27. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013 Einmal Ismen-Mus im Putin-Dirndl mit Herzlandfilet

Kleine Taschenlampe brennt

Lebensmittel wurden in Deutschland auch 2013 teurer. Schuld ist Wladimir Putin. Er übersäuerte die fruchtbaren Äcker des Westens, indem er ein Rudel Bären auf ihnen Gassi führte.

Nein, Quatsch. Schuld war natürlich das schlechte Wetter. Schuld war das Wetter. Das Wetter. Gibt’s hier ein Echo? Ja. Es ist bemerkenswert, mit welcher Beharrlichkeit deutsche Vermassungsmedien ausschließlich auf Witterungsbedingungen als Ursache der Infla ... der von Wladimir Petrus verursachten Preisbildungsprobleme im Lebensmittelsektor hinwiesen.

Dirk Müller alias „Mr. Dax“ behauptete in seinem Buch „Showdown“, die Erde drehe sich um die Sonne. Pfui. Ein bekannter Wegsehmoderator, in dessen Sendung ausgewählte Duracell-Hasen auf Müller losgelassen wurden, erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch. TV-Eklat! Wetten, dass manche Leute mit Fakten auf Kriegsfuß stehen? Egal. Heutzutage gelten Bildungsideale eben nicht mehr viel. Informations- und Aufklärungsarbeit ist was für Spaßbremsen, Bücherwürmer und andere krude Außenseiter. Kleine Taschenlampe brennt: „Jetzt habe ich Angst, dass es irgendwo Menschen geben könnte, die fähig sind, diese komischen schwarzen Zeichen in ihrem mit verwirrend vielen Seiten gefüllten Papierbündel zu entziffern und ihnen einen Sinn zu entnehmen“. Pssst ... nennt sich „Lesen“ und  ist zur Aufzucht von Schlafschafen absolut nicht hilfreich.

Eine US-Drohne sprengte im doppelten Wortsinn eine Hochzeit im Jemen. Schuld war der russische Außenminister Lawrow. Er hustete und erzeugte dadurch gemäß der Chaos-Theorie („Schmetterlingsflügel-Effekt“) starke Windböen im jemenitischen Luftraum, wodurch sich die Flugbahn der Drohne zum Nachteil des Pärchens veränderte. Im Visier des normalerweise mit spätmoderner Präzision arbeitenden Fluggerätes stand eigentlich ein Terrorist, behauptete die Krawattennadel des Pressesprechers des Ministeriums zur Abwiegelung unangenehm ziviler Fragen. Welches Ministerium? In welchem Land? Ach, irrelevant. Gelogen wird überall. Egal ob in amerikanischen, russischen, chinesischen oder deutschen Staatsmedien. Und die Moral von der G’schicht: Vertraue Vermassungsmedien nicht. Bleib’ individuell und denke einzigartig.

Auch Milchprodukte könnten teurer werden, wurde 2013 mehrfach vermeldet. Verantwortung für die möglichen Preissteigerungen trägt Baschar al-Assad, der die Kühe mit Chemikalien besprühte, wodurch die Milch sauer wurde. Dafür gebe es eindeutige und unleugbare Beweise, erklärte Politik-Außenminister John Kerry. Er habe sie bei einem Strandspaziergang in einer angespülten Flasche Ketchup der Marke „Heinz“ gefunden.

Gustl Mollath beendete seinen Urlaub im Bates Motel. Empfohlen wurde ihm der luxuriöse Kurort von deutschen Musterdemokraten, die gegen russische Korruption kämpfen.  Auf ihre Einladung verbrachte er dort viele Jahre, um sein chronisches verschwörungstheoretisches Geraune über von ihm fiebrig halluzinierte „Machtinteressen“ auszukurieren, obwohl mehrere Politikwissenschaftler, Soziologen und Qualitätspresstituierte längst nachweisen konnten, dass es Machtinteressen nur woanders gibt.

Dank einem der in Hülle und Fülle vorhandenen Washingtoner Generalanzeiger in deutscher Sprache wurde es endlich amtlich: Lee Harvey Oswald, so stand’s bei „Welt Offline“, ist und bleibt der Meisterschütze, der das Leben des 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy, durch Schüsse aus einem klapprigen Gewehr beendete, mit dem Oswalds Zielgenauigkeit nachzustellen selbst einem Dutzend Elite-Scharfschützen des FBI einfach nicht gelingen wollte. Die Wahrheit ist aber viel einfacher, viel erschreckender: Sie hatten in der Nacht davor zuviel „Wodka Putin“ getrunken und zitterten deshalb sehr stark, erklärte das äußerlich Weiße Haus gegenüber Journalisten der Verblassungsmedien aus kontrolliert syndikalistischem Anbau. Die Federal Reserve feierte den Jahrestag der Ermordung ihres Widersachers mit weiteren Konfettikäufen in Milliardenhöhe.

