09. Januar 2014

Für die Freiheit der Homosexualität Wider das politische Schwulsein

Ein Plädoyer für Werte und Toleranz

Der folgende Artikel erschien gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in eigentümlich frei Nr. 125 im August/September 2012. Anlässlich des aktuellen seltsamen Kults um Thomas Hitzlspergers „Outing“ publizieren wir diesen Grundlagentext zum Thema hier auch online.

Homosexualität ist ein heikles Thema. Früher wurden solche Dinge verschwiegen. Selbst heute kann die Diskussion sexueller Orientierung zu Verstimmungen führen: So etwas sollte doch sicherlich intim und privat sein, oder? Doch Konservative setzen nicht den Ton in der öffentlichen Debatte. Und so ist Homosexualität wohl oder übel ein beliebtes Thema der politischen Diskussion geworden.

Homosexualität ist aber keine neue Erfindung. Zuneigung von Männern zu anderen Männern ist in menschlichen Gesellschaften und durch alle Zeiten so weit verbreitet, dass sie, obwohl sie heutzutage von einer Minderheit von Männern praktiziert wird, als ein natürliches Phänomen beschrieben werden darf. Interessant ist die Frage, ob eine der Homosexualität gegenüber offene Einstellung der Gesellschaft diese stärken wird, da die Leute, die anderenfalls ihre Triebe unterdrückt hätten, dies nun nicht mehr für erforderlich halten.

Obwohl Homosexualität im engeren Sinne nur in einer sehr kleinen Minderheit der Bevölkerung gefunden wird, ist es wahrscheinlich, dass die Zahl der Männer, die sich zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens zu anderen Männern hingezogen fühlen oder die damit experimentiert haben, sehr viel größer ist als der Kern der homosexuellen Bevölkerungsgruppe. Es ist schwer, genaue Zahlen zu bekommen, da nicht jeder sich seiner sexuellen Orientierung sicher ist, geschweige denn selbstsicher genug, diese mit Forschern zu diskutieren. Der 1948 zusammengestellte Kinsey-Report behauptete, dass 46 Prozent aller befragten Männer zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben sexuell auf andere Männer reagiert haben. Seither ist die in diesem Bericht eingesetzte Methodologie einschließlich der Auswahl der Gruppe der Befragten allerdings stark angezweifelt worden. Dagegen hat 2010 eine Umfrage der Regierung in Großbritannien einen schwulen Bevölkerungsteil von nur 1,5 Prozent ermittelt.

Der Grund, aus dem sich einige Männer – und Homosexualität ist wohl unter Männern weiter verbreitet als unter Frauen – zu anderen Männern hingezogen fühlen, ist letztlich ungeklärt. Die Schwulenbewegung scheint die Denkrichtung übernommen zu haben, dass die Gene verantwortlich sein müssen, was mit dem etwas bizarren Argument untermauert wird, dass es in der Tierwelt gelegentlich homosexuelles Verhalten gibt. Tatsächlich aber weiß es niemand wirklich: Ebenso wahrscheinlich führt die gegenwärtige Sozialpolitik, die dem Zusammenbruch von Ehen förderlich ist, bei Jungen, die ohne Vaterfiguren erzogen werden, zu einer sexuellen Verwirrung. Anders ausgedrückt erschwert das Scheitern einer Ehe die Übertragung des männlichen kulturellen Stereotyps. Es könnte auch eine Kombination von Gründen eine Rolle spielen. Einige Männer zum Beispiel sind erst später im Leben schwul geworden, was zur Frage führt, wie stabil die sexuelle Orientierung im Verlauf eines Lebens überhaupt ist.

Kulturelle Faktoren

Die christliche Kirche hat lange Zeit gegen die Homosexualität gewettert, während sie gleichzeitig eine beachtliche Organisation ist, in der homosexuelle Aktivitäten schon immer florierten. Bevor sich die christliche Kirche in die Kultur Westeuropas einbettete, war homosexuelles Verhalten in der Antike und insbesondere im römischen Reich und in Griechenland sehr viel weiter verbreitet, was darauf hindeutet, dass genetische Faktoren nicht der Schlüssel zur Erklärung von Homosexualität sind und dass soziale und kulturelle Faktoren die Haupteinflüsse menschlicher Sexualität sind. Es scheint, dass der genetisch vorgegebene Instinkt uns den Sexualtrieb gibt, ohne im Einzelnen festzulegen, welche Art von Menschen als sexuell attraktiv anzusehen ist.

