06. Dezember 2013

Journalismus Grünes Gesülze wiedergekäut

Ein offener Brief an eine Schriftstellerdarstellerin

Liebe Sibylle,

ich hab da mal eine Frage: Kann es sein, dass Du gar keine Schriftstellerin bist, sondern eine Schriftstellerdarstellerin, der S.P.O.N. wöchentlich ein paar hundert Euro zusteckt, damit Du exakt die Multikulti-Kampf-gegen-Rechts-schaffen-wir-die-Familie-ab-Deutsche-sind-alle-Nazis-Kacke, eigentlich das irre und total abgedroschene Gesülze der Grünen Jugend in witzig sein sollender Weise wiederkäust? Weißt Du, Sibylle, Autoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie hinter die Verhältnisse gucken, die auf den ersten Blick glasklar erscheinen, eben nicht blind die Sichtweise eines Parteiprogramms übernehmen. Deshalb wollen die Leute ja ihr Zeug lesen, weil es etwas anderes, etwas Überraschendes ist als das Übliche. Im besten Falle kommt dabei die Wahrheit ans Licht. Davon bist Du allerdings Lichtjahre entfernt.

„Europa, 2013. Am Gorki-Theater zeigen Shermine Langhoff und Jens Hillje dem Erfinderland der Leitkultur, wie Internationalität funktioniert. Die Eltern vieler der hier arbeitenden Künstler kommen aus Wuppertal, der Türkei, aus dem Sudan oder – es ist vollkommen egal woher.“

Jaja, Sibylle, im Gorki-Theater ist es ganz toll und alles zum Jauchzen multikulti, und alle springen vor lauter Einanderliebhaben im Sechseck. Aber weißt Du, warum das in Wirklichkeit so ist? Rate mal. Weil dieses Theater und diese Es-ist-vollkommen-egal-woher-„Künstler“ samt und sonders von deutschen Steuergeldern ausgehalten werden. Du übrigens auch. Mal schauen, wie tolerant es dort zugehen würde, wenn das Rohr zur Staatsknete plötzlich gekappt wäre. Mal schauen, ob Du den Türken oder den Sudanesen dann immer noch so herzlich umarmen würdest, wenn man dir sagte: Sibyllechen, Du bekommst heute vom Staatskünstlerkuchen nichts ab, sondern der Ali, denn „es ist vollkommen egal woher“ der Staatskünstler kommt.

„Denn im Moment lebt man eben hier, vielleicht für immer, vermutlich, es ist unbedeutend.“

Klar, heute hier, morgen dort. Dieses Land ist sozusagen eine Art Wärmestube, bis morgen wieder die Sonne scheint. Es gibt da nur ein Problem, Sibylle: Der Großteil derjenigen, von denen Du da so generös und mit der erhabenen Geste des Weltbürgers sprichst, leben eben nicht „im Moment“ hier, sondern immer und ständig. Kannst Dir denken, warum. Ebenfalls wegen der deutschen Staatsknete. Oder glaubst Du wegen des tollen Wetters?

„In diesem Herbst marschieren Deutsche gegen ein Asylantenheim …“

Was für Nazi-Schweine! Ich nehme an, Du meinst das Asylantenheim, welchem Du gegenüber wohnst, Sibylle? Wie, doch nicht? Ach so, hab's ja ganz vergessen, Du wohnst im feinen Zürich, bestimmt im renovierten Altbau mit Stuck, und gegenüber ist dieses weltberühmte Juweliergeschäft. Die Leute, die gegen das Asylantenheim „marschieren“ (Deutsche können nun einmal nicht richtig gehen), tun es bestimmt aus Jux und Dollerei, weil sie halt scheiße sind, und nicht weil die Asylanten ihre Frauen sexuell belästigen, mit Drogen handeln und ihren Gastgebern gegenüber völlig aggressiv auftreten. Was für eine Brut, diese Deutschen!

„Hier versammeln sich Herr Sarrazin und andere, die aus den dunklen Erdspalten unserer schlechten Träume gekrochen sind, um ihr Weltbild zu beschwören. Ich will es hier kurz zusammenfassen: Die Länder Europas müssen denen gehören, die am besten über tausend Generationen da geboren wurden. Für das Land der Leitkultur heißt das: ein Deutschland der deutschen Frau, dem deutschen Herd, dem deutschen Mann, dem Herrscher und Ernährer, der deutschen im Haus erzogenen Kinderschar. Weg mit all den italienischen Restaurants …“

