15. Juli 2013

Wochenrückblick Polemischer Überflug

Was früher in Tuben geliefert wurde, sitzt heute auf Moderatorenstühlen

„Bundesregierung überprüft deutsche Gesetze“, titelte das „Handelsblatt“ am 12.7.2013. Anlass: Eine Schelte der Eliten-Frontorganisation UN über die in Deutschland sehr zum Unwillen der totalitären Umerziehungstechnokraten immer noch bestehende Rede- und Meinungsfreiheit. Dass der Sarrazin aber auch einfach frei drauflos reden durfte. Eine Gruppe junger Kunstschänderinnen, die in altehrwürdige Kirchen kackt und damit die Gefühle vieler russischer Christen beleidigt – geht klar, läuft unter Meinungsfreiheit. Dann muss man den Nachbarn im Osten scharf dafür kritisieren, nicht die Werte der EU hochzuhalten! Sogenannte Künstler, die bevorzugt christliche Symbole nach Herzenslust verunzieren – geht klar, Freiheit des künstlerischen Ausdrucks. Bürger psychiatrisieren, weil sie unlautere Machenschaften ihrer politischen Autokraten aufzudecken drohen – geht klar, läuft unter Ermächtigungsfreiheit. Europäische Völker zum Selbstbedienungsladen der Hochfinanz erklären – geht klar, Freiheit für Bankräuber. Ansprechen realer Probleme oder Beleidigung des Islam: geht nicht klar, weil den geplanten Gesetzen zu Gedankenverbrechen oder „Hate Crimes“ zuwiderlaufend. Ständiges Messen mit zweierlei Maß  im EU-Zimmer 101 – im Sinne gesellschaftlicher Zerstörung doppelplusgut und unbezahlbar.

Bundesinnenbüttel Friedrich suchte nach seiner Rückkehr aus Bankerika Zweifel am globalen Abhörwahn, an dem sich auch europäische Staaten fleißig beteiligen (inklusive Deutschland), durch Verweis auf den „edlen Zweck“ zu zerstreuen. 45 Anschläge seien verhindert worden. Beweise? Keine. Es bleibt wie gehabt bei bloßen Behauptungen krimineller Geheimdienste, die Terrororganisationen logistisch und finanziell unterstützen oder neugierige Journalisten bedrängen und bedrohen sowie den vollmundigen Beteuerungen einer US-Kriegsverbrecherregierung – ohne jede überprüfbare Grundlage. Politpudel und Qualitätsminderungsjournalisten des sich untertänigst tief bückenden und auf Obrigkeitshörigkeit gedrillten Schland mühen sich redlich, individuellen Geist und Widerstand gegen korporatistischen/faschistischen Übermut als Verrat, Nestbesudelung und unerhörtes Ausscheren aus dem Chor der Blöden zu brandmarken. Ganz flache Lernkurve, die Herrschaften. Eine Rockband, die in ihren Texten hin und wieder Wörter wie „Heimat“ verwendet, sorgt für verbale Antifanten-Stampeden; in völkisch dumpfer Weise einem Einzelnen zersetzende Gewissensregungen anzukreiden – kein #Aufschrei! der vermeintlich Anständigen. Im Gegenteil, dann applaudieren sie. Staatsscholasten lassen geistig einen fahren – der Casus macht mich lachen.

Apropos #Aufschrei!, der sich seit letzter Woche dank Robbie Williams über Zuwachs freuen darf. Es wäre ja schon eine deutliche Verbesserung in Richtung eines etwas relaxteren Diskussionsklimas, würden so manche bis in die Haarspitzen hypersensiblen und hochgradig paranoiden Genderstalinisten nicht in jedem harmlosen Kompliment oder, wie unlängst zum Anlass absurd-irrwitziger Schimpfkanonaden hochhysterisiert, Scherzchen eines weltberühmten Popstars sofort einen „sexistischen“ Frontalangriff auf die weibliche Würde wittern. Ob sie von ihren Halluzinationen, ihrer verbohrt-verbissenen Gespensterjagd, ihrem hyperventilierenden Bedürfnis nach Sozialhygiene und Gesinnungs-Eugenik jemals wieder runterkommen? Ob es überhaupt Sinn ergibt, alle Männer auf die Konsistenz nasser Handtücher reduzieren zu wollen, die sich für jedes „falsche“ Wort umgehend entschuldigen und gleich eine Unterlassungserklärung hinterherschieben? Die eigene eingebildete Wichtigkeit so lange mit heißer Empörungsluft aufzublasen, bis sie wie ein Zeppelin am Himmel vermeintlich bedeutungsvoller, in Wahrheit aber großenteils nur noch selbstbespiegelnder und -legitimierender „emanzipatorischer“ Aufklärungsarbeit (vulgo: genderindustrieller Fließbandempörung) hängt, schreit förmlich nach einem glücklicherweise noch nicht verbotenen Raucher, der seine Fluppe lässig in diesen mit Wasserkopfstoff prall gefüllten Fesselballon des gleichgeschalteten Denkens schnippt, um ihn wie die Hindenburg in brennenden Fetzen auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen. Yippe ki-jay, motherf*cker. Oder wie Mister Bean einmal sagte: Das Recht, zu beleidigen, ist wichtiger als das Recht, beleidigt zu sein. Aber wie erklärt man das Leuten, die unentwegt nach geistiger Selbstverstümmelung und -zensur schreien?