Homosexualität als ein kulturelles Phänomen zu bezeichnen passt allerdings auch mühelos zur vorherrschenden Propaganda der „kulturellen Vielfalt“. Mit ihr wird versucht, die sozialen und kulturellen Normen westlicher Gesellschaften abzubauen. Anscheinend mit dem Ziel der Neuerschaffung einer Gesellschaft, die aus Menschen besteht, die kulturell nichts miteinander verbindet und die weitgehend vom Staat abhängig sind.

Griechische und römische Homosexualität war mit der Kriegerkultur eng verbunden. Homosexuelle Zuneigung wurde damals nicht als unmännlich angesehen. Es wäre grundfalsch, moderne Vorstellungen von schwuler Identität auf die Welt der Antike zu übertragen. Es gab keine schwule Identität, und interessanterweise war die häufigste Form homosexueller Beziehungen im antiken Griechenland diejenige zwischen einem älteren Krieger und einem Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. An der griechischen Homosexualität war nichts tuntenhaft. Wenn es für eine Gesellschaft möglich war, menschliche Sexualität radikal anders zu interpretieren als in der Gegenwart, kann man dann nicht argumentieren, dass alle kulturellen Normen im Wesentlichen willkürlich sind?

Zweifelsohne hatte die christliche Darstellung von Sexualität eine erhebliche Auswirkung auf die westliche Kultur. Obwohl Heterosexualität im Verlauf der Geschichte die Norm war, waren auch homosexuelle Handlungen unter einer Minderheit immer Teil der gesellschaftlichen Normalität. Jeder Versuch, auf legalem Weg eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich alle Männer an die heterosexuelle Norm hielten, mündete in einer Ablehnung der Realitäten. Ganz abgesehen von homosexuellen Zuneigungen in den höchsten Schichten der Gesellschaft – man denke in England etwa an Richard Löwenherz, Eduard II. und Jakob I. – ist Homosexualität seit Jahrhunderten unter englischen Schülern an privaten Internaten eine weitverbreitete Praxis gewesen. Daher sprach Roger Scruton in seinem Buch „England: An Elegy“ von der „homosexuellen Natur der englischen Kultur“. Könnte nicht, ist deshalb zu fragen, ein traditionalistischer Ansatz gefunden werden, der die Rolle der Kirche, ihrer Architektur, Liturgie, Musik und ihrer Werte als wichtigen Teil unserer Kultur anerkennt, während gleichzeitig bemerkt wird, dass Verbote gegen harmloses privates Verhalten abgemildert werden müssen, besonders im Hinblick auf staatliche Zwangsmaßnahmen?

Entkriminalisierung

Was auch immer schließlich bei der Suche nach genetischen Ursachen der Homosexualität herauskommt und unabhängig davon, ob die kirchlichen Lehren über dieses Thema richtig sind oder nicht: Homosexuelle haben inzwischen fast alles bekommen, was sie wollten.

Gesetze gegen homosexuelle Handlungen hat es in England interessanterweise nicht schon immer gegeben. Vor dem „Buggery Act“ von 1533, der Analsex, aber nicht alle homosexuellen Handlungen kriminalisierte, und als Strafe den Strang vorgab, wurden Analverkehrfälle vor Kirchengerichten verhandelt. Wenig weist darauf hin, dass es damals irgendwelche ernsthaften Versuche gab, homosexuelles Verhalten auszurotten. Im Mittelalter waren die Leute im Alter natürlich abhängig von ihren Kindern, und in einer weitgehend landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft ohne Rente und andere moderne Finanzierungsmittel war Homosexualität als öffentlicher Lebensstil, im Gegensatz zu heimlichen Handlungen, die von sich ansonsten an die allgemeinen Normen des Familienlebens haltenden Menschen vorgenommen wurden, undenkbar.

