17. April 2013

Alternative für Deutschland Herz aus Gold oder Papiertiger?

Einige Überlegungen zur neuen „Anti-Euro“-Partei

Die Alternative für Deutschland – authentische Partei oder Kunstprodukt? Echter Widerstand oder nur Scheinopposition, die den wachsenden Unmut der sich angesichts des Ordo ab Währungschao-Plandebakels zunehmend fester am Hinterkopf kratzenden Zivilgesellschaft kanalisieren und letztendlich doch wieder in Muttis Pudding zurückrühren soll?

In den letzten paar Tagen wurde immer wieder die Frage nach den wahren Hintergründen und politischen Motiven der AfD gestellt; darunter befanden sich auch einige recht wilde Spekulationen über eine mögliche politische Steuerung der Partei, über angebliche Widersprüche in den öffentlichen Äußerungen ihres Führungspersonals bis hin zu Vermutungen, es handele sich um eine reine Ventilpartei, die Druck aus dem Kessel einer möglichen politischen Radikalisierung der Bürger nehmen und in die Segel eines vermeintlichen Piratenschiffes leiten soll, das im Erfolgsfall – sobald in Amt und Würden – dann doch den Hafen konventioneller Politik anlaufen wird. Das sei ja nur eine CDU light, unkten manche Kommentatoren.

Nun behauptete der britische „Telegraph“ auch noch, Repräsentanten der Tories, der konservativen Partei unter Führung David Camerons (Tony Blair 2.0, braver Fußsoldat und Apportierdackel der City of London)  hätten sich bereits vor Gründung der AfD mit einigen ihrer Vertreter im Geheimen getroffen. Entsprechende Theorien dürften schon sehr bald ins Kraut schießen. Wobei gerade bei solchen Meldungen und besonders im Zusammenhang mit „Anti-Euro“-Parteien zuallererst die Frage nach ihrem Wahrheitsgehalt zu stellen wäre. Denn es ist alles andere als unwahrscheinlich, dass solche Informationen (man erinnere sich an die vor kurzem gegen Nigel Farage von der UKIP nach ähnlichem Strickmuster erhobenen Vorwürfe) gezielt lanciert werden, um die Partei zu diskreditieren. Zweite Möglichkeit: Es ist tatsächlich etwas dran. Dann aber könnte man nur spekulieren, ob ...

Stopp. Sind solche Fragen nicht müßig? Sind sie. Aus vier Gründen.

Grund eins:

Ganz gleich, welche neuen oder alten Machtverhältnisse die Bundestagswahl auch immer hervorbringen, wie hoch das Ergebnis der AfD nun genau ausfallen oder ob sie es bis zur Regierungsbeteiligung schaffen wird: Der Euro zerfällt sowieso. Das „ob“ ist schon lange kein Thema mehr, sondern nur noch die Stärke der Schmerzen. Hätte ich diesen Satz in einer der üblichen Talkshows vor aktueller Kamera gesagt, wäre mir freilich sofort ein Systemling ins Wort gefallen, um mir vorzuwerfen, solche Äußerungen seien ja ungeheuerlich und „unverantwortlich“. Das Gegenteil ist der Fall: Nicht diejenigen, die seit langer Zeit und trotz allen Gekläffs, Geheuls und Geschmieres der Gekauften und Gehirn-Antimaterieträger tapfer vor diesem Debakel zu warnen versuchen, handeln unverantwortlich, sondern diejenigen, die ihren Wählern immer noch Feenstaub in die Augen blasen. Angesichts der – milde formuliert – turbulenten Entwicklungen alleine in der letzten Woche sollte mittlerweile doch sogar ein unter dem Bundestag unbekümmert daherwühlender Maulwurf verlässliche Prognosen abgeben können und höchstens kichern, wenn man ihm eine durchschnittliche deutsche Durchhaltezeitung vors Schnäuzchen hält. Man muss schon mit einer außergewöhnlichen, medizinisch bisher gänzlich unerforschten Form von Blindheit geschlagen sein, um selbst jetzt noch immer nicht zu erkennen, was läuft.

Natürlich verpasst man den Leuten Verbalmassagen, damit der Fernsehsessel schön im Wohnzimmer bleibt und nicht als leicht entzündliches Barrikadenmaterial auf der Straße landet: Alles kein Problem, wir werden uns auch weiterhin redlich darum bemühen, dass eure Einlagen nicht angetastet werden, nein nein, es wird nur die Reichen und Vermögenden treffen, alles ab 100.000 Euro aufwärts (das sollen schon „Reiche“ sein?) wird konfisziert und dem humanitären  Hilfswerk Aktion Supranationale Sorgenbank-Souveränität überwiesen. Schon klar. Würde man reinen Wein ausschenken, flöge nach griechischem Vorbild wohl schnell Zahnersatz aus Pflasterstein durchs Fenster. Merkel weiß das natürlich. Schäuble auch. Das restliche politische Playmobilpersonal der EU ebenso. Die Führungsriege in Brüssel erst recht. Deshalb auch die jüngst wieder ins „Gespräch“ gebrachten Forderungen nach einer strengeren Kontrolle der Presse (noch strenger?) , einer, Zitat,  „EU-weiten Koordination des Journalismus“. Ich werde den Eindruck nicht los, dass irgendjemand von einer lauschigen Estancia in Argentinien aus den Brüsselanten per Skype mit Tricks und Tipps unter die Krakenarme greift.

