, die einer unseriösen Regierung Geld geliehen haben, zahlen die Zeche. Das sind überwiegend Banken, Versicherungen, Pensionskassen und dergleichen. Das mag schmerzhaft sein, dennoch ermögliche es einen Neustart des Systems. Anzumerken sei aber, dass sich wohlfahrtsstaatliche Versprechen, wie etwa Renten, so nicht beseitigen lassen. Die vierte Variante ist wohl die schlimmste – ein Land kann gegen ein anderes Krieg führen und die Schulden mit der Beute begleichen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch die fünfte Variante – Inflationierung. Durch sie werden die Altschulden abgewertet. Für die Politik sei das die bequemste Lösung. Sie wird jedoch nicht funktionieren. Aufgrund der Konstruktion der heutigen Geldschöpfung kann neu gedrucktes Geld wiederum nur aus Schulden entstehen. In anderen Worten: Die Altschulden können nur entwertet werden, indem man in Kauf nimmt, dass neue Schulden entstehen. So nehmen die Schulden zu und nicht ab. Funktionieren würde diese Strategie nur bei einem Neustart einer Volkswirtschaft, etwa nach einem Krieg. Für die Politik dürfte diese Strategie dennoch die schmerzfreieste sein.

Aus der Inflationierungsstrategie folgt notwendigerweise die finanzielle Repression. Da die Zinsen unter dem Niveau der Inflation liegen, verlieren Anleger Kaufkraft, wenn sie Geld festverzinslich anlegen. Daraus resultiert eine Flucht des Geldes in Sachwerte sowie in andere Länder. Die Politik begegnet dem dann beispielsweise mit Kapitalverkehrskontrollen. So wird man in Italien künftig nicht mehr bar bezahlen können ab einem Betrag von nur 50 Euro. Den steigenden Lebenshaltungskosten wird dann mit Preisdeckelungen begegnet – Lebensmittel und Wohnraum werden rationiert. Der Flucht in Sachwerte kann mit einem Goldverbot der Riegel vorgeschoben werden. Jegliche Enteignungsvarianten sowie ein Vorgehen gegen Spekulanten seien ebenfalls mögliche Mittel. Besonders tragisch sei, dass all diese Maßnahmen einen hohen Zuspruch in der Bevölkerung haben. Von der Inflationsstrategie könne die Europäische Zentralbank nicht mehr abweichen. Nach der Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen von Pleitestaaten aufzukaufen, hätten sich die Märkte bereits darauf eingestellt. Ein Rückzug davon hätte einen erheblichen Börseneinbruch zur Folge. Seit dieser Ankündigung sei klar, dass die Krise keinen Umweg über eine Deflation nehmen werde, sondern geradewegs auf höhere Inflationsraten zusteuere.

Da in einer solchen Umgebung der Krisenschutz einer Edelmetallanlage alternativlos ist, erklärte Dr. Jörg Schatz, Vorsitzender bei Perfect Management Services in Liechtenstein, wie sich möglichst repressionssicher in Gold und Silber investieren lässt. Besonders geeignet sei laut dem selbst ernannten „Robin Hood der Fleißigen und Sparer“, der sein Referat mit einem Ritterschild am Arm hielt, eine Anlage im kleinen und schuldenfreien Liechtenstein. Dort sei das Bankgeheimnis inzwischen zwar ebenfalls aufgehoben, jedoch bestehe das Versicherungsgeheimnis noch. Über eine in Gold investierte Versicherung ließe sich also nach wie vor anonym, verdeckt und dennoch legal in Edelmetalle investieren. Gerd Müller von der Vermögensverwaltung Compass ergänzte seine Strategie im Anschluss mit der Idee der IfAAM Compass Police.  Die Idee dahinter ist, das geopolitische Risiko durch Diversifikation zu minimieren. Wer sein Vermögen auf verschiedene Länder aufteilt, den schmerzt die Enteignung in einem der Länder nicht ganz so sehr. Eine zu großen Teilen in Edelmetallen investierte Versicherung in Liechtenstein könne so einen zweiten Schirm über die Anlage spannen. Zudem sei ein Versicherungsverbot recht unwahrscheinlich.

