03. Juli 2013

Die NSA und der Gauckler Was erlaube Snowden?

Purer Verrat an Freiheit und Wahrheit

Dossierbild

Die Empörung Angela Hases über das Verhalten der NSA, deren Methoden eigentlich schon seit langer Zeit bekannt sind, ist in Teilen heuchlerisch. Kanzlerin Hase: Wieso werden wir ausspioniert? Das ist ja unerhört! Obi, darüber müssen wir mal reden! Da lachen ja sogar die Bachforellen. Als sei man über die Existenz dieser Programme gänzlich uninformiert gewesen, die schon seit Jahren in alternativen Medien rauf- und runterdiskutiert werden – inklusive Beweismaterial ehemaliger NSA-Mitarbeiter, die lange vor Snowden unter die Pfeifenbläser gingen. Als wären die Spionageeinrichtungen der Alliierten auf deutschem Boden ganz ohne Wissen der hiesigen Politik erbaut worden. Allerdings sollte man bei aller Kritik auch den Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ gelten lassen: Wie viel war wirklich über die Aktivitäten bekannt? Dass auch deutsche Dienste davon profitierten, das darf man wohl nicht nur vermuten, sondern davon muss man ausgehen. Die US-Geheimdienste werden sich aber sicher gehütet haben, alles detailliert offenzulegen. Schon aus Gründen der Wirtschaftsspionage, und erst recht heute – schließlich steht Bankerika derzeit nicht gerade als ökonomischer Musterknabe da, und das ist noch milde formuliert.

Völlig unverständlich aber müssen die jüngsten Äußerungen von Bundesunterschriftenleister Joachim Gauck anmuten. Er habe für „puren Verrat“ kein Verständnis, so der angebliche Freiheitsfreund, außerdem wüsste er gerne, welchen Rechtsbruch Snowden denn aufgedeckt habe – erst dann wüchsen seine Sympathien für solche Whisteblower. Da muss man sich schon stark zusammenreißen, nicht böse zu blinzeln. Mit Verlaub, Herr Präsident: Ich wiederum habe kein Verständnis dafür, dass einer der höchsten Beamten der Bundesrepublik seine Landsleute mittels einer allzu leichtfertigen und undurchdachten Unterschrift unter ein Plünderungsgesetz an eine international agierende Finanzmafia und politische Größenwahnsinnige verrät. Sonderlich christlich und freiheitsfreundlich ist das definitiv nicht. Sie wollen wissen, welchen Rechtsbruch Edward Snowden beging? Gar keinen. Er konnte es höchstwahrscheinlich nur nicht mehr länger mit seinem Gewissen vereinbaren, taten- und widerstandslos dabei zuzusehen, wie US-Steuerzahler jedes Jahr 80 Milliarden Dollar für „Sicherheitsmaßnahmen“ aufbringen, die auch gegen sie selbst eingesetzt wurden und werden – ohne dass man sie jemals um ihre Zustimmung gebeten hätte. Umso mehr wundere ich mich darüber vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die gerade Sie in der DDR machen mussten.

Vielleicht war es auch nicht nur der NSA-Skandal im globalen Abhörbezirk, der Snowden Sorgen machte. Ich kann ja nicht in seinen Kopf schauen. Möglicherweise war es die Gesamtsituation (PRISM und Tempora sind ja nur Teile davon), die ihm Kopfschmerzen bereiteten. Gestatten Sie mir bitte, diese Situation für Sie einmal zusammenzufassen.

