06. Juni 2013

Veranstaltungsbericht 9. Internationale Gottfried-von-Haberler-Konferenz, Teil 3

Vorträge von Prof. Enrique Ghersi und Herman Mashaba

Enrique Ghersi: Im Schatten des Gesetzes: Unternehmer in Armut (In the Shadow of the Law: Entrepreneurs in Poverty)

Enrique Ghersi, Professor an der Universität Lima, zeichnete Perus Weg der letzten Jahrzehnte nach. Unter der ersten Präsidentschaft von Alan García, eines linken Politikers, verfiel Peru durch Hyperinflation et cetera zusehends. Die Nachfolger Garcías rissen das Ruder komplett herum und gingen den Weg der Reformen – den Weg der freien Marktwirtschaft.

Die Daten, die Enrique Ghersi vorstellte, sind beeindruckend: Freihandelsabkommen mit allen wichtigen Staaten rund um den Globus; Öffnung des Landes für ausländische Direktinvestitionen, die dann auch sprunghaft zunahmen; Schulden wurden zurückgezahlt und Währungsreserven gebildet;Perus Währung ist nun eine stabile Währung und die Stabilität wird verteidigt; und so weiter.

Der Weg der freien Marktwirtschaft vervierfachte das BIP pro Kopf der Bevölkerung in nur zwölf Jahren. Eine Vervierfachung, die laut Analysen der Weltbank auch den armen Schichten Perus zugutekommt, denn ein Viertel der Bevölkerung wurde aus erdrückender Armut befreit. Perus Wirtschaft ist nun so stabil, dass sie auch die Weltfinanzkrise verkraftete und weiter ein stabiles Wachstum offenlegte.

Enrique Ghersi stellte auch klar, dass Politiker anscheinend doch lernfähig sind. Alan García, der Peru beinahe in den Untergang getrieben hatte, wurde 2006 zwar wieder Präsident, doch er änderte den marktwirtschaftlichen Reformkurs seiner Vorgänger nicht, auch Garcías Wirtschaftspolitik war nun die der Marktwirtschaft.

In der Diskussion zum Vortrag betonte Enrique Ghersi nochmals die Wichtigkeit von Eigentumsrechten, freier Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit für die Entstehung eines Mittelstandes, der weiter hilft, die Armut zu überwinden.

Herman Mashaba: Von bescheidenen Anfängen zum unternehmerischen Erfolg (From Humble Beginnings to Entrepreneurial Success)

Herman Mashaba aus Südafrika, aufgewachsen  in den schwarzen Townships, schilderte seinen Weg zu einem erfolgreichen Unternehmer, der heute durch vielfältige Aktivitäten den Nachwuchs fördert und auch dafür streitet, dass Südafrika den Weg der Marktwirtschaft geht, weil dieser Weg zu mehr Wohlfahrt für alle – auch der Armen – führt.

Herman Mashabas Weg ist im Rückblick die Erfolgsstory eines Mannes, der zur Zeit der Apartheid trotz aller Schwierigkeiten begann, seine Unternehmung aufzubauen und sich nun im heutigen Südafrika mit den Widrigkeiten der schwarzen Regierung zu behaupten hat.

Herman Mashabas Ausführungen zeigen ihn als das, was einen Unternehmer ausmacht. Ein Unternehmer tritt an, um durch die Bereitstellung von Waren und/oder Dienstleistungen die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen – ein Unternehmer ist also der Dienstleister der Verbraucher. Nur wenn ein Unternehmer dies gut kann, verdient er das Einkommen, welches er benötigt, um seine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Außerdem, wenn der Unternehmer seine Aufgabe erfüllt und Regierungen und Behörden den Unternehmer auch lassen, haben wir den schönen Nebeneffekt des Entstehens von Arbeitsplätzen – aber nur dann!

Ein erfolgreicher Unternehmer schafft also nicht nur für sich mehr an Wohlfahrt, sondern auch für andere Menschen. Während Regierungen und Behörden solchen wohlstandsschaffenden Unternehmern wie Herman Mashaba vielfach Hindernisse in den Weg legen.

Podiumsdiskussion: Zur Politik der Umverteilung

Die abschließende Podiumsdiskussion leitete Barbara Dluhosch, Professorin für Internationale Wirtschaftspolitik an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg,  die anderen Teilnehmer waren Prinz Michael von Liechtenstein, Erich Weede, Michael Wohlgemuth, Richard Sulík, Theo Müller und Peter Fischer von der „NZZ“.

Erich Weede, Richard Sulík und Michael Wohlgemuth sehen im überbordenden Wohlfahrtsstaat vielfältige Gefahren lauern; mit dem inhaltsleeren Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“ würden Politiker immer mehr Menschen ködern, dadurch vom Sozialstaat abhängig machen und dazu bringen, immer mehr Leistungen vom Sozialstaat zu fordern. Neid bei potentiellen Wählern zu wecken ist dabei ein Instrument der Politik, dabei ist der Neid bei vielen Menschen eine nicht zu unterschätzende Triebfeder.

Theo Müller hob hervor, dass in den letzten 100 Jahren in Europa die einstige Unterschicht deutlich aufgeholt habe; die Abstände in Sachen Lebensqualität zwischen den Reichen und den Arbeitstätigen sind nicht mehr so gewaltig wie um 1900.

Peter Fischer hob hervor, dass der moderne Wohlfahrtsstaat sowieso ein Wohlstandsphänomen ist.

Die Schlussworte kamen von Prinz Michael, der klarstellte, dass die staatliche Umverteilungspolitik Ungleichheiten beseitigen möchte, also eigentlich Gleichmacherei ist. Die Kunst sei es jedoch, mit Ungleichheit umzugehen, weil diese nicht die Armut schafft. Und die Armut müsse bekämpft werden, wobei private Initiative und einfallsreiches Unternehmertum hier mehr leisten können als der Staat.

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