Wieder etwas theoretischer wurde der anschließende Vortrag von Claus Vogt von Aequitas Capital. Er begann mit Zitaten von falschen Versprechen führender Politiker in der Eurokrise. Besonders anschaulich fasst dies die Aussage von Jean-Claude Juncker zusammen: „Wenn es ernst wird, muss man lügen“. In den letzten Jahren habe es eine gigantische Geldmengenausweitung der Geldbasis der EZB gegeben.  Verzweifelt werde versucht, den umfassenden Wohlfahrtsstaat zu retten, der nur mit stetig steigender Verschuldung zu erhalten sei. Auch Vogt betonte, dass die Wirtschaften des Westens mit ihrer keynesianischen Politik in eine Zwickmühle geraten sind. Hohe Staatsschulden und ein ungedecktes Geld hätten bisher immer zu Inflation geführt. Der Grund dafür, dass diese bisher ausgeblieben ist, sei die geringe Nachfrage nach Geld. Die Banken würden dank der Unsicherheit und der niedrigen Zinsen nicht in vollem Umfang Geld verleihen. Fängt die Wirtschaft aber wieder Fuß, beginnt eine gigantische Geldmengenausweitung der Geschäftsbanken auf der erweiterten Zentralbankgeldmenge. Die daraus resultierenden Preissteigerungen ließen sich nur durch eine harte Verknappung der Geldbasis aufhalten. Theoretisch wäre das zwar möglich, doch Vogt hält es für unwahrscheinlich, dass die EZB diesen Schritt wagen wird, da dies eine dramatische deflatorische Wirkung und damit eine sofortige und schwere Rezession zur Folge hätte. Den Beginn höherer Inflationsraten sieht er erst in drei bis vier Jahren. Sollten die Zinsen jedoch vorher zu steigen beginnen, würden die Banken die Geldmenge schon vorher ausweiten. Dies sei nicht unwahrscheinlich. Die Rettungsmaßnahmen der letzten Jahre seien das größte keynesianische Programm der Weltgeschichte gewesen und die wirtschaftliche Erholung eine extrem kurze. Daher wäre es gut möglich, dass die Belebungsversuche längst an einem toten Körper stattfinden und sich steigende Zinsen nicht länger vermeiden lassen. 

Nach dem Mittagessen referierte Matthias Gosch von Pretagus über Diamanteninvestment als mögliche Anlage. Da Diamanten unterschiedliche Qualität haben, also keine homogenen Güter sind, werden sie nicht an der Börse gehandelt. Angebot und Nachfrage bestimmen somit direkt den Preis, was Wertschwankungen minimiert. Da die Vorkommen weitgehend erschöpft sind, können kaum mehr Diamanten abgebaut werden. Damit seien sie eine echte Option zur Diversifikation der Anlage in Krisenzeiten. Eine weitere Alternative zu Edelmetallen stellte Markus Peter von Bellevue Asset Management aus Zürich vor. Asiatische Familienunternehmen seien sehr solide finanziert und verfügten über hohes Eigenkapital. Sie seien schnell anpassungsfähig, hätten einen langfristigen Fokus und eine gute und direkte Beziehung zu den Mitarbeitern. Asien sei zudem nicht überschuldet, verfüge über eine junge Bevölkerung und der Handel zwischen den asiatischen Staaten nehme zu, so dass die Abhängigkeit von Exporten in den Westen abnehme. Axel Stiehler von Aquila Capital Advisors veranschaulichte im Anschluss die künftigen Aussichten einer Anlage in Wasserkraft. Diese sei die billigste Stromerzeugung überhaupt. Kraftwerke hätten zudem eine extrem lange Lebensdauer. Zudem sei die Anlage sehr krisensicher, da Strom immer gebraucht werde und die weltweite Nachfrage nach Strom steige. Die Türkei sei für ein solches Investment der ideale Ort. Sie verfüge über modernste Infrastruktur, eine junge Bevölkerung und enorme Wachstumsraten.

