13. Januar 2014

Medienzirkus um Hitzlsperger Das Maß der Indoktrination ist voll

Bärendienst an Schwulen und Lesben

„Auch bei Maybrit Illner waren alle einer Meinung“, stellt Daniel Meuren in der „FAZ“ zum Thema Hitzlsperger fest. Meuren findet das auch gut so. „Selbstredend“, so Meuren, dürfe „ein öffentlich-rechtlicher Sender einer kontroversen Ansicht zu diesem Thema keine Bühne bieten“. Gesinnungspolizist Meuren weiß auch, warum: „Thomas Hitzlsperger hat sich ein halbes Jahr nach Ende seiner Fußballkarriere als erster ehemaliger National- und Bundesligaspieler öffentlich als homosexuell geoutet. Und das ist gut so. Punkt.“ Meurens umschriebene, aber doch unverhohlene Forderung nach Zensur und Mundhalten kennzeichnet den Feldwebel-Ton, mit dem die politisch korrekte Hitzlsperger-Konsenssauce mit aller Macht verteidigt werden soll. Das ist erstaunlich für eine Diskussion, deren Meinungsführer sich ständig Werte wie „Toleranz“ und „Demokratie“ auf die Fahnen schreiben. Dabei muss man noch nicht einmal Herrn Hitzlsperger kritisieren, um den Medienrummel völlig unangemessen zu finden. Doch der mediale Umgang mit der Hitzlsperger-Diskussion und vor allem der Umgang mit Kritikern zeigen deutlich, dass der Satz von Montesquieu in Deutschland brandaktuell ist: „Dort, wo es keine sichtbaren Konflikte gibt, gibt es auch keine Freiheit.“ Denn Deutschland ist eine Republik, in der diese gesellschaftlichen Konflikte ständig mit dem Mittel der subtilen Einschüchterung und Diffamierung („Homophobie“) zugekleistert werden. Dabei werden Andersdenkende mit dem linken Kunstbegriff „Homophobie“ in bester totalitärer Tradition pathologisiert, anstatt wenigstens das normale Wort „Homosexuellenfeindlichkeit“ zu benutzen.

Gerechtfertigt wird der Medienrummel mit dem Argument, dass die Schwulenfeindlichkeit eben ein so allgegenwärtiges und grauenhaftes Problem sei, dass es eben sehr wohl sensationell sei, wenn ein ehemaliger Fußballspieler sich zu seiner Homosexualität bekenne. Doch wie sehen denn die Zahlen und Fakten über die angeblich schwulenfeindliche Gesellschaft aus? 87 Prozent der Deutschen sind nach jüngsten Studien der Ansicht, dass Homosexuelle in der Gesellschaft akzeptiert werden sollten. Jedoch: „Ein Fünftel der NRW-Bürger hat laut Studie homophobe Einstellungen“, heißt es alarmistisch in einer Überschrift eines Artikels des  Internetportals Der Westen, der über eine andere Studie berichtet. Wie kommt diese seltsame Studie zu so einem bösartigen Vorwurf, dass 20 Prozent der Bevölkerung eine krankhafte Furcht vor Schwulen hätten? Der Artikel gibt Aufschluss darüber, was die Macher der Studie offenbar unter Homosexuellenfeindlichkeit verstehen: „Rund 26 Prozent lehnen demnach die gleichgeschlechtliche Ehe ab.“ Merke: Wer nicht als „homophob“ gelten will, der hat gefälligst die familienpolitischen Positionen des linksgrünen Hippie-Mainstreams zu teilen. Andernfalls ist man ein ewiggestriges, reaktionäres, intolerantes Schwein. Tatsächlich nennt der „Tagesspiegel“ in einem Artikel die Ablehnung der „Homo-Ehe“ als Merkmal für „Rechtspopulismus“ – neben der Befürwortung von Kernenergie. Wer ein so intolerantes und paranoides linkes Weltbild hat, der kommt natürlich zu dem Schluss, dass „Homophobie“ ein verbreitetes gesellschaftliches Problem ist.

Indes halten nur 14 Prozent die Homosexualität nach der eben erwähnten Studie für „unmoralisch“. Wobei ja bei einer Einordnung als „unmoralisch“ noch nicht einmal gesagt ist, dass man deshalb zwangsläufig feindselig gegen Homosexuelle eingestellt ist. Vor allem aber heißt das im Umkehrschluss, dass mindestens 86 Prozent, also die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft, offenkundig nicht das geringste Problem mit Homosexualität hat. Dennoch bleiben Presse und Fernsehen weiterhin in ihrer paranoiden Vorstellung einer „homophoben“ Gesellschaft gefangen.