Die Zahl der Menschen, die wegen Analverkehr hingerichtet wurden, ist notwendigerweise klein, da üblicherweise die Beweise fehlten. 1861 wurde die Todesstrafe für Analverkehr abgeschafft. 1885 weitete ein Gesetz des Parlaments die Gefängnisstrafe von Analverkehr auf alle homosexuellen Handlungen aus. Nicht alle Konservativen scheinen zu erkennen, dass homosexuelle Handlungen nur 82 Jahre lang illegal waren. Daher ist es nicht wirklich traditionalistisch, die Abschaffung des Gesetzes von 1885 zu bedauern. Müssen aber Liberale oder Libertäre auf der anderen Seite die Homosexualität unterstützen? Ich glaube nicht, dass man libertär sein kann, ohne gegen die Kriminalisierung von Homosexualität zu sein. Aber gleichermaßen kann man auch nicht freiheitlich sein, ohne gegen die Kriminalisierung der Kritik an Homosexualität zu sein.

Das Recht anderer, Homosexualität zu missbilligen, wurde im Verlauf der Parlamentsdebatte über die Entkriminalisierung der Homosexualität im Jahr 1967 erwähnt, als der Earl von Arran, ein Unterstützer des Gesetzentwurfs, sagte: „Ich bitte jene, die sozusagen in Gewahrsam waren und denen die Gefängnistüren nun geöffnet werden, ihre Dankbarkeit zu zeigen, indem sie sich ruhig und würdig benehmen. Dies ist kein Anlass zum Jubel; ganz sicher nicht zum Feiern. Jegliches demonstrative Verhalten, jegliches Paradieren jetzt oder in Zukunft, wäre gänzlich geschmacklos und ließe, so glaube ich, die Unterstützer des Gesetzentwurfs bereuen, was sie getan haben. Homosexuelle müssen weiterhin daran denken, dass, obwohl es an der Homosexualität nichts Schlechtes gibt, es sicherlich nichts Gutes an ihr gibt. Damit die Gegner des Gesetzentwurfs nicht denken, dass eine neue Freiheit, eine neue privilegierte Klasse geschaffen worden ist, möchte ich Sie daran erinnern, dass noch so viele Gesetze nicht verhindern können, dass Homosexuelle das Ziel von Missfallen und Spott sein werden, oder bestenfalls von Mitleid. Wir werden immer, so fürchte ich, Abneigung dem Außenseiter gegenüber empfinden. Das ist über alle Zeit hinweg ihre Bürde, und sie müssen sie wie Männer schultern – denn sie sind Männer.“

Adoption und eingetragene Lebenspartnerschaften

Entkriminalisierung bedeutete nicht, zumindest erst einmal nicht, dass Homosexualität in allen Bereichen des Lebens zu unterstützen war, geschweige denn, dass Widerspruch gegen Homosexualität zu kriminalisieren war. Dennoch hat sich die Schwulen-Agenda mehr oder weniger auf die von Lord Arran befürchtete extreme Weise entwickelt, nach der die Unterstützer des Gesetzes von 1967 deswegen ihre Tat bereuen würden. Heute können homosexuelle Paare – oder, schlimmer noch, alleinstehende homosexuelle Individuen – Kinder adoptieren. Darüber hinaus wird ein Widerspruch gegen solche Adoptionen von biologischen Eltern der in Pflege genommenen Kinder ignoriert. Eingetragene Lebenspartnerschaften sind eine weitere Entwicklung, die gesellschaftliche Normen zu untergraben scheint. Und jetzt redet die Regierung davon, Schwulenehen einzuführen, als ob die Ehe ursprünglich nicht von Anfang an ein religiöses Konzept war.

Die vergessenen Subjekte von solcherlei Staatseingriffen sind die Kinder. Es gibt wenig Beweise dafür, dass die Erziehung von Kindern in neuartigen und innovativen Haushalten gut für sie ist: Ich bestreite nicht, dass in Fällen, wo ein Elternteil stirbt, der überlebende Partner oft ein guter Erzieher ist. Aber eine Politik, die keine Mühen scheut, Familieneinheiten aus einem Alleinerzieher mit adoptierten Kindern zu schaffen, scheint weltfremd und idealistisch zu sein. Vorausgesetzt, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, und dass Väter und Mütter Unterschiedliches in die Familie und die Kindererziehung einbringen, habe ich Mitleid mit einem Kind, das unter Anordnung des Staates von zwei Männern oder zwei Frauen adoptiert wird, nur um ein politisches Zeichen zu setzen. Viele dieser Kinder werden unbeschadet aufwachsen. Aber wäre es nicht vernünftiger, alle Adoptivkinder in einem natürlichen Familienumfeld mit einem Vater und einer Mutter unterzubringen?