Danach warnte Claudio Grass von Global Gold vor Goldzertifikaten. Die Menge der weltweiten Goldzertifikate, die lediglich einen Anspruch auf Gold darstellen, sei viel größer, als tatsächlich an Gold vorhanden sei. In einer Krisensituation wäre nicht genügend Gold vorhanden, jeden zu beliefern. Goldzertifikate sind vor staatlichem Zugriff nicht sicher und nicht handelbar, wenn der Staat die Börsen für einige Tage schließen sollte. Besser sei eine Einlagerung und Auslieferung durch seine Firma in der Schweiz. Der Goldbestand sei damit vollständig bankenunabhängig, durch Hochsicherheitsverwahrung gesichert, umfassend versichert und werde bei politischen Krisen in der Schweiz nach Hongkong geschickt.

Martin Mack von der Vermögensverwaltung Mack und Weise rechnet hingegen mit einer deflationären Bereinigung der Krise. Die Arbeitslosigkeit in den USA würde bei 22,8 Prozent liegen, wenn man die Berechnungsmethode von vor 20 Jahren anwende. In der EU hätte die Jugendarbeitslosigkeit stellenweise die 50-Prozent-Marke weit überschritten.  Die PIIGS-Staaten hätten mittlerweile eine Verschuldung von 3,4 Billionen Euro, mit einem enormen Zuwachs alleine in den letzten Jahren. Die Haftung Deutschlands für die Länder hätte bereits die 800-Milliarden-Marke geknackt. Dadurch käme es zu immer größeren Auftragseinbrüchen und somit zur Deflation. Da die Bevölkerung im Angesicht der Situation völlig ahnungslos sei, werden die Finanzklempner immer weiter fortfahren – „bis zum bitteren Ende“.

Den Abschluss eines gelungenen Seminartages bot Norbert F. Tofall. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler stellte seine Alternative zur finanziellen Repression vor – den Währungswettbewerb. Europa befinde sich auf einem Weg zur „Zentralverwaltungswirtschaft“, deren einziger Zweck die Machtausweitung für einige wenige sei. Diese gefährde das Recht, was unmöglich zu einer stabilen Währung führen könne. Was hingegen Stabilität schafft, sind konkurrierende Währungen zum Euro. Gäbe es Konkurrenz, könnte der Staat die eigene Währung nicht einfach verwässern und ständig Schulden machen, da die Konsumenten dann schlicht auf das bessere Privatgeld wechseln würden. Es sei tragisch, dass durch die Bankenbailouts ein Haftungsausschluss für die Banken entstanden sei, da sie ihre Verluste nicht mehr selbst tragen müssen. Da der Untergang einer großen Bank weitreichende Folgen hätte, seien sie zu einem unglaublichen Drohpotential gekommen. Dieses könne nur aufgehoben werden, indem der Staat vorübergehend die Einlagen der Sparer garantiert und die Banken anschließend auf einen Reservesatz für Einlagen von 100 Prozent bringt. Dieser Schritt wäre nicht inflationär, da das neu gedruckte Geld für die Einlagenerhöhung von der erhöhten Reservevorschrift aufgehoben würde. Banken mit schlechten Geschäftsmodellen könnten dann wieder insolvent gehen, ohne eine Kettenreaktion auszulösen. Sie würden lediglich von erfolgreicheren Banken übernommen werden. Die Bundesbank hat sein Konzept auf Anfrage bewertet und kam zu dem Entschluss, dass ein solcher Schritt technisch durchführbar wäre. In der abschließenden Fragerunde ließ Tofall die Zuhörer noch wissen, dass das meistbenutzte Word im Bundestag „Währungsreform“ heißt und viele Abgeordnete sich zwar in der Öffentlichkeit nichts anmerken lassen, aber privat längst in Edelmetalle und Land investiert hätten, weil sie ein Außer-Kontrolle-geraten der Krise befürchten.


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