US-Präsident Obadbank, dessen Wahlkampf zu großen Teilen von einem karitativen Dienstleister namens „Goldman Sachs“ finanziert wurde, unterscheidet wöchentlich anhand einer „Kill List“ zwischen wertem und unwertem Leben. Lassen Sie sich bitte nicht von den Leithammelartikeln der hiesigen Presstituierten täuschen, die davon träumen, es ginge dabei doch nur um Schutz vor Terrorismus, und deren Verfasser, da bin ich leider zuversichtlich, sich von ihren Enkeln unangenehme Fragen werden stellen lassen müssen wie zum Beispiel: „Opi, warum hast du nichts dagegen gemacht?“ Auch US-Staatsbürger dürfen mittlerweile ohne jedes rechtsstaatliche Verfahren im Ausland (manche behaupten, sogar im Inland) von umherfliegenden Drohnen gestochen werden. Über ganz Bankerika verteilt wurden Massenspielplätze errichtet, sogenannte „FEMA-Camps“, auf denen sich Abweichler und Rebellen im Falle des Falles auf Wasserrutschen, Golf- und Tennisplätzen, Karussells und Achterbahnen nach Herzenslust amüsieren können.

Sie werden jetzt sicher sagen, das sei doch eine Welcheinunfugtheorie. Ist es aber nicht. Diese Lager zur Konzentration gedanklich unkonzentrierter Staatskritiker und anderer psychisch debiler Häretiker, die den staatlichen Anspruch, Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein, anzweifeln, gibt es tatsächlich. Das DHS (Department of Homeland Security) erwarb knapp zwei Milliarden Schuss Munition, um des Problems sich unkontrolliert vermehrender Eichhörnchenpopulationen in Waldgebieten Herr werden zu können. Außerdem Tausende gepanzerter Fahrzeuge, um alte Damen sicher durch bald brodelnde Stadtviertel kutschieren zu können. Die Bürgerrechte fallen nach und nach Haircuts zum Opfer. Obama bin Wall Street führt Kriege unter falscher Flagge und unterstützt jetzt ganz offen die munteren Recken der al-Qaida, die doch angeblich 3.000 Amerikaner gemeuchelt haben sollen. Das muss man wiederholen: Der amerikanische Präsident unterstützt Terroristen, die gestern noch Staatsfeind Nummer eins waren. Sitzt aber immer noch nicht im Gefängnis. Warum?

Laufbursche Ben Bernanke kündigt derweil an, die „Stimulus“-Programme, auch „Quantitative Easing“ genannt, könnten bald ein Ende haben. Hier müssen wir zunächst das Neusprech dechiffrieren: „Stimulus“ heißt im Klartext „Pressluftkartuschen“. Ben Nadanke pumpte – und zwar monatlich! – sagenhafte 85 Milliarden (das sind 85.000 Millionen) Kollerdollar ins System, um das Wunderland des geldpolitischen Zauberers von Oz vor dem Absaufen in der Weltleitgärung zu bewahren. Ohne diese Maßnahmen wären die USA, die just in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen ihrer Fremdbeherrschung und ‑bestimmung feiern können und die sich in den letzten Jahren nicht umsonst mehrfach nur um Schamhaaresbreite am Staatsbankrott vorbeimogeln konnten, längst zahlungsunfähig. Sie könnten ihren Schuldendienst nicht mehr leisten; im Falle beispielsweise einer Erhöhung des Leitzinses auch nur um eine Handvoll Punkte würde der Dollar mit ziemlicher Sicherheit implodieren, die US-Wirtschaft kollabieren und somit große Teile der Weltwirtschaft abschmieren. Warum Ben Kopfschranke, der in Anhörungen regelmäßig so unsicher und nervös wirkt, als hätte er eine unsichtbare Pistole an der Schläfe, immer noch der Status eines „Machers“ bescheinigt wird, der die Zügel fest im Griff hält, erschließt sich aufmerksamen Beobachtern nicht. Dass er irgendwann den Fuß vom Blasebalg nehmen muss, mit dem er kräftig volkswirtschaftliches Cyangas ausbläst, ist unvermeidlich. Auch in die schönste Lügenwelt sickert irgendwann Wahrheit.

