04. April 2013

Geldsystem Beelzebubs Triumph I

Der Zauber des Papiers

„Verschuldung ist nichts weiter als vorgezogener Konsum, der in der Zukunft ausfällt.“ Das waren die sehr zutreffenden Worte eines Dr. Hjalmar Schacht, der von 1923–1930 und von 1933-1939 Präsident der Deutschen Reichsbank war. Wahre Worte eines Mannes,  die seit den schlimmsten Wirtschaftsturbulenzen Deutschlands nichts von ihrer ewigen Gültigkeit verloren haben. Nun befinden wir uns wieder in wirtschaftlichen Turbulenzen, nur werden diese noch viel rauer und vernichtender als wir uns das in der Masse im Moment vorstellen können und noch viel weniger wahr haben wollen.

Die Summen mit den irrsinnig vielen Nullen, die in den letzten Jahren durch die Gazetten rauschen, sind für „normale“ Menschen nicht nachvollziehbar, viel zu abstrakt erscheinen „Rettungssummen“  und Schuldenstände. Schuldenstände,  die in %-Angaben zum „BIP“ gemessen werden und uns alle geradewegs in die vollständige Aufgabe jeglicher Freiheit führen werden.

Was ist das überhaupt, das „BIP“? Bei vielen Menschen stellt sich schon hier die völlige Ratlosigkeit ein. Die Frage nach der Relation zu den aufgehäuften Schulden führt dann zur endgültigen Kapitulation. Und hier schlägt die Stunde der Mächtigen, denn nichts ist verführerischer als Unwissenheit und Desinteresse der Betrogenen.

Seit Jahrhunderten haben Papiergeldversuche immer in totalem Chaos geendet; trotzdem setzt es sich durch, auch immer wieder.  Aber was hat eigentlich zum Siegeszug des Papiergeldes geführt, der jetzt einmal wieder sein bitteres Ende finden wird?

Vor einigen Jahrhunderten wurden Papierscheinchen nicht als Geld betrachtet, sondern lediglich als praktikabler Ersatz und als Beleg für das hinterlegte Edelmetall, das auch als Waren-„Geld“ bezeichnet werden konnte. Warengeld deshalb, weil hinter dem im Eigentum stehenden Edelmetalls ein echter Wertschöpfungsprozess stand.

Durch den Wertschöpfungsprozess hatte man Edelmetalle „verdient“, die nun als Sparleistung bei einem als seriös geltenden „Wertaufbewahrer“  hinterlegt wurden.  Bei Bedarf wurde das Papierzertifikat gegen den hinterlegten echten Wert, wie z.B. Gold wieder eingetauscht. Papier-„Geld“war leichter und im täglichen Tauschprozess einfacher zu handhaben.  Dieses Papier-„Geld“ hatte Wert, da sich dahinter ein eben solcher tatsächlich verbarg. Dieser tatsächliche Wert wurde gegen eine Gebühr und die Ausgabe des Zertifikates entweder für eine bestimmte Zeit sicher aufbewahrt oder an andere Menschen für eine vereinbarte Zeit ebenfalls gegen eine Gebühr ausgeliehen.

Die Zettel selber waren vollkommen wertlos, stellten sie doch einfach nur eine Quittung für den Verblieb oder den Verleih dar.

Nun war leider diese im Prinzip gute Idee ein erster Schritt in unser heutiges Betrugssystem. Sobald nämlich diese bunten Scheinchen als Wert akzeptiert waren, eröffneten sich den Erfindern dieses für sie genialischen Systems ungeahnte Möglichkeiten.

Bankiers entdeckten schon sehr früh, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Man muss ihnen nur den Anschein von Glaubwürdigkeit und Ehrbarkeit so lange einreden, bis diese daran glauben. Das macht man am effektivsten, wenn man in arroganter Gutsherrenart sein Gegenüber von „oben herab“ behandelt und den Anschein erweckt, den Stein der Weisen in der Tasche zu haben. Unterstützend schmeißt man sich in einen edel wirkenden Zwirn und plappert dummes Zeug. Dieses dumme Zeug muss aber sehr klug klingen, was man dadurch erreicht, dass man für einfache Begriffe komplizierte Umschreibungen und Synonyme  kreiert, die dann in lässiger Art den einfachen Menschen präsentiert werden. Dazu noch ein bisschen geheimnisumwittertes Gehabe, ein überhebliches Auftreten und fertig ist die perfekte Lichtgestalt.

Als die Bankiers es spitz bekamen, wie einfach mit diesem simplen Rezept ein Haufen Gewinn zu machen ist, war der Zauberei vom Schaffen des Geldes aus dem Nichts Tür und Tor geöffnet. Durch die Ausgabe des Vielfachen an Papierzettelchen, die nicht durch die gelagerten Werte in den Tresoren gedeckt waren, gelang es den selbsternannten Königen des Geldes aus einer grundsätzlich zu Beginn guten Idee, ein ausgeklügeltes Schneeballsystem aufzubauen.

Nun war es aber leider so, dass auch normale Menschen des Denkens mächtig waren und die Gefahr bestand, dass der Schwindel auffliegen würde. Die Reich-Mach-Maschinerie, die sich aus diesem System entwickeln konnte, wenn man noch ein paar hübsche Zutaten beimischen würde (auf die wir noch zu sprechen kommen), würde in sich zusammenbrechen. Die Menschen würden sich von diesem System abwenden und einem anderen, einem Besseren, zuwenden –  so wie es in einer wirklich freien Marktwirtschaft üblich und richtig ist.

Freie Marktwirtschaft war aber schon früher für gewisse Gruppen von Nachteil. Also entschloss man sich, die freie Marktwirtschaft in diesem Bereich abzuschaffen. Freie Marktwirtschaft schmeckt meist denen nicht, die sich lieber durch einmal erworbene Privilegien und den erreichten Besitzstand als durch innovative Ideen und Kreativität am Markt behaupten wollen.

Um also die Abkehr von der Marktwirtschaft realisieren zu können, holte man sich den Staat ins Boot. Der Staat war deshalb so überaus hilfreich, weil er sich durch das ihm inne wohnende Monopol der Gesetzgebung der Möglichkeit bedienen konnte, disziplinierende und den Bankiers nachteilige Aspekte entsprechend auszuhebeln. Die Bankiers könnten von ihrer Edelmetall-Einlösepflicht befreit werden und somit der unschönen Einsicht entgehen, dass sie eigentlich permanent pleite sind. Die Herstellung und Ausgabe von ungedecktem Papiergeld machte den Anschein, sich Dinge leisten zu können, die bei einer echten Wertdeckung niemals möglich gewesen wären. Und von dieser Möglichkeit machte der Staat reichlich Gebrauch, indem er den Banken Anleihen verkaufte und sich somit scheinreich verschuldete. Eine “Amour fou” der ganz feinen Sorte.

Um den Anschein von Legalität im Bankengewerbe zu erwecken, wurde zunächst in England die erste sogenannte Zentralbank, die Bank of England, gegründet, die die normalen Banken vordergründig zu einem „seriösen“  Vorgehen anhalten sollte, in erster Linie aber nötig war, um dem klammen England aus der Patsche zu helfen. Zahllose Kriege, die nur durch die Ausgabe von wertlosem Papiergeld geführt werden konnten, forderten ihren Tribut.

Die Zentralbank gab unter Zustimmung der Regierung eigene Zertifikate als Geld heraus und untersagte ab 1833 allen anderen Banken die eigenen zu verwenden. Das war ein genialer Schachzug –  aufgrund der historischen Edelmetalldeckung, die den Menschen den Eindruck vermittelt hatte, das Papier sei jederzeit in Gold oder Silber umzutauschen, kam gar nicht erst der Verdacht auf, hier könnte etwas nicht mit rechten Dingen zugehen.

Die enge Verbindung zwischen Regierung und dem Bankwesen wurde zementiert und mit ihr der regelmäßig wiederkehrende Niedergang der Zahlungsfähigkeit von Millionen von Menschen. Der Mechanismus breitete sich in der Folgezeit immer weiter aus, immer zum Vorteil von Banken, Staaten und Konzernen und immer zum Nachteil der ahnungslosen Masse der Menschen.

In den kommenden Tagen werden vier an diesen Artikel anschließende Beiträge Beelzebubs Triumph, die Entwicklung zum staatlichen Geldmonopol weiterverfolgen:

II.               Von der „Bank of England“ zum Zentralbankwesen

III.             Gute Zinsen, schlechte Zinsen

IV.             Alle lieben „Funny Money“

V.               Wenn Schulden die Freiheit kosten

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