Außerdem zelebrierte der deutsche Mainstream die Veröffentlichung des 100.000.000.000 Artikels zum Thema Rechtspopulismus, Populismus, Ismus, Mus. Das Foto über dem Artikel zeigte Geert Wilders und Marie Le Pen. Im Text hieß es – schlangenschleimiges kneipenintimes Kumpelgeschunkel mit dem Leser aus den demagogischen Fangzähnen spritzend – tja, deshalb falle es „uns“ auch so schwer, die Euro-Kritiker ernstzunehmen, denn sie seien eben nur eine Bande von Unruhestiftern und rechten Schreihälsen. Wie der Autor des Artikels, ein Poser vor dem Herrn beziehungsweise den Herrschenden und offizieller Münchhausen-Erbe i.A., auf die Idee kam, sämtliche Euro-Kritiker in einen Sack mit Wilders und Le Pen zu stecken und journalustig-warmluftrhetorisch dagegen zu hauchen, erklärte er nicht. Mein Gott, früher war Propaganda, so schlimme Folgen sie auch hatte, immerhin noch halbwegs clever gestrickt. Heute trägt sie geistige Schwerbeschädigtenausweise. Es macht einfach keinen Spaß mehr, wenn selbst ein toter Goldfisch die Absicht sofort erkennt. Wo bleibt da der Rätselspaß?

Im selben Zeitdung stellte man sich außerdem die Frage, wie lange die Fed noch die Regeln brechen könne. Die richtige Antwort lautet: Seit ziemlich genau einhundert Jahren und eben so lange, bis Agent Krugman bricht, wenn er zum Geldbrunnen geht. Und jetzt raten Sie mal, was man mir für solche Äußerungen an den Kopf werfen wird. Richtig: Ismen-Mus. Wenn du so weitermachst, Axel, wirst du dich eines Tages mit einer Yps-Erbsenpistole erschießen. Kurz darauf wird man in der abgebrannten Wohnung eine niegelnagelneue, gänzlich unversehrte DVD finden – mit einem Video, das dich beim Sex mit Paulchen Panther in Hakenkreuz-Bettwäsche zeigt. Der Abspann wird Wladimir Putin als Kameramann auflisten. „Das ist doch ganz großer Unsinn, es gibt in Deutschland keine politischen Morde. Das sind Verschwörungstheorien“, so Uwe Barschel unlängst im Interview mit der Online-Zeitschrift „jenseiten.de“.

2013 war auch wieder ein Himmelreich für den Boulevard. Eine Berufs-Ismatikerin warf Rainer Brüderle, FDP, Ismus vor. Das beanstandete () lag zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als ein Jahr zurück. Die Klammern sollten verdeutlichen, dass es in der deutschen Sprache kein Wort gibt, mit dem sich diese Art von Nichts beschreiben ließe. Man kann es nur andeuten und verzweifelt versuchen, einen sprachlichen Ausdruck für etwas zu finden, das gar nicht existiert. Zwar war die ismatische Erfinderin des Skandals im Plärrbezirk über die Annäherungsversuche Brüderles höchst erbost, vergaß jedoch beim Lackieren der Fingernägel ihre Wut. Als die FDP viele Monate später den geilen Bock zum Parteigärtner für die Bundestagswahl ernannte, fiel es ihr wie Schuppen aus den Haaren und mitten ins Dirndl: Da war doch was!? Der Chefredakteur des Magazins zahlte darauf nur geistigen Magerzins und erklärte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Ernennung Brüderles zum Spitzenkandidaten und der seltsamen, mehr als ein Jahr dauernden Amnesie seiner Mitarbeiterin. Dafür erntete er sogar kein Gelächter. Einige mit außerordentlich hohem Blutdruck gesegnete Femistalinistinnen gerieten darüber so aus der FAZung, dass sie gendermilitärische Umerziehungskommandos ins Männerlager schnalzten: „Ihr werdet euch nie  wieder mit einer Frau über ihre Brüste unterhalten, ob mit Alkohol oder ohne!“, so die Mutter aller Genderkriege nebst einiger Herren Professorinnen für männliche Verhaltensreinheit. Rrrrr, Frauen in Uniform sind so sexy! Zu diesem Zeitpunkt war Gustl Mollath übrigens noch NICHT frei. Komisch.

Die Renten könnten in Zukunft etwas geringer ausfallen, hieß es in deutschen Blättern. Schuld ist die „Iranische Elektronische Armee“. Sie hackte und plünderte die Pensionskassen.