Allzu neugierige Journalisten werden bedroht, manchmal sogar ihre Familien, als potentielle Terroristen (!) eingestuft und beschnüffelt oder, wie im Falle Michael Hastings, sogar ermordet. Die Botschaft könnte deutlicher nicht sein: Einschüchterungstaktik. Im Falle Hastings gab man sich beim Verschleiern der Ursachen seines Ablebens nämlich so wenig Mühe, dass selbst US-Bürger, die normalerweise hartnäckig alles, was nicht in Mainstreammedien steht, als puren Blödsinn ablehnen, sich allmählich am Kopf kratzen und sich fragen, warum man so offensichtlich lügt und sich schon gar nicht mehr anschickt, die himmelsschreienden Ungereimtheiten der offiziellen Version seines Todes auch nur ansatzweise zu kaschieren. Kurz, es wird in den Staaten beinahe von Woche zu Woche gespenstischer. Der amerikanische Enthüllungsjournalist Jim Marrs, von dem und dessen Vorliebe für, sagen wir mal, „exotische Stoffe“ man natürlich persönlich halten kann, was immer man will, hatte nicht ganz Unrecht, als er einem seiner Bücher den Titel gab: „The Rise of the Fourth Reich“ („Der Aufstieg des Vierten Reiches“). Er bezog sich damit auf die politische Entwicklung der USA hin zu einem faschistischen Polizeistaat.

Bevor es zu einseitig und der übliche Vorwurf erhoben wird, diese düstere Realität sei ja nur wieder ein „antiamerikanisches Horrorszenario“: In der EU sieht es wirtschaftlich nicht so viel anders aus. Der jüngste Beitritt des „Sorgenkandidaten“ Kroatiens zur Union ließe sich wie folgt beschreiben: Ein taumelnder Einbeiniger mit Muskelschwäche steckt sich eine weitere entsicherte Handgranate an den Gürtel und ruft EUphorisch: „Das fetzt!“. Kaum war das Land beigetreten, flossen auch schon die Milliönchen. Man kann es angesichts eines dermaßen unvernünftigen Verhaltens doch wirklich niemandem übelnehmen, der statt von politischer „Verzweiflung“, „Blindheit“ oder „Kopflosigkeit“ von kriminellem Vorsatz spricht. Das Reich der Mitte hockt auf einem Schattenbanken-Unwesen und hat Kreditblasen an den Füßen, deren Platzen ebenfalls bald zu befürchten steht. Das einst so stolze England geht finanziell auf dem Zahnfleisch.

Nun ist die NSA („National Security Agency“) ja bekannt dafür, nicht jeden Dorfdeppen einzustellen. Man kann davon ausgehen, dass Edward Snowden ein recht gescheiter und gebildeter Bursche ist. Könnte es daher sein, dass er vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Gewitterwolken, die nicht nur über seinem Heimatland zunehmend schneller zuziehen und sich, wie man aus der Geschichte weiß, gerne in monsunartigen Fluten entladen, die dann auch den einen oder anderen zivilisatorischen Stützpfeiler mitreißen, sich ganz einfach nur große Sorgen machte? Erst recht, wenn man hinzuzieht, dass man sich momentan mittels Waffenlieferungen an gewisse „Rebellen“ wieder alle Mühe zu geben scheint, den Mittleren Osten in Brand zu stecken? Der weltbekannte Trendforscher Gerald Celente brachte dieses Treiben auf den Punkt: „When all else fails, they‘ll take you to war“ („Wenn alles andere versagt, führen sie dich in den Krieg“). Denn wenn die Menschen feststellen – und das werden sie irgendwann, soviel ist sicher – dass sie getäuscht, belogen und betrogen wurden, ist die Gefahr groß, dass den Eliten das ganze Tohuwabohu ins Gesicht explodiert. Da ist es gut, eine Ablenkung, einen Smokescreen zu haben, einen Feind von außen, der dringend bekämpft werden muss, einen Krieg, in dem zahllose Soldaten aufs Sinnloseste ihr Leben verlieren würden. Ist Snowden also etwa kein Schlafschaf? Denkt der Mann etwa mit? Ist er aus der Herde ausgebrochen, weil ein Leben unter Lemmingen ihm nicht mehr zusagte? Warum sollte er deshalb ein „Verräter“ sein? Vor allem aber: Warum ist er eigentlich nicht Bundespräsident?


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