Was eingetragene Lebenspartnerschaften betrifft, so wird argumentiert, dass Verheiratete vom Steuer- und Erbrecht anders behandelt werden als Alleinstehende, und dass Männer in stabilen Beziehungen deshalb etwas benötigen, mit dem verhindert wird, dass sie als Alleinstehende behandelt werden. Wir sollten tatsächlich Verständnis haben für die Idee, dass Leute, die sich aneinander gebunden haben, die Möglichkeit haben, sich als Steuergemeinschaft einzutragen. Obwohl es eigentlich wichtiger wäre, die Lohn- und Einkommenssteuer ganz abzuschaffen, wodurch sich die meisten Fragen dieser Art auch erübrigen würden. Entsprechend könnten die eingetragenen Lebenspartnerschaften beibehalten werden, obwohl vom Staat organisierte Zeremonien, die eine Hochzeit kopieren wollen, besser abzuschaffen wären. Eine eingetragene Lebenspartnerschaft sollte als schlichtes Antragsformular in die Post gehen. Wenn die beteiligten Individuen ein Fest feiern wollen, dann sollte es ihnen überlassen sein, eines zu organisieren.

Das Problem ist die Position des Staates: Nachdem die Eheschließung der Kirche entzogen und in einen staatlichen Hoheitsakt verwandelt wurde – worauf eine standesamtliche Trauung und die Rolle des Staates beim Vollzug der Scheidung hinausläuft – kann man sagen, dass die heterosexuelle Ehe auf den Status degradiert wurde, der jetzt von eingetragenen Lebenspartnerschaften eingenommen wird. Denn bei der Eheschließung geht es nicht darum, eine Steuereinheit für die staatlichen Steuereinnahmen zu werden; in christlicher Theologie werden Mann und Frau vielmehr „ein Fleisch“. Obwohl sie ursprünglich nicht miteinander verwandt sind, macht die Ehe aus ihnen einen Leib, Verwandte, ein für die Geburt von Kindern passendes Umfeld. Zwei Männer können nicht auf diese Weise „ein Fleisch“ werden, eben weil sie zusammen keine Kinder haben können. Entsprechend ist die Ehe ein Gelübde im Angesicht Gottes. Welche Meinung man auch immer über die Existenz oder Nichtexistenz Gottes hat: Die Eigenschaft eines Gelübdes ist, dass es nicht aufgehoben werden kann – weder von der Kirche, noch vom Staat. Ein feierliches Gelübde, und hierzu gehören auch der Krönungseid sowie justizielle und politische Amtseide, bindet ein Individuum ein Leben lang. Zu behaupten, dass der Staat ein Paar „scheiden“ kann, führt das Gelübde ad absurdum. Es bedeutet, dass das Paar die ganze Zeit nicht wirklich „ein Fleisch“ war. Eine standesamtliche Trauung ist deshalb auch lediglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft.

Das Problem des Konstrukts „Schwulenehe“ ist, dass der Staat niemanden in „ein Fleisch“ verwandeln kann. Wenn sie in einer Kirche zu heiraten wünschen, feierliche Gelübde ablegen wollen, die einem möglicherweise existierenden höchsten Wesen etwas bedeuten oder auch nicht, dann kann der Staat solche Gelübde nicht für nichtig erklären. Wenn aber lediglich „im Angesicht des Staates“ zu heiraten gewünscht wird, sollten ein Mann und eine Frau ein Antragsformular für eine eingetragene Lebenspartnerschaft an die Regierung schicken, wie weiter oben dargestellt, oder, genau wie es zwei Männer können, in einem Standesamt in eine eingetragene Lebenspartnerschaft eintreten.

Niedermachen abweichender Meinungen

Was aber ist mit der Staatsgewalt mit dem Zweck, Opposition gegen Homosexualität niederzumachen? Dies scheint heute mit viel mehr Entschlossenheit stattzufinden als die vor 1967 seltene Anwendung des Gesetzes gegen homosexuelle Handlungen. Die Verbreitung von Vorstellungen politischer Korrektheit hat Leute in „Toleranzmaschinen“ verwandelt, in Leute also, die nur Meinungen haben, die für sie vom Staat vorgefertigt wurden, und die nichts anderes tun dürfen, als diese in Medien und im Bildungssystem wiederholten Meinungen wiederzugeben. Menschen, denen Homosexualität instinktiv zuwider ist wie dem Autor der Lesbianismus, sollten aber keine Schuldgefühle haben, wenn sie dies äußern.