Da ich selber der schreibenden Zunft angehöre, Sibylle, durchschaue ich augenblicklich, mit welchen Tricks Du arbeitest, was jedoch bei solch einer Phrasendrescherin wie Dir nicht besonders schwer ist. „Sarrazin“ und „… aus den dunklen Erdspalten … gekrochen.“ Ja, ekelhafte Tiere, Geschlinge, Insektenartige halt. Vorsicht, hier verwendest Du die gleichen Sprachbilder des Unmenschen, die Du den Sarrazinartigen selber vorwirfst. „Die Länder Europas müssen denen gehören, die am besten über tausend Generationen da geboren wurden.“ Ja, was für ein Quatsch, dass man den Platz, wo man geboren wurde und aufgewachsen ist, seine Heimat nennt. Und dann noch die total absurde Vorstellung, dass man das Land, in dem schon seit Generationen die Ahnen beheimatet waren, als „meins“ bezeichnet. Dabei gehört es doch allen, auch demjenigen, der letzten Donnerstag hier aus dem Bus gestiegen ist. Kleiner Tipp, Sibylle, fahr doch mal in die Türkei und erzähle den Türken dort, dass die Türkei nicht den Türken gehört, sondern „allen“. Zieh dir aber vorher drei schusssichere Westen übereinander an. Sicher ist sicher.

„… ein Deutschland der deutschen Frau, dem deutschen Herd, dem deutschen Mann, dem Herrscher und Ernährer, der deutschen im Haus erzogenen Kinderschar.“ Ekelhaft! Wie kann man nur eine deutsche Frau sein?! Aber was meinst Du mit „deutscher Herd“? Mit einer Nationalfahne daneben oder was? Dem deutschen Mann hast Du schnell mal den Zusatz „Herrscher“ angedichtet, damit das nächste Wort „Ernährer“, wogegen niemand etwas haben kann, negativ aufgeladen ist. Nur, Sibylle, welcher deutscher Mann wähnt sich heutzutage und in dieser Gesellschaft noch als Herrscher? Oder hast Du wieder mal zu viel gesoffen?

Am besten ist aber: „Weg mit all den italienischen Restaurants.“ Genau, hierin entzündet sich der deutsche Rassismus, an den italienischen Restaurants, wir wollen sie weg haben. Lass mal Deinen Kopf untersuchen!

„Aus welchen persönlichen Angststörungen Rassisten, Homophobe und Rechtspopulisten auch agieren, sie werden von der Geschichte überrollt werden. Verstorben, vergessen irgendwann, mit ihren kleinen Hasspredigten, mit ihrem engen Verstand, aus dem nur dummes Zeug entspringt.“

Nein, Sibylle, sie werden nicht von der Geschichte überrollt werden, sondern von der Tatsache, dass jeder Analphabet hier rein und sofort Stütze beziehen kann. Ach übrigens, die Nazi-Deutschen sind längst nicht mehr homophobe, sondern diejenigen mit dieser bestimmten Religion, weißt schon …

„Es gibt die Welt, wie ihr sie wollt, nicht mehr. Mit rechts, links, gut, böse, Eingeborenen und Fremden, mit der Frau als Gebärmaschine, dem Patriarchen.“

Interessant. Der böse Deutsche will also die Frau als Gebärmaschine. Aha! Sag mal, Sibylle, kann es sein, dass Du die letzten Jahre ganz allein im Wald verbracht hast? Oder auf dem Mond? Liest Du keine Zeitung? Kannst Du mir mal verraten, welcher deutsche Mann eine Gebärmaschine haben möchte? Ich dachte, das Problem ist genau das Gegenteil davon, nämlich dass die Deutschen mittlerweile überhaupt keine Kinder mehr haben wollen. Und das mit dem „Patriarchen“ – geschenkt.

„Eure Kinder, Enkel, in korrekten heterosexuellen Beziehungen erzeugt, werden irgendwann sitzen, friedlich nebeneinander. Unter künstlichen Himmeln, in künstlichem Klima, das perfekt ist, immer warm, das Meer künstlich, die Seen, die Berge, aber nicht minder schön, die Sonne geht unter. Sie sitzen auf einem künstlichen Rasen, Vögel-Avatare, und sehen sich im Lesegerät Dinge von früher an. Aus der Zeit der Großeltern.“

Verstehe zwar nicht, was Du da wieder halluzinierst, Sibylle, aber ich glaube herauszulesen, dass Du einen ziemlichen Ekel gegen Menschen empfindest, die in „heterosexuellen Beziehungen“ gezeugt worden sind. Gut, kann man so sehen. Ähm, hast Du da einen Gegenvorschlag, ich meine rein technisch?

„Sie werden sich wundern, dass es in einer Welt, in der alle gleich sind, keinen Rassismus mehr gibt, keinen Sexismus, in der Frauen und Männer und Menschen des dritten Geschlechts lieben, wen sie wollen, sich nicht bekämpfen.“

Jaja, das mit dem dritten Geschlecht ist sehr wichtig, weil es ja so verbreitet ist. Aber mach dir mal keine Sorgen, Sibylle, hier „bekämpft“ niemand niemanden. Alle sind im Tran und oder noch am Schlafen. Am Besten legst Du dich auch wieder hin.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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