17. Januar 2014

Bildung Regenbögen in Uniform

„Und was ist mit mir?“, fragt traurig die politische Vielfalt

Wie oft sind Sie schon mal einem Blauwal an Land begegnet? Sie werden jetzt denken: Was ist das denn für eine belämmerte Frage? Vielleicht würden Sie antworten: Naja, eher selten. Ergo? Nun, werden Sie fortführen, ich habe nichts gegen Blauwale. Sollte ich also mal einem auf der Straße, im Kino oder im Einkaufszentrum begegnen, werde ich ihn sicher nicht gleich schlachten, zu Tran oder Lampenöl verwursten. Sind ja harmlose Säuger, die mir nichts tun. Hört sich eigentlich recht vernünftig an, oder?

Weit gefehlt. Denn nun tritt ein Wissenschwafler für Walstreaming an Sie heran und klärt sie auf: Wie bitte, du willst das frei entscheiden? Je nach Situation? Und durch selbständiges Denken? Wo kämen wir da hin. Nein nein, wir führen jetzt an allgemeinbildenden Schulen ein Fach Walkunde ein, das Menschen schon in ganz jungen Jahren darauf vorbereiten soll, bei einer eventuellen Begegnung mit Blau-, Buckel-, Grau-, Finn-, Zwerg- oder Narwalen an Land und in allen möglichen Alltagssituationen möglichst aufgeschlossen und tolerant zu reagieren. Außerdem ermuntern wir die Kleinen dazu, über ihr eigenes Walsein zu reflektieren. Vielleicht verbirgt sich ja in dem einen oder anderen Kind ein kleiner Belugawal?

Zugegeben, das Beispiel war natürlich bewusst übertrieben. Ich wollte damit auch keinesfalls Homo-, Trans-, Inter-, Metro-, Bi- und Hastenichgesehensexuelle mit Tieren vergleichen, worauf ich hiermit ausdrücklich hinweise, denn in korrekt hysterisierten politischen Milieus gerät sowas ja ganz schnell in den falschen Hals. Ich wollte damit nur vorsichtig ins Klassenzimmer werfen, ob es – gemessen am prozentualen Anteil solcher sexuellen Ausrichtungen an der Gesamtbevölkerung – wirklich nötig ist, einen Bildungsplan für allgemeinbildende Schulen zu entwickeln, der solche eher nebensächlichen Fragen zu einem der wichtigsten Tagesordnungspunkte schulischer Bildung erhebt. Warum eigentlich?

Im diesem Kontext kurz etwas in eigener Sache. Auf meinen letzten Artikel (Wochenrückblick) erhielt ich einige recht heftige Reaktionen per Mail, die ich hier nicht im Wortlaut wiedergeben möchte. Das wäre auch schwer möglich, da ich sie bereits dorthin verbracht habe, wo sowas hingehört, nämlich in die digitale Toilette. In circa einem Dutzend Mails wurde ich aufs Übelste beschimpft; mir wurde u.a. vorgeworfen, ich stünde wohl eugenischem Gedankengut des Dritten Reiches nahe. Es ging dabei um die Formulierung „Menschen mit natürlich entwickelter Sexualität“, die ich im Zusammenhang mit dem grünen Widerstand gegen ein separates Schulfach Wirtschaft in Form einer sarkastischen Volte verwendete.

Nun hatte ich eigentlich die Hoffnung, dass die Ironie meines Artikels offensichtlich genug war und seine Interpretation als „homophob“ daher ausschloss, was bei manchen aber offensichtlich nicht ganz ankam. Daher nochmal klipp und klar: Mit „natürlich entwickelt“ wollte ich eben nicht Homosexualität als etwas Unnatürliches oder gar „Entartetes“ bezeichnen; es ging mir dabei um den von diversen Genderwissenschwaflern und Politikern wie zum Beispiel Thomas Kretschmann von den Grünen beinahe schon großinquisitorisch praktizierten Irrglauben, Menschen seien ohne nannystaatliche, sozialdemiurgische Hilfe zu natürlicher, sprich sich von selbst entwickelnder Sexualität völlig unfähig. Und damit wäre ich auch schon bei des sexuell wie auch immer ausgerichteten Pudels Kern und der Antwort auf die Frage: „Warum eigentlich?“

Denn eigentlich sollte man meinen, die sexuelle Erziehung von Kindern sei höchstens Aufgabe der Eltern, weiterhin, individuelle sexuelle Orientierungen entstünden mehr oder weniger „frei fließend“ im sozialen Miteinander der Menschen, also „organisch“. Genau diesen Gedanken aber kann politischer Steuerungs- und Omnipotenzwahn nur schwer ertragen. Was als „Erziehung zu mehr Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt“ etikettiert wird, ist meiner Meinung nach nichts anderes als der nur mühsam und äußerst schlecht kaschierte Versuch, Zugriff auch noch auf die letzten noch nicht staatlich plangemäß durchorganisierten Lebensbereiche der Menschen zu bekommen.