Der Abkanzelkandidat der Sozialdemokraturisten machte seinem Namen wieder mal alle Ehre, indem er Brücken in die sozialistische Steinzeit baute. Man hätte nach dem Ende der DDR 1.0 doch mehr differenzieren müssen, so Peer „Natürlich müssen die Deutschen zahlen!“ Steinbrück, es sei ja nicht alles schlecht beziehungsweise nicht jeder Funktionär der SED 1.0 ein fauler Apfel gewesen. Gab halt sone und sone. Auch hier bleibt angesichts der Tatsache, dass in der SED viele „ehemalige“ Nationalsozialisten unterkamen und fröhlich weiter den Tyrannen spielen konnten, seltsamerweise jeder #Aufschrei! aus. Allerdings kann man Herrn Steinbrück eine gewisse Konsequenz nicht absprechen. Was wäre denn schon passiert, hätte man zahlreiche Ex-SED-Funktionäre besser integriert? Sie wären im Bundestag zum Beispiel auf grüne Kinderschänder getroffen. So hätte sich der Kreis geschlossen.

Das süßeste Mädchen teledepraviert dauerquasselnder Nebelwerferei, Markus Lanz, warf Dirk Müller in einer Ausgabe seiner Seifenblasenshow vom 11. Juli vor, „Weltverschwörungstheorien“ zu verbreiten. Wenn die Markus wüsste. Denn Müller ging beileibe noch nicht weit genug. Schade, dass er sich ein bisschen in die Defensive drängen ließ und glaubte, sich auch noch verteidigen zu müssen dafür, einen Informations- und Bildungsauftrag wahrzunehmen, den das Zweite Deutsche Fehlleistungssystem und andere Massenlobotomedien schon lange nicht mehr erfüllen. Sexy Borgdrohne Markus, wie gewohnt perfekt profillos-glitschig und beliebig austauschbare Hohlphrasen auswerfend wie ein Whirlpool auf Turbostufe, behauptete, „Journalistin“ zu sein. Dabei übersah sie allerdings, dass es eigentlich nicht zu den Kernaufgaben einer solchen gehört, alles, was die Grenzen des eigenen Weltbildes verletzt, den eigenen Horizont übersteigt oder an den Stäbchen des Laufstalls der Political Correctness in puncto EU und Euro sägt, einfach in Bausch und Bogen zu verwerfen, ohne vorher eine Überprüfung der vorliegenden Informationen vorgenommen zu haben, sprich investigativ tätig geworden zu sein. Im Gegensatz zu Müller, der nichts anderes tat,  als in seinem Buch zum Thema Euro-Dämmerung, über das er mit Quotenfrau Lanz diskutierte, überprüfbare Daten vorzulegen.

Herr Müller sollte es sich egal sein lassen, einfach weiter gute Recherche- und Aufklärungsarbeit leisten und die Massennarkotisierung Frau Lanz und den Reichspropagandafunkern überlassen. Vor allem aber sollte er eines tun: Beim nächsten Mal, wenn defekte Lautsprecher das mühsam einprogrammierte Wort „Verschwörungstheorien“ oder ähnlich primitive Vorwürfe ausspucken, einfach aufstehen und die Sendung verlassen, denn auf ein dermaßen unterirdisches Diskussionsniveau braucht sich niemand herabziehen zu lassen. Was man früher guten, investigativen Journalismus nannte oder vorurteilsfreies, unvoreingenommenes Denken auch über die Grenzen konventioneller Schulweisheiten hinaus, gilt heute als krudes Theoriewerk. Frau Lanz: „Ich habe Sorge, dass sie da solche Weltverschwörungstheorien verbreiten und manche Leute dann denken, der könnte recht haben.“ Um Himmels willen! Stellen Sie sich mal vor, das ganze Ausmaß der EU- und Euro-Täuschung würde endlich öffentlich! Was, wenn manche Zuschauer zu glauben beginnen, an selbständigem Denken könnte etwas dran sein? Nää, da stecke ich lieber weiter den Kopf in den Treibsand und überlasse das Denken dem Flachbildschirm. Zu meiner Schulzeit hat man sich solche „Moderatoren“ übrigens in die Haare geschmiert. Nannte sich „Wet Gel“ und wurde in Tuben geliefert.


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