09. November 2012

US-Präsidentenwahl Matrix Reloaded

Zwei blaue Pillen, wo bleibt die rote?

Am 6. November hat Amerika sich also zwischen zwei Übeln entschieden: Statt des Council On Romneys Relations wird Goldrack Obasacks weitere vier Jahre lang nach bestem systemaffirmativen Wissen und fehlendem außenpolitischen Gewissen den mächtigsten Mann der Welt darzustellen versuchen, indem er mit möglichst seriösem Gesichtsaudruck und vielen bedeutungsschwangeren Bedenkpausen Texte von einem Teleprompter abliest. Dass man damit sogar heute noch Menschen verulken kann, ist erstaunlich. Man sollte deshalb aber lieber nicht zu laut über Amerika lachen: Auch hierzulande blamierte man sich schon beim ersten Wahlsieg Obadbanks durch religiös verquaste Superlative.

Der „Spiegel“ bescheinigte ihm gar – jegliche Ähnlichkeit mit Dieter Hallervordens „Nonstop Nonsens“ ist rein unfreiwillig –, ein „Messias“ zu sein. Ob ein Defibrilator da noch was ausrichten kann? Dabei hätte doch schon ein kleines Quantum investigativer Arbeit genügt, um zumindest eine leise Ahnung davon zu bekommen, wie weit es mit dem versprochenen „Change“ wirklich her sein kann: Sowohl das Kabinett George W. Bushs als auch dasjenige seines alles, nun aber wirklich auch alles ganz anders machenden Nachfolgers Droneama setzte sich größtenteils aus Mitgliedern der Bilderberger, des Council on Foreign Relations (CFR) sowie der Trilateralen Kommission (gegründet von Zbigniew Brzeziński und David Rockefeller) zusammen. Um nur einige Namen zu nennen (aus dem Kabinett Obamas):

Erstens: Timothy Geitner – Bilderberger, CFR, Trilaterale Kommission, ehemals CEO („Chief Executive Officer“) der Federal Reserve, Mitglied der Hochfinanz-Lobbyorganisation G30, war außerdem bei Kissinger & Associates beschäftigt sowie einer der Hauptarchitekten der Banken-Bailouts im Jahre 2008.

Zweitens: Paul Volcker – Bilderberger, CFR, Trilaterale Kommission, Chairman der Federal Reserve während der Carter- und Reagan-Regierung, Mitglied der G30, spielte eine wesentliche Rolle bei der Aufhebung des Goldstandards durch Richard Nixon.

Drittens: Lawrence Summers – Bilderberger, CFR, Trilaterale Kommission, war Chefökonom der Weltbank, Protégé David Rockefellers.

Viertens: Hillary Clinton – Bilderbergerin, CFR, Trilaterale Kommission.

Fünftens: Joseph Biden – Bilderberger, CFR, Mitglied des U.S Senate Committee on Foreign Relations.

Sechstens: Bill Richardson – Bilderberger, CFR, Mitarbeiter bei Kissinger & Associates.

Siebtens: Robert Gates – Bilderberger, CFR, ehemaliger Direktor der CIA, Ex-Verteidigungsminister, verwickelt in die Iran-Contra-Affäre.

Achtens: General James L. Jones – Bilderberger, Trilaterale Kommission, war „European Supreme Allied Commander“, Berater der Bush-Regierung für Fragen der Sicherheit im Mittleren Osten, Mitglied des „Brent Snowcrofts Institute for International Affairs“ zusammen mit Zbigniew Brzeziński, dessen immenser Einfluss auf die US-Politik sicher nicht mehr erläutert werden muss. Brzeziński ist neben Henry Kissinger (Zitat: „Wenn man die Kontrolle über das Geld hat, kontrolliert man die Welt“) der wichtigste Kopf hinter der heutigen US-Außenpolitik im Mittleren Osten sowie ein Vordenker und Stichwortgeber der modernen Hightech-Schnüffelgesellschaft. Wer wissen möchte, warum die US-Politik sich heute immer schneller um Kriege, mehr Überwachung, mehr globale Kontrolle dreht, lese sein Buch „The Grand Chessboard“.

Bilderberger, CFR, Trilaterale Kommission, G30, Federal Reserve – die schiere Zahl der Mitglieder dieser Organisationen in einem Kabinett, ihre auffällige Dominanz, ist mehr als nur ein Indiz für die große Einflussnahme der dahinterstehenden Elitenzirkel auf die US-Innen- sowie Außenpolitik. Wenn eine Regierung fast durchweg aus solchen Lichtgestalten besteht, aus Stimmbändern von Institutionen, die man als Schaltzentralen der Hochfinanz sowie PR-Büros der „New World Order“ bezeichnen darf, sollte man nicht mehr überrascht sein, wenn selbst ein „Messias“ nicht sonderlich viel zu ändern vermag. Um das auszuklamüsern, benötigt man eigentlich keinen Abschluss in Nostradamik.