Die allermeisten Menschen würden wohl (zu Recht) sofort zustimmen, dass man an Schulen natürlich keine Intoleranz lehren sollte. So weit, so banal. Genderwissenschwafler und politische Gottspieler erwecken jedoch zur Rechtfertigung der eigenen Existenz, vor allem aber zur kontinuierlichen Ausdehnung des eigenen Einflussbereiches gerne den Eindruck, Deutschland sei zu 99,9 Prozent von spießig-muffigen, reaktionären, sexuell zurückgebliebenen, intoleranten, homophoben, gefährlichen Halbnazis besiedelt, die insgeheim davon träumen, jeden sexuell anders ausgerichteten Menschen sofort in Konzentrationslager zu deportieren. Deshalb benötige man einen verpflichtenden „Bildungs“-Plan für allgemeinbildende Schulen, der das üble, hundsgemeine, niederträchtige, ressentimentgetriebene Populistenpack zu mehr Toleranz erzieht.

Und weil Politiker wie Herr Kretschmann, der unlängst äußerte, er sehe großen Handlungsbedarf, solange an Schulen Beschimpfungen  wie „Schwule Sau!“ fallen, für Kinder und Jugendliche in puncto Toleranz selber ein strahlendes Beispiel dadurch abgibt, zusammen mit anderen Spießgesellen seines Schlages „Abweichler“ von der europolitischen Hauptströmung als „Europahasser“, nationalistische „Bauernfänger“, als „Rechtspopulisten“ und so weiter pauschal zu diffamieren und für alle von den eigenen Lebensvorstellungen abweichenden Entwürfe sofort Verbote zu fordern, müssen wir eben an allgemeinbildenden Schulen für mehr Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt sorgen, richtig? „Und was ist mit mir?“, fragt traurig die politische Vielfalt. Und auch die Meinungsvielfalt wischt sich ein kleines Krokodilstränchen mit einer Tageszeitung ab: „Früher hatten mich die Menschen lieb. Heute beschimpfen sie mich als Verschwörungstheorie, schnief!“ Ist das nicht ein bisschen intolerant? „Schwule Sau!“, das ist wirklich nicht schön, aber was nützt es dem Land, wenn Schulen von solchen Verbalattacken vollständig befreit sind, während die Zahl dummer Säue auf politischer Führungsebene und sogar in Hochschulen bedenklich zunimmt?

Mithin könnte man vorsichtig und ganz krude fragen, ob eventuell ein nebelwerfender Zusammenhang besteht zwischen der lautstark erhobenen Forderung nach Totaltoleranz und Bildungsplänen, die Schüler zu Diskussionen darüber ermuntern, wer wen in welches Loch pimpert, und sie dazu auffordern, ruhig auch fleißig an sich selbst herumzufingern, während sich niemand um die Vergewaltigung der zunehmend gedehnten Löcher im Portemonnaie der kleinen Wählerlein durch ganz andere Langfinger kümmert. Na, dann wage ich jetzt mal den mainstreamphoben Schritt und fordere mehr Toleranz gegenüber Spareinlagen und Renten der Bürger unter der Ideologie des monetären Regenbogens! Für heutige politische Ohren zweifellos ein ziemlich schwuler Gedanke. Du Sau!

Kurz und gut, ich habe nichts gegen Homo-, Trans-, Inter- und Sonstwiesexuelle. Ich habe nur etwas gegen durchgeknallte Sozialkybernetiker, -technokraten und Schrebergartendiktatoren, die den wichtigen und guten Begriff der Toleranz dazu missbrauchen, ihre totalitären Umerziehungsgelüste und ihre Vorliebe für Hirnwäscheexperimente am lebenden Menschen hemmungslos auszuleben und dann auch noch unverschämterweise erwarten, mir fiele das nicht auf.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Axel B.C. Krauss

Über Axel B.C. Krauss

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige