08. Januar 2014

Abtreibung Der Todeskampf der Kinder

Interview mit Abby Johnson

Abby Johnson war acht Jahre mit „Planned Parenthood Federation of America“ (PPFA) verbunden. Sie hatte als Ehrenamtliche angefangen und arbeitete bei der größten Abtreibungsorganisation Amerikas zuletzt als Leiterin einer Klinik in Bryan, Texas. Nachdem sie bei einer Abtreibung für einen Mitarbeiter einsprang, um den Ultraschallkopf zu halten, erschütterte sie während des Eingriffs das, was sie am Bildschirm mitverfolgte. Sie sah, wie das 13 Wochen alte Baby im Bauch der Mutter um sein Leben kämpfte und versuchte, vor den Abtreibungsinstrumenten zu fliehen. Diese Bilder brannten sich in ihren Kopf und nahmen sie so sehr mit, dass sie ihre bisherige Arbeit aufgab und sich seitdem aktiv für das Recht auf Leben einsetzt.

Abby Johnson, Sie haben viele Jahre für Planned Parenthood gearbeitet. Was waren Ihre Aufgaben als Direktorin?

Ich war für das ganze Personalwesen in meiner Einrichtung zuständig. Ich unterstützte die Ziele und versuchte, eine bestmögliche Statistik zu erhalten. Ich kümmerte mich um die tägliche Beaufsichtigung und dass jeder auf dem neusten Stand bezüglich der Protokolle und Behandlungsmethoden war, sowie um die Effizienz der Klinik und die Kundennachfrage.

Wie sind Sie zum ersten Mal mit PPFA in Kontakt getreten?

Ich wurde während meiner Collegezeit von einer Frau angesprochen, die auf dem Campus Volontäre für die Organisation suchte. Ich wusste zu der Zeit weder, was Planned Parenthood ist, noch bin ich jemals in einer solchen Einrichtung gewesen.

Nachdem Sie bei der Organisation als Volontärin gearbeitet haben, wurden Sie angestellt. Ich nehme an, dass die Arbeitsstelle gut bezahlt war. Warum haben Sie dann gekündigt?

Als ich bei der Abtreibung einer Frau den Ultraschallkopf hielt, war es das erste Mal, dass ich direkt bei einer Abtreibung mithalf. Ich sah am Monitor mit an, wie das Baby den Kampf um sein Leben durch die Hand des Arztes verlor. In diesem Moment wurde mir erst ganz klar, was Abtreibung war. In mir fand eine dramatische Wandlung statt. Verzweifelt und verwirrt suchte ich bei einer örtlichen Lebensschutzgruppe Hilfe. Ich schwor mir, dass dies für mich der Beginn ist, für das Leben im Mutterleib einzustehen und aufzudecken, was Abtreibung wirklich ist.

Gab es eine richtige Aufklärung über die geistigen, körperlichen und ethischen Probleme für Ärzte und Patienten?

Nein, nie. Uns wurde beigebracht, nicht über die Nebenwirkungen zu sprechen, weil wir damit den Frauen „Angst machen“ könnten.

Wie haben Ihre Familie und Ihr Freundeskreis reagiert, als Sie ein aktives Pro-Life-Mitglied geworden sind – oder ist das ein Thema, über das nicht gesprochen wird?

Sie waren alle sehr begeistert, weil sie schon ganz und gar für den Lebensschutz waren. Ich war die einzige, die zuvor eine Abtreibungsbefürworterin gewesen war.

Warum hat Ihr ehemaliger Arbeitgeber Sie verklagt? Könnte man sagen, dass aus Freunden Feinde geworden sind?

Ja, so könnte man das sagen. Ich musste mit ansehen, wie meine besten Freunde gelogen und gegen mich ausgesagt haben. PPFA verklagte mich vor allem, um an mir ein Exempel zu statuieren. Sie wollten ihre Mitarbeiter warnen, falls sie der Organisation den Rücken kehren und überlaufen würden. Sie würden sofort von Planned Parenthood vor Gericht gebracht werden.

Was denken Angestellte über Ihre Arbeit, wenn Sie in so einer Art von Geschäft sind?

Ich denke, dass viele von ihnen das nur als Job betrachten. Sie versuchen auszublenden, was sie wirklich machen, weil sie einfach einen Gehaltscheck brauchen. Einige glauben aber wirklich, dass sie Frauen damit helfen. Ich bin auch eine von denen gewesen, die das geglaubt haben. Dann gibt es aber auch diejenigen, die fanatische Befürworter der Abtreibung sind. Sie glauben nicht, dass Frauen mehrere Kinder haben sollten. Sie sind sogar dafür, dass jede Frau die Erfahrung einer Abtreibung machen sollte.

Sie sind die Gründerin der Organisation ATTWN. Die Buchstaben stehen für „And then there were non“. Können Sie uns diese kurz vorstellen und aufführen, was ihre Ziele sind?

ATTWN möchte all denen finanzielle, emotionale, geistliche und rechtliche Unterstützung anbieten, die die Abtreibungsindustrie verlassen wollen. Die emotionale Unterstützung ist vor allem in der Übergangsphase notwendig, aber es ist auch wichtig, dass wir den ehemaligen Arbeitnehmern finanziell für einen Monat zur Seite stehen. Wir schulen außerdem Gehsteigberater. Wir gehen mit ihnen vor Abtreibungskliniken, um mit den Angestellten der Klinik in einer ruhigen und einladenden Art und Weise direkt in Kontakt zu kommen. Außerdem wurde eine Gruppe von engagierten Freiwilligen gegründet, um im Gebet die Tragenden von ATTWN zu unterstützen. Sie glauben an die Mission von „And then there were non“ und haben einen tiefen Wunsch, dass sich die Mitarbeiter der Abtreibungskliniken wandeln. Unser Motto lautet „Keine Abtreibungsmitarbeiter, keine Abtreibungskliniken, keine Abtreibungen. Es beginnt mit den Mitarbeitern.“

Was würden Sie einem 15-jährigen schwangeren Mädchen empfehlen, das über eine Abtreibung nachdenkt?

Ich würde ihr empfehlen, dass sie sich nach einer Beratungsstelle in ihrer Nähe umschaut, wie wir sie zum Beispiel mit dem Pregnancy Resource Center in den Staaten haben. Frauen müssen alle Möglichkeiten während ihrer Schwangerschaft kennen und die Wahrheit über Abtreibung erfahren. Sie werden dort Unterstützung und Menschen finden, die sich um sie und ihr Baby kümmern werden.

Abby Johnson, vielen Dank für das Gespräch!

Planned Parenthood Federation of America ist mit über 820 Kliniken die größte gemeinnützige Organisation in dem Bereich  der Sexualmedizin, Gynäkologie, Partnerschaft und Familienplanung in den USA. Mit dem deutschen Verbund Pro Familia und der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung gehört PPFA dem Dachverband International Planned Parenthood Federation an, deren Sitz in London ist.

Dieses Interview erschien zuerst auf Firstlife.


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Autor

Marcel Urban

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