Was die zukünftige Außenpolitik betrifft, kann man davon ausgehen, dass die USA nach den bisherigen Kriegen im Irak, in Afghanistan und Libyen sowie dem derzeit tobenden Syrien-Konflikt sich nun den Jemen, vermutlich auch Jordanien und den Sudan vorknöpfen werden. Obama hatte bereits im Juli 2009 in einer Rede im ghanaischen Accra eine Erweiterung der amerikanischen Präsenz in Afrika angekündigt („Africom“). Vielsagender Auszug: „Amerika hat eine Verantwortung, seine Vision fortzuführen, nicht nur mit Worten, sondern durch Unterstützung von Afrikas Leistungsfähigkeit. Wenn es Genozid in Darfur gibt oder Terroristen in Somalia, dann sind das nicht nur afrikanische Probleme – es sind Herausforderungen für die globale Sicherheit, die globale Antworten verlangen. Deshalb stehen wir als Partner in Fragen der Diplomatie, der technischen und logistischen Unterstützung zur Seite, um Kriegsverbrecher dingfest zu machen. Es geht dabei nicht darum, auf dem Kontinent Fuß zu fassen, sondern diesen gemeinsamen Herausforderungen zu begegnen, um die Sicherheit Amerikas, Afrikas und der Welt zu gewährleisten.“

Der Ausschnitt versammelt beispielhaft die üblichen rhetorischen Nebelkerzen: Terrorismus, globale Bedrohungen, die nach globalen Antworten schreien, humanitäre und ökonomische Hilfe, Demokratur, Frieden, Liebe, Knutschflecken für alle. Natürlich verschweigt Obambi, dass es dabei hauptsächlich um den wachsenden Einfluss Chinas auf dem afrikanischen Kontinent geht, wo das Morgenland vermehrt seinen Rohstoffdurst stillt – wichtige Ressourcen, die man auch in den USA gerne lutscht. An dieser außenpolitischen Strategie hätte sich auch unter Obadbanks republikanischem „Herausforderer“ nichts geändert, im Gegenteil. Mit Romney als Handpuppen-Präsident der NWOler hätte es lediglich etwas früher geknallt und sicher auch zügiger im Iran gebumst, Barrack Bin Wall Street mimt diesbezüglich noch den Zögerling, den von ethischen Zweifeln Geplagten.

Innenpolitisch dasselbe Spiel: Weder JPMorgama noch Mitt Lehmann würden dem kriminellen Treiben der Wall-Street-Mafia ein Ende bereiten. Man könnte auch frotzeln, die Bürger der Vereinigten Staaten von Bankierica hätten lediglich die Wahl zwischen zwei blauen Pillen gehabt: Egal, welche sie schlucken, der Splitter im Kopf wird bleiben und das ungute Gefühl, dass irgendetwas „nicht stimmt mit der Welt“. Romneys Gesundheitsreform unterscheidet sich nur marginal von Obamas dreiviertelsozialistischer; keiner der beiden hätte (trotz gegenteiliger, vollmundiger Versprechen Robamneys) an der zunehmenden Enteignung der US-Bevölkerung  durch die „Fed“ (ließe sich übersetzen mit „Bundesreservat für moderne Pharaonen“ oder auch „Föderales Refugium für geisteskranke Technokraten“), der bedrohlich wachsenden Faschisierung hin zu einem Polizeistaat (Patriot Act, NDAA), kurz: dem Marsch in Gottes eigenen Arbeiter- und Bauernstaat etwas geändert. Wie auch. Man stelle sich einen US-Präser vor, der ernsthaft in die Machtstrukturen in und hinter der Fed einzudringen versucht. Ganz schnell zöge man ihm das Rockefell über die Ohren. Die Behandlung des passionierten Fed-Gegners Ron Paul durch die US-Massenlobotomedien spricht ja für sich.

Was hat Bankierica durch die Wiederwahl Barrack Telepromptamas also gewonnen? Nichts.  Persönliche Prognose: Der Schuldenberg (mittlerweile im atemverschlagenden zweistelligen Billionenbereich) wird weiter wachsen (QE 4 bis 7 dürften nur noch eine Frage der Zeit sein), die imperialistischen, nicht nur Monat für Monat, sondern schon Tag für Tag weitere aberwitzige Milliardenlöcher aufreißenden militärischen Abenteuer in aller Welt, die schon durch die Machtverhältnisse hinter der hübschen Fassade des Weißen Hauses auch weiterhin garantierte, südeuropäische  Korruption und Reformunwilligkeit werden sich – vorsichtig ausgedrückt – wahrscheinlich eher rezessionsverschärfend auswirken. Wenn nicht gar Schlimmeres. Die Bürgen Amerikas können sich also – darin ihren europäischen Leidensgenossen nicht ganz unähnlich – auch weiterhin über Kinder-Überraschungseier ihrer Führungskaste freuen: Spiel (Wahlen), Spaß (Massendesinfotainment), Spannung (Schusswechsel auf CNN im Call of Duty-Stil).


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