09. Januar 2014

Putin Der Zwist um die Weltinsel

Sotschi als Bühne

Putin „der Schreckliche“  macht klar zum Entern. Zum wiederholten Male. Schon im August 2013 drohte er mit dem Messer zwischen den Zähnen. In einem Dringlichkeitsmemorandum warnte er Barack Obama, mit einem „massiven Militärschlag“ gegen Saudi-Arabien zu antworten, falls die NATO-Staaten Syrien angreifen würden. Schon damals soll eine Drohung der Saudis gegenüber Russland im Raum gestanden haben, vor und während der kommenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi mittels tschetschenischer Terroristen, welche unter saudischer Kontrolle stünden, für „Tod und Chaos“ zu sorgen. Damals soll der der saudische Prinz Bandar bin Sultan, aufgrund seiner hervorragenden Kontakte zu neokonservativen Kreisen in den USA auch Bandar Bush genannt, diese Botschaft persönlich überbracht haben, wie der britische „Telegraph“ berichtete.

Doch der drohende Flächenbrand konnte zunächst vermieden werden. Vieles deutet darauf hin, dass die militärische Eskalation vor allem dank Putins und Assads Entgegenkommen und der daraufhin beginnenden Abrüstung in Syrien verhindert werden konnte. Doch Friedensengel sind auch sie nicht.

Das Säbelrasseln geht in diesen Tagen weiter. Der KGBler aus dem Kreml droht aktuell erneut mit einem Militärschlag gegen Saudi-Arabien, den wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten. Wie die iranische Nachrichtenagentur „Fars“ berichtete, erklärte Putin die Untersuchung der vergangenen Terroranschläge in Wolgograd für beendet. Schließlich seien sie „den Anschlägen im Libanon, Syrien und im Irak überaus ähnlich.“ Aus seiner Sicht steht fest, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht. Und „wir werden den Verbrechern keine weiteren Gelegenheiten zur Durchführung ihrer Aktionen geben, denn unsere Antwort wird schon bald die Landkarte des Nahen Ostens verändern.“ Grundlage für Putins Überzeugung ist ein Bericht des Chefs des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB Alexander Bortnikow. Nach dessen Einschätzung wurde einer der Anschläge von einem Terroristen verübt, der zuvor Mitglied einer von Saudi-Arabien unterstützten Terrorgruppe in Syrien gewesen sein soll.

Haben die Saudis ihre Drohungen damit in die Tat umgesetzt, obwohl Putin einlenkte? Ungewiss. Fest steht nur, dass Krieg, Terror und Tod auch weiterhin Optionen für alle Machtblöcke auf dem Erdenrund und ihre Totalitäten sind. Während der Bürgerkrieg in Syrien, nicht zuletzt auch mit massiver Unterstützung der USA und ihrer Verbündete von der arabischen Halbinsel, unvermindert weitergeführt wird und die Konfliktherde im gesamten Nahen Osten weiter schwelen, wird die Rhetorik aller Parteien brachialer. Russland und auch China, das im Pazifik die Zähne fletscht, sehen sich mittlerweile einem geschwächten Kontrahenten gegenüber, der kaum in der Lage scheint, seine innenpolitischen Konflikte zukünftig noch im Zaume halten zu können. Die keinesfalls gelöste monströse Schuldenproblematik, eine größenwahnsinnige, nicht umsetzbare Gesundheitsreform, die mittels staatlicher Interventionshybris nicht zu bremsende Verarmung der eigenen Bevölkerung und die Pleiten von ehemals blühenden Großstädten zeigen schon seit geraumer Zeit, wohin die Reise gehen wird. Vor dem Hintergrund solcher Problematiken wird sich Barack Obama den drohenden Aggressionen aus China und Russland kaum erwehren können. Zwei Gewaltmonopole aus dem Osten wittern Morgenluft. Und auch Obamas Militärmacht wird es wahrscheinlich kaum verhindern können, dass sich die Kräfteverhältnisse auf der „Weltinsel“ (Halford Mackinder) schon in naher Zukunft entscheidend verändern werden.


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