22. Mai 2013

Der „Fall Umweltbundesamt“ Spieglein, Spieglein

Kotztütenindustrie meldet dramatische Engpässe bei Nachschublieferungen

Kaum landet ein Skandal auf dem Teller, wird auch schon der nächste serviert. Regt man sich derzeit noch (und prinzipiell auch zu Recht) über das Fehlverhalten des Umweltbundesamtes auf, Journalisten, die vor der Theorie vom anthropogenen Klimawandel nicht strammstehen wollen, an den Pranger zu stellen, bahnt sich schon der nächste Eklat an.

Denn als Folge der Amtsanmaßung rückt nun wieder in den Fokus, dass beträchtliche Teile des deutschen Mainstreamjournalismus sich schon seit Jahren die absolute Deutungshoheit über viele bedeutsame Ereignisse der Zeitgeschichte anmaßen und jeden an den Pranger stellen, der ihre göttliche Allwissenheit nicht als schicksalsgegeben akzeptiert. Kein Wunder, dass Ratzinger zurücktrat. Er wurde nicht mehr gebraucht. Die Zahl der Stellvertreter des Herrn auf Erden ist mittlerweile so groß, dass dem Papsttum das Alleinstellungsmerkmal flöten ging.

Doch zunächst mal eine kleine, aber wichtige Unterscheidung: Diejenigen aufrechten Journalisten, die trotz aller Widerstände, Anfeindungen und Diffamierungen auch unbequeme Wahrheiten aussprechen und ihre Berufsethik nicht aufgeben wollen, haben meine ganze Sympathie. Hört bitte nicht auf, gegen die universell gewordene (Selbst-) Täuschung und die Lügen unserer Zeit zu kämpfen.

Diejenigen aber, die jetzt öffentlichkeitswirksam Tränchen verdrücken und sich als Opfer stilisieren, nur weil das Umweltbundesamt ihnen die Methoden streitig macht; die sich jetzt beschweren über den Pranger der Konkurrenz, mit der sie übrigens ganz prächtig kooperieren, sollte das Thema es „verlangen“, für die habe ich kein Quentchen Verständnis übrig.

Da ich keine große Lust mehr verspüre, kostbare Lebenszeit und Energie an dieses leidige Thema und diese ganze verlogene Diskussion zu verschwenden, hier noch einmal in Kurzform etwas zum Fehlverhalten gewisser großer Verlagshäuser unserer Qualitätsminderungspresse, die alle, die den von ihnen veröffentlichten Darstellungen widersprechen, mit Methoden, die denjenigen des Bundesamtes für Umwelt nicht ganz unähnlich sind, selber sehr gerne an den Pranger stellen.

Also nochmal zur Erinnerung im Schnelldurchlauf: Die Berichterstattung zu beiden Irakkriegen: verlogen; zum Afghanistankrieg: verlogen; zum Libyenkrieg: verlogen; zum Syrienkonflikt: nicht mehr nur verlogen, sondern schon die Grenze zu übelster Stimmungsmache und Kriegstreiberei überschreitend; zu Mali: verlogen; zum „NSU-Terror“: verlogen; zu sogenanntem Steuerhinterzug: verlogen; zur Kreditbetrugs- oder Ponzikrise: verlogen. Nun gut, bei letzterer vielleicht nicht immer verlogen, sondern inkompetent. Man verschweigt Lesern regelmäßig relevante Zusatzinformationen; man tarnt gefälschte Bilder und Filmchen sowie andere Propagandamittel als „technische Pannen“; man hetzt gegen Andersdenkende, hält TV-Standgerichte ab oder lädt Querdenker gar nicht erst ein beziehungsweise schnell wieder aus. Ich spare mir weitere Aufzählungen dieser Art, da das ganze bigotte Schauspiel mich nur noch ankotzt.

Journalisten, die anderer Meinung sind, sich an diesem ihres Berufsstandes unwürdigen Verhalten nicht beteiligen möchten und sich dazu entscheiden, die verschwiegenen beziehungsweise unterdrückten Informationen der Öffentlichkeit doch zugänglich zu machen oder sich um alternative, ausgewogenere und differenziertere Darstellungen bemühen, werden an den Pranger gestellt und sofort als „krude Verschwörungstheoretiker“ diffamiert; sie landen womöglich auf einer Schwarzen Liste; sie gelten fürderhin als „schwierig“ oder „umstritten“ und verlieren schlimmstenfalls sogar ihren Job, man bringt sie also um ihre Existenzgrundlage. Wer Euro-kritisch gesinnt ist, wird umgehend als „Europa-Skeptiker“ verleumdet, also vom Gegner einer Einheitswährung gleich zum Kontinentalfeind Nummer eins erklärt und von dazu speziell abgerichteten geistigen Zwergpinschern als „Rechtspopulist“ dauerbekläfft, was mittlerweile ja eigentlich nur noch niedlich ist; man möchte diesen goldigen, robotischen Vierbeinern für jedes „Populist!“ eine Handvoll Hundekekse hinwerfen.

Wie war das noch mit dem Glashaus und den Steinen? Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Spätestens, wenn es den nächsten Abweichler auf Linie zu bringen, aus dem Amt oder dem Beruf zu schreiben gilt, rudert Ihr doch eh wieder auf derselben Galeere.


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