10. September 2013

Männer Die sind doch sowieso alle gleich

Über eine Berichterstattung, bei der es nicht mehr mit „rechten Dingen“ zugeht

Können Sie sich noch erinnern, dass es früher manchmal in einer Zeitungsbeilage zwei nebeneinander liegende Zeichnungen gab, die auf den ersten Blick genau gleich aussahen? Aber nur auf den ersten Blick. Dann kam die Rätselfrage: Finden Sie sieben Unterschiede. Solche Rätselbilder gibt es immer noch. Ich möchte an dieser Stelle eine ähnliche Rätselfrage präsentieren: auf dem einen Bild sind „Männer“ zu sehen, auf dem anderen „Rechte“. Ich meine „Rechtsradikale“ oder Leute, die am „rechten Rand“ stehen. Es gibt jedoch keine Bilder. Nur Worte.

Vorher möchte ich noch kurz von drei Männern berichten: 1. Hinrich Rosenbrock, 2. Frank Beuster und 3. Andreas Kemper. Da wir gerade von Männern reden, fällt mir ein, dass ich neulich gefragt wurde, ob ich eigentlich Männerrechtler bin. Da habe ich spontan „Nö, wieso?“ geantwortet. Mir ist auch so schnell kein Recht eingefallen, das nur Männer haben sollten und andere – beispielsweise Frauen – nicht. Und rechts bin ich sowieso nicht.

Aber wer fragt mich schon? Wenn man andere fragen würde – Arne Hoffmann etwa –, bekäme man vermutlich eine andere Antwort. Ich jedenfalls finde, dass „Männerrechtler“ eine mehr als unglückliche Bezeichnung ist, ein Verlegenheits-Etikett, das in die Irre führt und zur Verwechslung von „Rechten“ mit „Rechten“ einlädt. Wie auch immer: In letzter Zeit wird zunehmend von Männerrechtlern berichtet, im selben Atemzug von „Maskulisten“ und sogar – man beachte den feinen Unterschied – von „Maskulinisten“. Da stelle ich mir Leute vor, die (so wie „Femininisten“, die im Unterschied zu Feministen besonders feminin sein wollen) besonders maskulin sein wollen, die sich nass rasieren, kalt duschen und den Akkuschrauber als Zahnstocher benutzen. Die sind alle politisch rechts. So wird gesagt.

Es wird sogar von einer „Männerbewegung“ (wenn man mich fragen würde: Es gibt keine) gesprochen, die allerdings im Vergleich zu der bekannten Bewegung aus den dreißiger Jahren keine Hauptstadt hat. Gemeint ist der Nationalsozialismus, der sich bekanntlich auch als „Bewegung“ sah und München zur „Hauptstadt der Bewegung“ erkor.

An so eine Bewegung denken auch die erwähnten Herren Rosenbrock, Beuster und Kemper. Wenn die „Männerrechte“ sagen, dann meinen sie „rechte Männer“. Mit dieser Meinung finden sie Gehör bei denen, die genau das von ihnen hören wollen. Für so ein Publikum malen sie dann das Gespenst einer „Männerbewegung von rechts“ an die Wand. Sie folgen dabei einer Formel, die ich der Einfachheit halber RBK-Formel nennen will (Rosenbrock-Beuster-Kemper-Formel), und die so lautet: Je weniger ein Mann versucht, eine Frau zu sein, und je weniger er für die Rechte der Frauen kämpft, desto rechtsradikaler ist er. Dabei wird nicht etwa beurteilt, was er tut, sondern was er nicht tut. Es wird auch nicht zitiert, was er selber sagt, sondern das, was andere sagen. So werden rechte Männer erfunden.

Man muss noch etwas tun. Man muss verallgemeinern. Man muss nicht nur ein Auge zudrücken, sondern beide. Das tun diese Herren. Sie wissen weder, was die Szene der „Männer“, noch, was die Szene der „Rechten“ wirklich bewegt. Früher habe ich manchmal über Liedermacher gespottet (ich darf das, ich bin selber einer) und habe über sie gesagt, dass sie nicht etwa Doppelbegabungen sind (es gibt Ausnahmen), sondern zweifache Minderbegabungen: sie sind keine überragenden Größen in Sachen Komposition oder Literatur, aber sie verstehen beides so einigermaßen und basteln sich dann ihre eigenen Lieder mit Text- und Musik-Bausteinen auf einem Niveau, das nicht besonders anspruchsvoll ist.