Die AfD kommt also gewissermaßen zu spät, was nicht fatalistisch gemeint ist. Es heißt realistischerweise nur, dass es aus dieser Situation keinen bonbonbunten Ausweg mehr geben, der Euro in seiner jetzigen Form sich nicht halten lassen wird. Es sei denn, man wandelt die EU (wie ohnehin geplant) endgültig in eine stramme Diktatur um. Entsprechende Mechanismen werden ja schon eifrigst angewendet oder ausgearbeitet: „Beteiligungen“ (sprich: Enteignungen, an Asozialität und Schwerstkriminalität nicht mehr zu überbietender Massendiebstahl), vermehrte Anstrengungen zur Pressegleichschaltung. Kapitalverkehrskontrollen, gnadenloses Stopfen von Steuerschlupflöchern (die werden in Zukunft nur noch Spitzenfunktionären mit Beraterposten bei Großkonzernen zur Verfügung stehen, ätsch). Daneben Manipulationen des Goldpreises durch die üblichen Verdächtigen wie Goldman Sucks und andere (sprich: die europäisch-angloamerikanischen, dynastisch-dynamischen Finanzkönigshäuser), damit die Massen schön im Papierpfuhl bleiben. Mal wieder ein bisschen Terror zum Einschüchtern der Bevölkerung (Bombenanschläge, buchstäblich giftige Briefe an Politiker et cetera), wie derzeit beim Boston-Marathon in den USUBS (United States of Unlawful Banking Schemes) und demnächst vielleicht ja auch in einem Auto in Ihrer Nähe. Für den Berlin-Marathon (wie rettungsdoppeldeutig) wurden bereits verschärfte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Nur zur Sicherheit, falls es wegen finanzhäuslicher Kurzurlaube zu kleineren Kabbeleien kommt, die professioneller staatlicher Eindämmung bedürfen. Ist ja nur eine Übung. Nicht zu vergessen die in solchen Krisen unvermeidlichen militärischen Spasmen aller Art: Atomschlagsdrohungen (die im Todesstern sehr ernst genommen werden, weil gerade das Imperium abschmiert), Einsatz chemischer Waffen (aus wessen Herstellung auch immer) in Syrien und und und, das alles zu einem höchst opportunen Zeitpunkt. Was nicht nur Bände spricht, sondern den gesamten Bücherbestand der Bibliothek von Alexandria aussehen ließe wie ein bescheidenes Haiku.

Die Hütte brennt also eh schon lichterloh. Der AfD käme selbst im Erfolgsfalle der von ihr angestrebten Entmachtung des Mädchenkohls die unangenehme Aufgabe zu, eigentlich „nur“ noch beim Dosieren und Verabreichen der Schmerzmittel helfen zu können. Jegliches Aua verhindern können sie nicht. Wer darauf hofft, wer der AfD deshalb seine Stimme gibt, wende sich bitte vertrauensvoll an den Maulwurf.

Grund zwei:  

Bei allem Respekt vor der immensen Arbeit, die in einer Parteigründung steckt, vor vielen ihrer sehr honorigen Unterstützer und obwohl ich viele ihrer politischen Programmpunkte sehr symphatisch finde und sicher unterschreiben würde, ist sie für mich dennoch eine „Ventilpartei“. Nicht etwa, weil ich irgendeine Strippenzieherei hinter ihr vermute. Sondern weil mir vor allem eines fehlt: eine glaubwürdige, langfristige Strategie zum Thema Geldsystem. Man möchte den Euro für Deutschland nicht mehr, aber an den bestehenden Strukturen insgesamt – sofern ich das Parteiprogramm und die bisher gegebenen Interviews richtig verstanden habe – im Großen und Ganzen nicht viel ändern. Das liefe darauf hinaus, zwar noch schnell von der auf Treibsand (inflationäres Falschgeldsystem) gebauten Sandburg (Euro) abzuspringen, den Treibsand aber vorerst wohl nicht durch solides Erdreich ersetzen zu wollen. Das ergibt für mich keinen Sinn. Die Auflösung des Euro als Einheitswährung alleine genügt nicht; es wäre nur eine Teillösung, die das Hauptproblem unangetastet ließe. Ein Ventil für den Teekessel Euro, während der monströse Ofen darunter kräftig weiterheizt, wird den Temperaturanstieg nicht drosseln und die fundamentalsystemische Brandgefahr, die immer wieder zu denselben Großfeuern führen wird, nicht mindern.

