01. Juli 2013

Bitcoin Als vertrauenswürdiges Geld geschätzt

Eine staatenlose Internet-Währung macht Karriere

Bis vor kurzem kannten nur Eingeweihte die Internet-Währung Bitcoin (BTC); nicht zuletzt weil schwer zu verstehen ist, wie dieses Geld überhaupt entsteht. Misstrauen erweckte vor allem die Grundlage dieser ominösen Währung: Kein Gold, keine Immobilien oder Rohstoffe, keine Einlagensicherung durch bestehen stabile Währungsbündel oder sonstige realen Wertobjekte, sondern ein kompliziertes Rechenverfahren, das auf den im Internet vernetzten Computern der Bitcoin-Erwerber abläuft.

Die verrückt anmutende Idee eines geheimnisvollen japanischen Softwarespezialisten (möglichweise auch einer Gruppe) mit dem Fantasienamen Satoshi Nakamoto basiert auf der vernünftigen Einsicht: „Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, daß sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen.“ Der Euro und die europäische Zentralbank sind die aktuellen Beispiele für einen solchen Verrat.

Die Bitcoin-Währung bietet zunächst eine Vertrauensbasis durch die begrenzte Ausgabe von Währungseinheiten. Aufgrund des mathematischen Berechnungs- und Ausgabeverfahrens ist die Gesamtzahl an Bitcoins auf 21 Millionen Einheiten beschränkt. Diese Zahl wird schrittweise bis zum Jahr 2033 erreicht. Danach ist die Ausgabe von Währungseinheiten beendet. Um der steigenden Kaufkraft eines BTC aufgrund der limitierten Ausgabe und des zunehmenden Vertrauens Rechnung zu tragen, ist die Verwendung von Bruchteilen eines BTC möglich. Einen BTC kann in 100 Millionen Einheiten unterteilt werden. Dadurch lassen sich im Endstadium insgesamt 2.100 Billionen BTC-Kleinsteinheiten verwenden.

Erzeugt werden die BTC durch ein sogenanntes „Mining“-System. Der Schürfer meldet seinen Computer beim Berechnungssystem der neuen BTC-Einheiten an und erhält analog zur Rechenleistung die Chance, einen kleinen Betrag an BTC-Einheiten zugeteilt zu bekommen. Im Laufe der Zeit wird der Rechenaufwand immer größer. Nur leistungsstarke Rechner haben daher realistische Chancen, in den nächsten Jahren neue Bitcoins zu erwerben. Für die überwiegende Anzahl der BTC-Nutzer ist jedoch der Erwerb von Bitcoins interessanter, die sich bereits im Umlauf befinden. Diese können durch Ankauf mit den offiziellen Währungen bezahlt oder durch Handel gegen Waren und Dienstleistungen erworben werden.

Das zweite Standbein des Vertrauens in die Bitcoin-Währung basiert auf der sicheren Übertragung von BTC-Beträgen zwischen den Konten der Eigentümer. Diese Transaktionen erfordern ein spezielles Verschlüsselungssystem, deren Schlüssel nur zwischen den beiden Transakteuren bekannt ist. Dabei wird jede Transaktion auf allen beteiligten Rechnern protokolliert. Drittens können nur Bitcoins übertragen werden, die auch auf einem Konto verzeichnet sind; eine Kreditschöpfung ist nicht möglich. Jede Übertragung ist zudem endgültig und nicht reversibel.

Da die BTC frei in die meisten der existierenden Währungen getauscht werden können, eröffnet sich zwangsläufig die Möglichkeit der Kursspekulation. Bitcoins billig einkaufen und später zu einem höheren Kurs verkaufen, führt zu einem Gewinn in der entsprechenden Währung. In bestimmten Fällen ist es sogar gewinnbringend, BTC zu einem hohen Kurs einzukaufen und später zu einem geringeren zu verkaufen. Die Vorgänge anlässlich des Bankenschnitts in Zypern beweisen dies.

Im April stieg kurz vor der Beschlussfassung des Bankenschnitts in Zypern der BTC-Kurs innerhalb weniger Tage von 80 Euro pro BTC auf fast 200 Euro. Danach fiel er zurück auf 120 Euro. Für die zyprischen Großanleger mit einem hohen Geldvermögen war es sinnvoll, auch noch für 200 Euro pro BTC ihre gesamten Euro-Bankeinlagen über 100.000 Euro in diese Internetwährung umzutauschen. Sie hätten diese Beträge sonst vollständig verloren. So aber konnten sie 60 Prozent ihres Vermögens retten.

Ähnliche Aktionen nehmen zur Zeit spanische und griechische Geldvermögensbesitzer vor. Die Möglichkeit der spekulativen Verwendung des Bitcoin aufgrund der Währungsschwäche des Euro und der Gefährdung der Bankeneinlagen haben die Verwalter der Bitcoin-Konten dazu veranlasst, den Kauf und Verkauf von BTC gegen Fremdwährungen zu limitieren.

Zudem halten es Analysten für möglich, dass Zentralbanken durch Kursmanipulationen versuchen die Bitcoin-Währung in Verruf zu bringen, um ihr den Ruch eines Schneeballsystems anzuheften. Auch wenn es dafür keine expliziten Beweise gibt, die Existenz einer Währung, die sich jeglicher staatlichen Kontrolle entzieht, ist den Regierungen ein Dorn im Auge. Erste Versuche der US-Regierung, die Bitcoin-Währung unter ihre Kontrolle zu bringen oder ganz zu verbieten bestehen bereits. Das Internet bietet jedoch genügend Möglichkeiten, sich dem staatlichen Zugriff zu entziehen.

Natürlich lassen Bitcoins nicht nur für spekulative Zwecke, sondern zunehmend auch für normale Handelsgeschäfte verwenden. Während es anfangs nur eine New Yorker Pizzeria war, die zwei Pizzen für einen Gesamtbetrag von 10.000 Bitcoins verkaufte (die heute eine Million Euro wert sind), werden mittlerweile Autos und Häuser mit einem Bruchteil dieser Summe bezahlt.


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Autor

Bernd-Thomas Ramb

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