Sämtliche Gesetze, deren Zweck es ist, die Akzeptanz von Homosexualität zu erzwingen, sollten abgeschafft werden. Im Jahr 2011 wurden zwei schwulen Männern 3.600 Pfund Schadensersatz zuerkannt, nachdem sie von einem Gästehaus in Cornwall abgewiesen wurden. Und das war kein Einzelfall. Solche „Diskriminierung“ ist illegal und es scheint, als hätten schwule Männer eine Lizenz zum Kassemachen. Sie müssen lediglich in Erfahrung bringen, dass die Eigentümer eines Gästehauses Christen sind.

Antidiskriminierungsgesetze sind ein fundamentaler Bestandteil des Versuchs, per Zwang eine multikulturelle Gesellschaft zu erschaffen. Dennoch haben Eigentümer, insbesondere im Fall von Familienunternehmen, das Recht – das moralische, wenn auch nicht das legale Recht – Kunden ihre Dienste auf einer von ihnen gewünschten Grundlage anzubieten.

Militär und Kirche

Ein interessantes Thema ist Homosexualität in den Streitkräften. Als männlich dominierte Organisationen sind Streitkräfte wie die Kirche historisch ein Ort der Beschäftigung von Homosexuellen. Homosexuelle Aktivität zwischen Seemännern ist nichts Neues. Aber was sollten die offiziellen Richtlinien der Streitkräfte hinsichtlich der Beschäftigung Homosexueller sein?

In extremen Situationen wie zum Beispiel im Krieg sollten alle Mitglieder der Gesellschaft bereit sein, diese zu verteidigen. Das ist es doch, was Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft bedeutet. Die Behauptung, schwule Männer könnten nicht für das Land kämpfen, ist absurd: Im Krieg wird man wohl kaum die Wahl haben.

Ich sehe jedoch keinen Grund, weshalb zur militärischen Disziplin von Angehörigen der Streitkräfte nicht die Einhaltung von Anstandsregeln gehören sollte. „Tuntiges“ Verhalten oder ständige obszöne Diskussion von schwulem Sex in Kasernen von einer Art, die geeignet ist, Anlass zum Ärgernis zu geben, sollte als eine Zuwiderhandlung gegen die Militärdisziplin angesehen werden. Armeeoffiziere müssen in der Lage sein, darauf zu bestehen, dass der öffentliche Anstand jederzeit aufrechterhalten wird und dass aus solchen Angelegenheiten kein Streit zwischen Soldaten entsteht.

Und die kirchliche Homosexualität? Da die Kirche, insofern sie eine Kirche ist und kein Transmissionsriemen für modische politische Propaganda, ihren Lehren treu bleiben muss, die Jahrtausende alt sind, gibt es keinen Grund, weshalb Priester, die öffentlich ihre Homosexualität bekunden, nicht ihres Amtes enthoben werden sollten. Wenn sie schwul sind, warum versuchen sie dann, die Kirche zu untergraben, indem sie ihr beitreten, nur um sich über ihre Gebote hinwegzusetzen? Das Predigen von Rechten Homosexueller von der Kanzel sollte zum schnellen Fenstersturz des Pfarrers führen. Dessen ungeachtet ist die Akzeptanz, dass viele Priester homosexuell sind, angemessen angesichts der Tatsache, dass viele Kirchenlehren nicht länger als historische oder wissenschaftliche Wahrheit haltbar sind. Das bedeutet, dass wir nicht im Privatleben eines Pfarrers herumstochern sollten, um herauszufinden, ob er schwul ist. Und wenn ohne sein aktives Zutun sein Schwulsein bekannt wird, dann wäre es logisch, dies zu ignorieren. Wie bei den Streitkräften gibt es kaum einen Grund, eine Hexenjagd loszutreten, solange der öffentliche Anstand gewahrt wird.