So ein Spott ist bei den drei Herren unangemessen. Er wäre zu freundlich. Sie haben nicht etwa niedrige, sondern gar keine Ansprüche. Sie inszenieren sich als Doppel-Experten in Sachen Rechtsradikalität und Männerrechtlern und sind in Wahrheit Doppel-Blindgänger. Sie sind wie Liedermacher, die ihre Gitarre nicht gestimmt kriegen und nicht wissen, was ein Reim ist. Ihr spezieller Doppel-Blind-Test macht es ihnen leicht: Wenn sie die beiden weißen Flecken auf ihrer intellektuellen Landkarte unter die Lupe nehmen und miteinander vergleichen, dann kommen sie – was für eine Überraschung! – zu dem Ergebnis, dass da keinerlei Unterschiede zu erkennen sind. Alles weiß.

Sie wollen nicht unterscheiden. Sie halten ihre Unterlassung für eine Tugend, denn „unterscheiden“ hieße für sie: „diskriminieren“. Das machen sie nicht. Das zeichnet sie aus. Das gibt ihnen die Selbstgerechtigkeit, sich als Gutmenschen und ihre Unfähigkeit zur Unterscheidung als Beitrag zum Kampf gegen Diskriminierung zu sehen. Zum Glück kann uns das nicht passieren. Wenn wir die kleine Rätselfrage lösen, die ich eingangs angekündigt habe, können wir sehr wohl unterscheiden, und wir verstehen die Inhalte und Interessen sowohl der „Rechten“ als auch der „Männer“ besser, als es die Doppel-Blindgänger tun.

1. Hinrich Rosenbrock hat für die Heinrich-Böll-Stiftung eine „Expertise“ verfasst, die sich der „antifeministischen Männerrechtsbewegung“, wie er sie nennt, widmet, und die neulich wieder einige Wellen geschlagen hat, weil sie als Grundlage für eine zweifelhafte Rundfunksendung genommen wurde. Rosenbrock nennt Namen und Zitate. Die geben nichts her. Die sind allesamt harmlos. Das weiß er selber. Daher schreibt er auch: „Es lassen sich zwar zwei Lager, ein eher gemäßigtes und ein extremes ausmachen, diese lassen sich aber aufgrund interner Vernetzung nicht eindeutig trennen. Außerdem befasst sich keines von beiden mit der Abschaffung noch bestehender weiblicher Benachteiligung.“

In anderen Worten: Er kann nicht trennen. Er will auch nicht. So kommt es, dass die namentlich Genannten nicht aufgrund eigener Worte dem rechten Lager zugeschlagen werden, sondern aufgrund der Worte anderer, die irgendwo im digitalen Nirwana anonyme Kommentare abgegeben haben. Rosenbrock unterscheidet da nicht. Absichtlich nicht. Außerdem kämpfen beide Lager nicht gegen die Benachteiligung von Frauen. Also sind sie beide gleich.

2. Frank Beuster hat das Buch Die Jungen-Katastrophe geschrieben – in einer, wie ich sagen muss, katastrophalen Sprache: Es wimmelt von Overkill-Beschuldigungen gegen Männer und gegen Jungen. Es ist undifferenzierte Schmäh-Prosa, bei der seine bösartigen Verallgemeinerungen nur noch pro forma mit kleinen Feigenblättern wie „zumeist“, „oft“ oder „viele“ dekoriert werden. Rosenbrock macht das übrigens auch. Bei Beuster liest es sich so: „Viele Männer kommen gar nicht auf die Idee, dass sie zu einer aktiven positiven Vaterschaft fähig wären ... Auf manche Väter kann man getrost verzichten ... Solche Väter suchen zwar nach Möglichkeiten, sich in die Familie einzubringen, einen Fuß in die Familie zu bekommen, verhalten sich aber letztlich total kontraproduktiv ... Männer werde oft als Belas¬tung empfunden, als Pflegefall, manchmal auch als Altlast, von der es sich zu trennen gilt.“

Was machen sie falsch? Es geht schon früh los, wie Beuster zu wissen meint: „Jungen, die ihre ‚weibliche Seite’ in sich nicht ausbilden, die sich auf die einseitige Entwicklung ihrer männlichen Anteile beschränken, können eventuell größere Schwierigkeiten in ihrem Leben bekommen.“ Die haben sie schon. Die haben sie von ihren Vätern übernommen, die dem Wunsch der Frauen von heute, ein Mann möge Busfahrer und Rennfahrer zugleich sein, nicht nachkommen: „ ... denn Frauen von heute wollen Männer, die sowohl über männliche als auch weibliche Seiten verfügen. Die Liebe zu einem Mann, der diesen Erwartungen nicht entspricht, reicht oft nicht für ein Leben aus. So entscheiden sich viele Frauen für das Kind, doch gegen den Vater. Billigend in Kauf nehmen sie damit, dass sie dem Sohn die Identifikationsfigur nehmen. Vielleicht wollen sie aber auch gar nicht, dass er sich mit diesem defizitären Männertypus identifiziert?“

Wenn man die „weibliche Seite“ zum Maßstab für die Bewertung von „männlichen Menschen“ macht, dann entstehen die Defizite, die dann beklagt werden, von ganz alleine. Sie liegen in der Logik der Begriffe, mit denen die Katastrophe beschrieben und damit überhaupt erst geschaffen wird. Beuster nennt drei Orte, die zwar nicht gerade als Hauptstädte gelten können, aber Punkte auf der Landkarte sind, an denen er das böse „Männliche“ und das böse „Rechte“ zusammenführt: „Hoyerswerda, Solingen, Mölln und andere Orte in Deutschland stehen für das persönliche und das gesellschaftliche Scheitern meist männlicher Menschen.“ Da also treffen sich die defizitären, rechten Männer, die im Grunde alle gleich sind.

3. Andreas Kemper hat neulich durch ein spektakuläres Eigentor eine gewisse Berühmtheit erlangt. Er kommt aus einer linksradikalen, pro-feministischen Männergruppe, die inzwischen in die Jahre gekommen ist. Seinen beiden Feindbildern – nicht-linksradikale Politiker und nicht-profeministische Männer – ist er treu geblieben. Er wurde vom Spiegel zur Partei Alternative für Deutschland befragt: Er hält sie – wer hätte es gedacht? – für rechtsradikal und obendrein für so raffiniert, dass sie ihren Antifeminismus geschickt versteckt. Kemper wurde dabei als „Experte“ zitiert. Hm? Experte? Das fragten sich alle, die von so einem „Experten“ noch nie gehört hatten. So kam es zu einem bisher nie dagewesen Ansturm auf die Internetseite WikiMANNia, auf der das propagandistische Wirken von Andreas Kemper ausführlich dokumentiert ist.

WikiMANNia ist nicht Wikipedia. WikiMANNia versteht sich als Ergänzung zu Wikipedia und befasst sich speziell mit Männerthemen. Da findet man auch – allerdings kaum ergiebige – Einträge zum Stichwort „Männerrechte“. Etwas ergiebiger sind da schon die Informationen zu den Erfindern der rechten Männer, zu Rosenbrock zum Beispiel, oder eben zu Kemper und seiner Variante der RBK-Formel: „Solange es innerhalb der Männerrechtsbewegung keine Distanzierungen zu Foren wie WGvdL und WikiMANNia oder der IG Antifeminismus gibt, sondern im Gegenteil die Agitation gegen Gleichstellung und affirmative action generell geteilt wird, solange sich die Männerrechtsbewegung im Anti-PC-Diskurs selbstverortet und solange gilt, dass man sich Nazis verbundener fühlt als Feministinnen, solange muss sich die Männerrechtsbewegung den Vorwurf gefallen lassen, grundsätzlich rechtsextreme Züge zu haben.“

So wird Kemper bei WikiMANNia zitiert. Da steht alles, was man wissen muss, um zu verstehen, was für eine Art von „Experte“ er ist. Just diese Informationen, die ihn mehr als Scharlatan und weniger als Experte darstellen, wurden in dem Moment, als er an die große Öffentlichkeit gelangte, am meisten nachgefragt. Wenn wir bei google „Andreas Kemper“ eingeben, erscheint der WikiMANNia-Eintrag an erster Stelle. Bei Wikipedia wiederum gibt es zu seinem Artikel inzwischen einen Löschungsantrag wegen mangelnder Bedeutung. Was man da über ihn lesen kann, hat er selber geschrieben. Wikipedia ist sein bevorzugtes Betätigungsfeld: unter dem Namen „Schwarze Feder“ lanciert er da Eigenlob, das sich als Engagement für Feminismus ausgibt.