Warum also der Zirkus? Ganz einfach: Das politisch-mediale Bild von einer homosexuellenfeindlichen Gesellschaft, das aus unzähligen Artikeln zum Thema Hitzlsperger trieft, erklärt sich dadurch, dass gewisse progressive Meinungsführer unter „Homophobie“ sehr viel mehr verstehen als nur Intoleranz gegenüber Homosexuellen. Als „homophob“ wird man hierzulande nämlich von progressiven Kreisen schon dann etikettiert, wenn man etwa die „Homo-Ehe“ ablehnt, wenn man gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare eintritt, launige Witzchen reißt, keine öffentlich knutschenden Schwulenpärchen sehen will, die Bedeutung des Worts „normal“ kennt oder eben den medialen Kult um die Homosexualität übertrieben findet. Ein Beispiel dafür ist die eben erwähnte seltsame Studie, die es unter „Homophobie“ verbucht, wenn man die „gleichgeschlechtliche Ehe“ ablehnt.

Ein anderes gutes Beispiel dafür ist ein Artikel von Nikolaus Bernau in der „Berliner Zeitung“. Ihm ist die Berichterstattung über die Hitzlsperger-Debatte noch nicht hysterisch genug, die Gesellschaft kommt ihm zu gut weg. Es handle sich bei den „Homophoben“ nicht nur um „Ränder der Gesellschaft“, um „Bildungsferne“ und religiöse Fundamentalisten, sondern auch um „anständig ausgebildete, bürgerliche Menschen der Mittelklasse, die in Städten leben“. Wie kommt Bernau zu dieser Unterstellung? Er schreibt: „87 Prozent der Deutschen finden nach neuesten Studien angeblich, dass Homosexuelle in der Gesellschaft akzeptiert werden sollten. Aber wer sind dann die fast 40 Prozent deutscher Männer, die es eklig finden, wenn sich Männer auf der Straße küssen?“ Nun, ganz einfach: Das sind Männer, die nicht „homophob“ sind, und die es aber trotzdem natürlicherweise eben als unangenehm empfinden, wenn sich Männer vor ihren Augen abschlabbern. Das ist alles. Aber für Bernau ist es ja auch „Homophobie“, wenn man sagt: „Der Hitzlsperger ist doch so ein Berserker. ‚Das‘ hat man ihm ‚gar nicht angesehen‘.“

Angesichts der in Wahrheit sehr toleranten Haltung der deutschen Gesellschaft gegenüber Homosexualität könnte man das Thema einfach auf sich beruhen lassen und sich anderen Problemen zuwenden. Das Problem ist jedoch, dass die politisch-medialen Elitendarsteller und Zeitgeistvertreter ein anderes Menschenbild haben. Nach deren Menschenbild ist die Gesellschaft nämlich von Natur aus rassistisch, homophob, sexistisch und menschenverachtend, weshalb sie erst durch permanente Indoktrinations-, Belehrungs- und  Umerziehungskampagnen auf den Weg zum anständigen Menschen gebracht werden kann. Zu einer solchen Umerziehungskampagne gehört der Medienkult um Hitzlsperger.

Die Politik lässt sich einiges einfallen, um ihre Untertanen, die sie unentwegt als rassistisches, sexistisches, europafeindliches, homophobes Pack beschimpft, im Sinne des Multikulti- und Homokults umzuerziehen. Mit Belehrungskampagnen auf Plakaten („Ich bin schwul, wenn du was gegen Schwule hast“) wird der Plakatbetrachter schon von vornherein als „homophob“ verdächtigt und mit mahnendem Zeigefinger persönlich angegriffen. Gefördert wird diese Bürgerbeleidigung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die viel entscheidendere Frage, warum es mich interessieren sollte, unter welchen Bedingungen das Plakatgesicht schwul ist, wird auf dem Plakat nicht thematisiert. Die Frage, warum man mich ungefragt und unentwegt mit derartigen Mitteilungen über die Intimsphäre von Wildfremden behelligen muss, ebenfalls nicht. Ich unterstelle den Plakatmotiven nicht, dass sie schon mal jemanden vergewaltigt oder eine Bank ausgeraubt haben, also will ich auch nicht grundlos unterstellt bekommen, dass ich etwas gegen Schwule habe.

Dabei fällt der Homosexuellenlobby gar nicht auf, dass die permanenten Volksbelehrungen und ‑beschimpfungen einen Bärendienst für die Schwulen und Lesben bedeuten. Denn obwohl die Ermahnungen immer penetranter und dreister werden, nehmen Verrohung und Respektlosigkeit ja nicht ab, sondern durch eine Trotzreaktion eher zu. Es  besteht zudem die ernsthafte Gefahr, dass irgendwann die Klage über tatsächliche Intoleranz nicht mehr ernst genommen wird.