Metrosexuelle Kerle

Interessanterweise werden die Umrisse der Sexualität unschärfer, je mehr sie politisiert wird. Im Westen  scheinen die Frauen ihre Weiblichkeit zu verlieren, während die Männer immer weniger maskulin werden. Ein Beispiel ist das Phänomen der „Metrosexualität“, für das der Fußballspieler David Beckham ein Muster abgibt. Junge heterosexuelle Männer sorgen sich heutzutage mehr um ihr Äußeres als zuvor, haben mehr Crèmes und Lotionen in ihren Badezimmerschränken und gehen der eher unmännlichen Gewohnheit des Rasierens der Körperbehaarung nach. Früher wären solche Dinge als weibisch betrachtet worden. Wer sich in örtlichen Fitnessstudios umsieht, dem wird rasch klar, dass viele der jüngeren Männer ziemlich feminin oder sogar verweiblicht aussehen.

Die Tage, als Heterosexualität rohe Männlichkeit bedeutete, sind lange vorbei. Man könnte argumentieren, dass eine gleichgültige Bevölkerung, die dem Staat erlaubt, ihre Ansichten über Rasse, Kultur und Sexualität zu bestimmen, unmännlicher ist als zuvor. Aus diesem Grund allein schon könnte man annehmen, dass der Niedergang der Männlichkeit beklagenswert ist. Hätten echte Männer die Bombardierung ihrer Kinder im Grundschulalter mit Propaganda über Analsex zugelassen?

Mit einem Blick auf das antike Griechenland, wo homosexuelle Beziehungen nicht als Beeinträchtigung der Männlichkeit betrachtet wurden, eröffnet dies die spannende Perspektive einer Neudefinition von Männlichkeit. Wenn viele Hetero-Kerle sehr viel mehr verweiblicht sind als einige schwule Männer, wer sind dann die wirklichen Schlappschwänze? Interessant ist, was Jack Donovan dazu denkt, ein amerikanischer „Androphiler“ – ein Mann, der Männer mag –, der sich aber nicht mit der Schwulenkultur identifiziert. Das Wort „schwul“, sagt er, ist problematisch, weil es politisch aufgeladen ist, als früher Versuch, der Homosexualität eine neue Identität zu verpassen. Die schwule Kultur, die darum herum geschaffen wurde, scheint schwule Männer als weich, sentimental und weibisch zu kategorisieren, etwas, womit homosexuelle Handlungen im antiken Griechenland nicht verbunden wurden.

Ein Blick in die Szene der Schwulenklubs jedoch offenbart Kerker, Leder und Ketten, und man kann auch die Frage stellen, ob Analsex – nicht die einzige Form schwulen Sexes, sollte man hinzufügen – wirklich zum weibischen Stereotyp passt: Ist dies nicht der urtümlichste Sex überhaupt, ein Sex im animalischen Sinn? Jack Donovan erklärt seine Idee folgendermaßen: „Schwul war nie lediglich eine Beschreibung für Homosexualität. Schwul ist eine Subkultur, eine Beleidigung, ein Satz von Gesten, ein Slang, ein Blick, eine Pose, ein Filmgenre, ein Musikgeschmack, eine Frisur, eine Marketing-Zielgruppe, ein Aufkleber, ein politisches Programm und eine philosophische Sichtweise. Schwul ist eine vorverpackte, oberflächliche Persönlichkeit – ein Lebensstil. Es ist eine sexuelle Identität, die fast nichts mit Sexualität zu tun hat. Androphilie ist eine Absage an die überladene schwule Identität und eine Rückkehr zur Diskussion von Homosexualität im Sinne von Begierde. Schwule Empfindsamkeit ist eine fast unbewusste Übernahme einer kastrierenden Verleumdung, die pausenlose Zelebrierung eines uralten, entmannenden Stigmas, das Männer verpasst bekommen, die homosexuellen Handlungen nachgehen. Schwule und radikale Tunten meinen, dass sie den Status quo herausfordern, aber indem sie sich das Stigma der Verweichlichung aneignen, passen sie sich lediglich traditionellen Erwartungen an und bestätigen sie. Homosexuelle Männer sind paradoxerweise als Feinde der Männlichkeit dargestellt worden – Sklaven des feministischen Luftschlosses einer gender-neutralen (sprich: anti-männlichen, pro-weiblichen) Welt. Androphilie ist ein Manifest voll von gefährlichen Ideen: Dass Männer mit Männern Sex haben und ihre Männlichkeit bewahren können, dass Homosexualität die Verfechtung einer Männlichkeit sein kann statt ein Angriff auf sie, und dass das von der schwulen Gemeinschaft verachtete Konstrukt der Männlichkeit das Leben von homo- und bisexuellen Männern tatsächlich bereichern und verbessern könnte. Androphilie ist für jene Männer, die der Schwulengemeinde nie abgenommen haben, was diese ihnen verkaufen wollte. Sie fordert dazu auf, die Welt der Schwulen vollständig hinter sich zu lassen und ohne sich zu entschuldigen zur Welt der Männer zurückzukehren. Als Androphile, aber wichtiger noch, als Männer.“