Es gibt auch andere Wikis – etwa ein HomoWiki. Die Veganer haben ebenfalls ein eigenes Wiki. Antiveganer auch. Solche Sonder-Wikis sind Sammelstellen für Informationen, die nur für eine bestimmte Szene von Interesse sind, unabhängig davon, ob da irgendwelche „Rechte“ eingefordert werden oder jemand von einer „Bewegung“ spricht. Auch die politische Rechte hat ein eigenes Wiki: Metapedia. Das Schöne an solchen Seiten ist, dass man blitzschnell Statistiken erstellen und sich einen Überblick verschaffen kann, welche Themen die meisten Zugriffe haben. Es gibt übrigens keinen Preis für denjenigen, der errät, was auf Metapedia das am meisten gefragte Stichwort ist.

Werfen wir dennoch einen Blick darauf. Nur auf die Statistik. Und vergleichen wir die mit der von WikiMANNia. Das reicht. Wir sehen sofort, was auf den jeweiligen Seiten für Interessen vorherrschen, was für Nöte, Sorgen, Herzensangelegenheiten es gibt – kurz: Wir sehen, was die user dieser Seiten umtreibt, und es springt sofort ins Auge, was sie zunächst einmal wissen und womöglich daraufhin tun wollen. Im Vergleich der beiden Wikis erkennen wir die Gemeinsamkeiten, die Überschneidungen, die „Verbundenheiten“, von denen Kemper, und die „Vernetzungen“, von denen Rosenbrock spricht – sofern es sie überhaupt gibt.

Wenn wir dagegen den Doppel-Blind-Test, der, wie wir gesehen haben, die Gleichsetzung von „Männern“ und „Rechten“ ermöglicht hat, selber ausprobieren wollten, könnten wir beweisen, dass die Veganer alle rechtsradikal sind. Oder die Antiveganer. Mit Doppelblindheit geht das. Wir könnten uns dann ebenfalls als Experten hinstellen. Aber das wollen wir ja gerade NICHT! Wir wollen die Doppelblindheit ablegen, wir wollen die weißen Flecken mit Farben anreichern. Wir wollen die tatsächlichen Gemeinsamkeiten entdecken – falls welche vorhanden sind. Wir wollen genau das nachholen, was die RBK-Experten versäumt haben zu tun. Was sie auch nicht tun durften. Hätten ihre Forschungen so angefangen, hätten sie die gleich wieder abbrechen können.

Werfen wir also einen Blick auf die Top 23 von Metapedia:

1.           Hitler, Adolf

2.           Gaskammertemperatur

3.           Liste jüdischer Persönlichkeiten

4.           Juden

5.           Deutschfeindlichkeit

6.           Nationale Medien

7.           Zweiter Weltkrieg

8.           Bundesrepublik Deutschland

9.           Liste der von Ausländern in Deutschland getöteten Deutschen

10.         Nationalsozialismus

11.         Holocaust (Massenvernichtung)

12.         Zentralrat der Juden in Deutschland

13.         Jüdische Kriegserklärung an Deutschland

14.         Nordische Rasse

15.         Hitler, Adolf (Zitate)

16.         Umerziehung

17.         Blutzeuge

18.         Vereinigte Staaten von Amerika

19.         Deutsches Reich

20.         Konzentrationslager Auschwitz

21.         Erster Weltkrieg

22.         Revisionismus (Holocaust)

23.         Deutschland

Und nun im Vergleich dazu die Top 23 von WikiMANNia:

1.           Genitalverstümmelung

2.           Karriere

3.           Falschbeschuldigung

4.           Lohndiskriminierung

5.           Häusliche Gewalt

6.           Genderismus

7.           WikiMANNia

8.           Abtreibung

9.           Lila Pudel

10.         Feminismus

11.         Geldtransfer

12.         Vergewaltigung

13.         Frauenquote

14.         Jugendamt

15.         Fremdwörter (Liste)

16.         Frauen in der Bundeswehr

17.         Feministische Thesen

18.         Zwangsdienst

19.         Frauen in der Politik

20.         Alice Schwarzer

21.         Arne Hoffmann

22.         Frauenfußball

23.         Vergewaltigungsvorwurf

Und nun die Rätselaufgabe: Finden Sie 23 Unterschiede!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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