Nazi-Raubkunstskandale gingen auch 2013 wieder Hand in Hand mit Hirnraub. Die permanente Fokussierung auf Teilbereiche unbewältigter brauner Vergangenheit hilft sicher auch ein bisschen bei der Nicht-Bewältigung ähnlich gefärbter Sümpfe der Gegenwart. Sollte also irgendjemand Angriffskriege führen wie Hein Blöd beziehungsweise früher nur der Gröfaz, parfürmiert man die Giftgas-Flatulenzen des sterbenden Reiches einfach mit freidemomenschenkraturrechtlichen Duftbäumchen und weist unermüdlich auf rechtsdrehende Ismen hin, bevor man sich dafür schämen und – Gott behüte! – beim Leser auch noch entschuldigen muss, trotz unermüdlich beschworener deutscher Vergangenheit Kriegswerbetrommeln gerührt zu haben wie früher nur gleichgeschalteter Zeitdung unter dem Doktor und dem lieben Schlachtvieh. Dabei wäre das alles eigentlich relativ leicht aufzuklären gewesen, hätte man doch nur ein Ohr an den maßgeblichen Marschryhthmus einer Außenpolitik gehalten, deren Taktschläge schon vor längerer Zeit vorgegeben wurden. Dazu ein kleiner Auszug aus einem Memorandum der „War & Peace Studies“ des „Council on Foreign Relations“ ans US- beziehungsweise Uns Außenministerium, 1941: „Wenn Kriegsziele formuliert werden, die sich einzig und allein auf den anglo-amerikanischen Imperialismus beziehen, dann werden diese den Menschen in der übrigen Welt wenig bedeuten. Stattdessen sollten die Interessen anderer Völker betont werden. Dies hätte eine weit bessere Propagandawirkung“. Klingt irgendwie Istisch. 

Wo es gerade um Ölinteressen und ein anderes markantes Datum des bald eine Stufe höherschaltenden  Jahreswahnsinns geht: Michail Chodorfeller – oder Rockekowski, kann mir den Namen nicht merken – wurde nach zehnjähriger Haft freigelassen und von Hans-Dietrich Genscher herzlich begrüßt, als kleine symbolische Geste, sozusagen. Denn wenn Genschman höchstpersönlich dem „Kreml-Kritiker“ (Der „Zerrspiegel“) aka Ölinteressen-Abnicker Michoil Standardowski die Hand schüttelt, ist das natürlich wie eine warme Dusche mit hochreinem Moralin. Was in der hiesigen Berichtbestattung zum Thema leider unterging: Chodorfeller sollte im Auftrag eben erwähnter anglo-amerikanischer, öliger Vorteilnehmerpolitik Russlands Vorräte am Schwarzen Gold möglichst günstig ausplündern. Nun ist das kein neues Verhalten, im Gegenteil, das haben sie ja schon immer so gemacht. Egal ob im Wettlauf mit dem britischen Empire um die Ölfelder des Mittleren Ostens oder – in den Jahrzehnten nach dem zweiten geopolitischen Hau-den-Lukas – beim Dauerkegeln um die Vorherrschaft über das  Mackinder’sche „Herzland“. Putin weiß das. Deutsche Bessermenschen nicht, weil sie zuviel Zeitdung lesen. Deshalb kann man sie auch so leicht emotional aufwiegeln und steuern, manipulieren und kontrollieren, diese Dummerchen. 

Alles NSAi machte auch der Mai. Die „National Security Agency“ entschuldigte ihr in den Fokus der Öffentlichkeit gerücktes Vorgehen, emsig unterstützt von Schläfern in der deutschen Presse, man wehre sich doch nur gegen Ismen beziehungsweise Isten. Was habt ihr denn? Hallo, die USA wurden und werden schließlich von der eigenen politischen und dynastisch-korporatistischen Elite wirtschaftlich angegriffen und sorgen sich um die Sicherheit ihrer globalen Hegemonie? Kapiert ihr das eigentlich nicht?

Einmal Baby Royal mit allem, bitte! Kommt sofort. His Royal Highness Prince William Arthur Philip Louis, Duke of Cambridge, Earl of Strathearn and Baron Carrickfergus, nahm einen Erben aus dem Schoß von Her Royal Hotness Catherine, Duchess of Cambridge, in Empfang. Weltweit quoll der Zeitdung über. Würden sie doch auch in andere Themen soviel Energie stecken.

Die kommunistische Führung Chinas soll die Abschaffung von Umerziehungslagern beschlossen haben. Also, den physischen. Die anderen dürften noch geöffnet bleiben. Also, die in den staatlichen Vermassungsmedien des Landes. Also, nicht nur den chinesischen. Wann die geschlossen werden – also, die ideologischen, politischen, zeitgeisttyrannischen, hypoerkorrekten und so weiter hüben wie drüben und überhaupt in aller Herren Länder – also, das bleibt vorerst offen.

Der Papst trat zurück. Gauck will nicht Sotschi lutschen. Eine Schlagzeile von 2012, „EU wünscht sich Wiederwahl Merkels“, wurde Wirklichkeit, unterstützt von Peer Steinbrück, den Grünen und einigen anderen Claqueren. Mir wird das alles langsam zu krude. Ich geh’ dann mal’n gutes Buch lesen, bis der kleinen Taschenlampe die Batterien ausgehen.


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