Wie auch immer Jack Donovans Vorstellungen von Männlichkeit und Androphilie sich zukünftig verbreiten mögen, ist es nicht zumindest möglich, dass der Zusammenhang von Heterosexualität und Maskulinität zusammenbricht? Es wäre interessant, das Endergebnis zu sehen. Ein Wiederaufleben der Männlichkeit in der Gesellschaft wäre gut für Männer aller sexuellen Orientierungen. Denn es ist durchaus glaubwürdig, dass die eingangs erwähnten 46 Prozent aller Männer zu irgendeinem Zeitpunkt sich tatsächlich zu einem Mann hingezogen fühlten. Die Unattraktivität der durchschnittlichen westlichen Frau mag dabei eine Rolle spielen. Ganz sicher experimentieren mehr junge Männer mit Sex mit Männern, als tatsächlich schwul werden.

Die AIDS-Panik hatte einen großen Einfluss auf die Schwulen-Kultur. Aber wahr ist auch: Die Verwandlung der Schwulengemeinde in ein Vehikel der AIDS-Propaganda und der Verteilung von Kondomen repräsentiert ein gutes Stück der verweichlichten Kultur des Schwulseins. Echter Sex, ob zwischen Männern und Frauen oder zwischen zwei Männern, ist einer ohne Gummieinsatz. Entsprechend müssen schwule Männer, um männlicher zu werden, sich von den eigennützigen Interessen der AIDS-Industrie und der mit ihr verbundenen politisch korrekten Propaganda trennen. Und schwule Männer müssen aufhören, eine Art Unterstützergruppe für Staatskontrolle zu sein. Echte Männlichkeit schließt den Applaus für die Äußerung echter Meinungen von echten Kerlen ein, einschließlich solcher, die gegen Homosexualität sind. Den Staat zur Hilfe zu rufen, um Auseinandersetzungen zu gewinnen, ist unmännlich, und lässt alle schwulen Männer tendenziell als eine Gruppe von memmenhaften Extremisten erscheinen, die für ständige Eingriffe des Staates zugunsten ihrer Interessen eintreten.

Führenden Aktivisten der Schwulenszene, die mehr Antidiskriminierungsgesetze und strengere Strafen für Andersdenkende fordern, fördern gerechterweise nur Vorurteile gegen Homosexuelle. Die meisten schwulen Männer, die der Autor dieser Zeilen getroffen hat, sind gegen die Schwulenehe und gegen die Adoption von Kindern durch Homosexuelle. Auch Jack Donovan hat sich gegen die Schwulenehe ausgesprochen: „Wie sehr auch die Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe meinen, diese sei gut für Homosexuelle, im Wesentlichen ist sie ein Versuch, das kulturelle Primat der reproduktiven Familie zu untergraben. Schwule lassen für sich den Gedanken nicht zu, dass dies das Todesurteil für Zivilisationen ist, und dass die Gesellschaft ein rationales Interesse daran hat, vor allen anderen Möglichkeiten große, patriarchalische Familien zu fördern. Die Vorstellung, dass Männer und Frauen um jeden Preis von sich aus irgendwie die Last der Aufzucht einer großen Familie auf sich nehmen werden, bei Abwesenheit eines kulturellen Apparats, der sie ermutigt oder fördert, ist schlicht absurd und mit der Geburtenrate in Europa unterhalb des Ersetzungsniveaus als falsch erwiesen. Kulturen, die reproduktiven Familien nicht den höchsten Wert beimessen, sterben aus. Ihre Bevölkerung wird von Kulturen ersetzt, die das Gegenteil tun. Dies findet in Europa statt, und es findet in den USA statt. Während alternative Lebensformen nicht offen verachtet werden müssen, und sie irgendeine Art von angemessener Aufnahme verdienen mögen, ist es nicht im besten Interesse der westlichen Zivilisation oder irgendeiner Zivilisation, reproduktive und nichtreproduktive Sexualität moralisch oder institutionell gleichzusetzen. Reproduktive Sexualität ist ein unverzichtbarer Baustein einer Zivilisation; sie dient der Gesellschaft als ganzer. Nichtreproduktive Sexualität ist im Grunde nur ein Wohlfühlmittel.“