Grund drei:

Vor allem aber werden solche endlosen Spekulationen über mögliche ominöse Hintergründe politischer Phänomene, neugegründeter Parteien oder populärer Widerständler deshalb irgendwann schal, weil jeder, der dauerhaft so denken möchte, sich eigentlich auch gleich einweisen lassen kann. Der dritte Grund lautet also: geistige Gesundheit. Ansonsten: Endstation, geschlossene Abteilung für extreme Paranoiker, alles aussteigen und ab in die Zwangsjacke. Wer so durch‘s Leben geht, darf im Prinzip niemandem, wirklich niemandem mehr vertrauen. Schließlich könnte jeder ein „Doppelagent“ sein. Sowas nennt man Wahnvorstellungen – oder Überkonsum der „Matrix“-Trilogie. Nimmt sowas Überhand, was derzeit in den alternativen Medien leider der Fall zu sein scheint, wird es kontraproduktiv.

Zwar gab und gibt es zweifellos Plastikparteien und -organisationen – siehe die von Geheimdienstlern gegründete und von Verfassungsschützern geführte NPD  oder die ebenfalls gesteuerte NSU –, bezahlte Agitatoren und Propagandisten in Politik und Presse (heute leider mehr denn je), natürlich gibt (und gab) es immer Versuche der jeweils Herrschenden, die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu lenken – nix Neues. An nachvollziehbarer Aufklärungsarbeit darüber ist ja nichts auszusetzen. Wildwuchernde Vorwürfe auf Basis von Gerüchten, Gemunkel, Geflüster und Waswisster aber führen nur zu einem Klima der allgegenseitigen Verdächtigungen und Unterstellungen. Das ist nicht nur albern und völlig fruchtlos, sondern auch gefährlich.

Grund vier:

Im Sinne individueller politischer Handlungsfähigkeit psychologisch noch schwerwiegender: Meiner Meinung nach verbirgt sich hinter dem Wunsch nach der absolut untadeligen, unkompromittierbaren Partei nichts anderes als die Sehnsucht nach dem unbefleckten Erlöser, dem blitzsauberen Messias, der das Volk aus dem Tal der Tränen führt. Der ist jetzt aber wirklich absolut echt, der ist stubenrein, dem kann man 100-prozentig vertrauen, jetzt wird alles anders, jetzt wird alles besser. Hope & Change! Man muß nur artig für seine Niederkunft beten und in quasireligiöse Hysterie verfallen, sobald er die Bühne betritt und helle Wortglöckchen klingeln lässt. Es ist erschreckend, wie leicht sich solche naiven Sehnsüchte nach wie vor gezielt manipulieren und rücksichtslos ausnutzen lassen, wie einfach man immer noch mit menschlichen Emotionen spielen kann. Falls irgendjemand glaubt, dergleichen wäre nur in den USUBS möglich: Der Maulwurf entwickelt Geschäftssinn und nimmt jetzt 99 Euro pro Beratergespräch.

Die Projektion solcher Sehnsüchte nach Katharsis – zieht uns doch bitte endlich aus diesem Schlamassel! – auf politische Galionsfiguren und Idole, seien sie nun echt oder falsch, wird langfristig wohl immer in Fatalismus und Gleichgültigkeit enden, im „Wählerverdruss“. Überlebensgroße Hoffnungen in welche Partei auch immer zu setzen (Hoffnungen, die bekanntlich sehr schnell in bittere Enttäuschung umschlagen können), genügt nicht. Das Parteiensystem wird niemals ein universelles Problemlösungsmittel sein. Das mag banal klingen, ist aber gerade im staatstreuen Deutschland leider immer noch keine selbstverständliche Erkenntnis. Bevor es zu Missverständnissen kommt: Ich bezog mich damit natürlich nicht auf die AfD, sondern auf eine weit verbreitete Einstellung der Wählerschaft.

Und jetzt komme ich mal mit einer richtig verschwörungspsychotisch-krudekranken These: Könnte es sein, dass das endlose massenlobotomediale Gequatsche über Ja und Nein, Pro und Contra, Kann er‘s oder kann er‘s nicht, möglicherweise auch nur ein weiteres ausgeklügeltes Herrschaftsinstrument ist? Damit die auf diese Art geistig Unterworfenen, Verwirrten und Getriebenen möglichst nicht auf die Idee kommen, sich von diesem Denken abzukoppeln und vielleicht auch mal an ihr eigenes Potential zu glauben, sondern stets Parteien und Politikern mehr zutrauen als sich selbst?

Deshalb ist die Frage, ob die AfD nun eine echte Alternative darstellt, insofern unerheblich, als sie selbst bei den allerbesten und lautersten Absichten das Tohuwabohu alleine sowieso nicht wird aufdröseln können. Dazu gehört mehr, als am Wahltag sein Kreuzchen zu machen und sich danach wieder zurückzulehnen.


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