Denn die meisten Leute wollen sich eben nicht umerziehen und darüber belehren lassen, wie sie mit sexuellen Minderheiten umzugehen haben. Als Kind habe ich auch öfters Bushido oder ähnliche Rapper gehört und mich gewissermaßen mit den Textinhalten identifiziert. Nicht, weil ich frauen- oder schwulenfeindlich gewesen wäre. Sondern weil mich die Arroganz der Hypermoralischen ankotzte, die mich mit moralischem Zeigefinger über Frauen- und Schwulenfeindlichkeit belehren wollten. Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum Sprüche wie „du Schwuchtel“ zu beliebten Schimpfwörtern auf dem Schulhof geworden sind, wie die „Homophobie“-Alarmisten ständig betonen. In der verpönten Adenauer-Zeit gab es solche Schimpfworte ja nicht. Man beachte die historische Reihenfolge: Erst kam die politisch korrekte Psychose, dann kamen die Bushido-Texte und die Etablierung von „Schwuchtel“ als Schimpfwort.

Ich sehe keinen Anlass, mich despektierlich über das Bekenntnis von Thomas Hitzlsperger auszulassen. Ich spiele keinen Fußball, so dass ich das Proll-Potenzial einer Minderheit vielleicht unterschätze. Insofern hat Hitzlsperger vielleicht wirklich einen wichtigen Beitrag geleistet. Aber indem die ganze Gesellschaft und speziell die Vertreter bürgerlicher Werte permanent unter Generalverdacht gestellt werden, wird deutlich über das Ziel hinaus geschossen. Das Maß der Indoktrination ist voll. Und wenn sich selbst eine Kanzlerin und ein britischer Premierminister über die sexuelle Orientierung eines Ex-Fußballers äußern, wenn er ferner als „Held“ und als „Eisbrecher im Eismeer der Homophobie“ gefeiert wird, ist die Grenze zur Infantilisierung und geistigen Umnachtung eines Kontinents überschritten.

Außerdem findet sich die Intoleranz in Wahrheit viel, viel stärker auf Seiten der „Homophobie“-Bekämpfer.  Wer etwa in puncto „Homo-Ehe“ oder Adoptionsrecht eher traditionelle Positionen vertritt oder den Hitzlsperger-Kult ablehnt, wird nicht nur als „homophob“, sondern auch als „Nazi-Sau“, als „widerliche Amöbe“ oder „Hexe“ betitelt, die verbrannt werden müsse. Wer als Politiker die „Homo-Ehe“ ablehnt, hat bereits Rücktrittsforderungen zu gewärtigen. Kongresse, die sich kritisch mit der „Homo-Ehe“ beschäftigen, müssen mit Farbanschlägen und gewalttätigen Attacken auf Kongressteilnehmer leben. Und nun die Preisfrage: Wer sind denn die  Intoleranten? Wer diskriminiert, wer grenzt aus?

Wohin die Tendenz zu einer totalitären Homo-Erziehungsdiktatur im Namen der Toleranz inzwischen führt, ist im niederländischen Amsterdam zu beobachten: Die Stadtverwaltung entwickelte dort im letzten Jahr den Plan,  dass Personen, die Homosexuelle oder Migranten „schikanieren und mobben“, zwangsweise in gesonderte Containerdörfer umgesiedelt werden, um sie dort von Sozialarbeitern und Polizisten resozialisieren zu lassen. Ja, richtig gehört. Der „Tagesspiegel“ berichtet unter der Überschrift „Schwulenhasser in den Container“: „Sechs Monate soll der Aufenthalt dauern, bevor sie in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen.“ Da wird es selbst dem linksliberalen „Tagesspiegel“ etwas mulmig: „Menschen in Containersiedlungen aussondern, ohne dass sie straffällig wurden?“ Zumal ja, wie gesagt, die „Homophobie“-Alarmisten bestimmen, wer „homophob“ ist. Wenn ich also zu einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft nach Holland reise und dabei in der Fankurve nach dem dritten Bier lautstark „Die Homo-Ehe ist scheiße“ oder „schwuler Pass“ rufe, dann könnte es mir vielleicht in nicht allzu ferner Zeit passieren, dass mich dann die Amsterdamer Homopolizei festnimmt und ein Verschwulungscontainer zu meinem neuen Zuhause wird. Ich bin wirklich begeistert von so viel Toleranz und Weltoffenheit.

Penetrante Dauerindoktrination, Diffamierung von Andersdenkenden, Zensur, sprachliche Manipulation mit Kampfbegriffen, geforderte Einrichtung von Umerziehungslagern in Amsterdam, Witzverbote, die Utopie vom neuen Menschen – wie nennt man all dies, wenn es zusammen auftritt? Richtig: Totalitarismus.


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