Eine libertäre Antwort

Es ist etwas dran an der Vorstellung, dass Homosexualität symptomatisch für den Niedergang des antiken Rom war. Es gibt keine direkte Verbindung zwischen diesen beiden Dingen, aber Römer, die sich in Badehäusern räkelten und dem Sex nachgingen, führten ein zu verweichlichtes Leben. Kein Wunder, dass sie durch die Hand der Barbaren zu Fall kamen. Brot und Spiele – und Sex – erzeugten ein Bild der Verkommenheit, das von Christen über die Jahrhunderte verurteilt wurde. Man kann vertreten, dass unsere Gesellschaften heute denselben verweichlichten, verweiblichten sozialen Trends zum Opfer gefallen sind. Der Wohlfahrtsstaat, Scheidung und der Zusammenbruch der Familie, Anspruchsdenken und die Sexualisierung der Hauptstromkultur bilden alle einen Teil unseres gesellschaftlichen Niedergangs ab.

Man könnte argumentieren, dass Homosexualität, indem sie das Ziel eines bedingungslosen Sexes schuf, die allgemeine Kultur verdorben hat. Heutzutage sind Nachtclubs voll mit Männern und Frauen in ihren 30ern und 40ern, die noch immer mitspielen wollen. Früher hätten sie auf ihre Kinder zu Hause aufgepasst. Für schwule Männer ohne Kinder ist dies offensichtlich eine Option, aber wenn Männer und Frauen mit Kindern denselben freizügigen Lebenswandel versuchen, hat dies eine Vielzahl negativer sozialer Konsequenzen. Eine gute Antwort darauf wäre die Abschaffung aller Staatssubventionen für Familienzusammenbrüche, einschließlich der Wohlfahrt für unverheiratete Mütter. Wenn die Leute Kinder haben wollen, müssen sie die damit verbundene Verantwortung übernehmen.

Allerdings: So wie römische Verkommenheit nur in der Endzeit des Imperiums ein Problem war, wäre es unrichtig, in der Homosexualität immer die Ursache für den Niedergang einer Gesellschaft zu sehen. Sex zwischen Männern war kaum die direkte Ursache für den Zerfall des römischen Reiches. Er war zeitweise ein Faktor, der zur Stärkung der Gesellschaft beitrug, indem er Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Mitgliedern der Kriegerklasse stärkte. Heute sind unsere Gesellschaften zu weich. Der Niedergang der Männlichkeit hat viele Ursachen, aber Homosexualität als solche ist nicht entmannend.

Somit sollte das Recht auf schwulen Sex unterstützt werden. Gleichzeitig sind illiberale Versuche zu kritisieren, Widerspruch abzuschalten und die Akzeptanz von Homosexualität zu erzwingen. Die Homosexualität besaß mit dem Niederreißen gesellschaftlicher Tabus und dem Verstoßen gegen soziale Normen zumindest bis in die späten 1980er Jahre hinein eine beträchtliche Aura an Wagemut. Die Neuerfindung von Homosexualität als lediglich ein weiterer Weg, mit dem der Staat versucht, die Bevölkerung einzuschüchtern, hat die homosexuelle Erfahrung ihrer Kühnheit beraubt: Ist es ein Wunder, dass heute Männer, die Männer mögen, in einer politisch korrekten Gesellschaft zuweilen die Führung darin übernehmen, in anderen Bereichen unaussprechliche Dinge zu sagen?

Wir sollten weniger junge Männer haben, die sich die Schamhaare rasieren und die Haupthaare gelen, und mehr junge Männer aller sexuellen Orientierungen, die auf ihrem Recht bestehen, zu sagen und zu denken, was sie wollen. Ein freies Land wäre ein Land für echte Männer!      


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Autor

David J. Webb

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