09. Dezember 2013

Nora Gantenbrink Ich bin leider vollkommen talentlos...

Ein Schriftsteller-Sternchen stellt sich vor

Vorsicht! Dieser Brief ist fiktiv. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig.

Guten Tag!

mein Name ist Nora Gantenbrink, und ich bin eine vollkommen talentlose und auch nicht besonders gut aussehende Frau. Außerdem muss ich selbst dann wie eine Bekloppte rauchen, wenn ich der „Stern“-Kamera aus meinem beschissenen Buch vorlese, was sich nicht einmal der kettenrauchende Fika getrauen würde. In früheren Zeiten hätte man mich nicht einmal Groschenhefte schreiben lassen, und ich hätte am Band einer Konservenfabrik stehen müssen. Aber da ich die richtige Gesinnung habe, schreibe ich heute für den „Stern“, auch wenn ich mich manchmal frage, wer dieses Magazin-Relikt heutzutage noch kauft.

Meine Masche ist einfach: Sogar wenn ich etwas über den Liebesschmerz schreibe, signalisiere ich zuvörderst, dass ich stramm links stehe, indem ich mal so nebenbei durchsickern lasse, kotzen zu müssen, „als du mit deinem FDP-Vater Sushi essen musstest“, als sei die völlig bedeutungslose FDP eine Unterorganisation der NPD und der Deutschen Bank in einem. Dann streue ich noch so Sachen wie Yoga, Faust im Theater und gute Geschichten (Literatur) in den Text, damit man mich als ein Sex-in-the-City-bürgerliche-Großstadt-Single wahrnimmt und ich in die Fußstapfen von Helen Fielding treten kann, natürlich mit zugekniffenen Arschloch wie es sich in Deutschland so gehört. Okay, das mit dem Sex ist natürlich nur ein Fake, denn wer fickt mich schon so wie ich aussehe?

Apropos Ficken: Wörter wie Ficken oder Arschloch, ja selbst Bumsen (Hahaha!) verwende ich des Effektes willen immer wieder gern, damit alle merken, wie zu Tode emanzipiert ich bin und ebenso wie Männer die Unterleibsdenke draufhabe. Naja, vielleicht sollte ich diese Wörter bei meiner Lesung nicht dergestalt aussprechen, als redete ich über Schwäne im See im Frühling oder Gemüse. Sonst nimmt man sie mir nicht ab.

Alles, was ich übrigens Ihnen in diesem Text vorlese, besteht aus zweihundert Wörtern, wogegen die deutsche Sprache 75.000 Wörter enthält. Kein Wunder, dass ich beim „Stern“ gelandet bin.

Video: Lesung der Woche: Nora Gantenbrink: „Verficktes Herz & andere Geschichten!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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