28. Januar 2014

Feminismus No Women, no Cry

Kann es sein, dass Sie den harten Weg über Ihre Leistung nicht gehen wollen?

„Sehr geehrter Herr Bundesminister, Dekane, Präsidenten, Direktoren und Vorstände!

Die Zukunft der Medizin ist weiblich. Heute sind mehr als 60 Prozent der Studierenden im Fach Medizin Frauen. Auf den Führungspositionen der Medizin stagniert die Quote von Ärztinnen seit Jahren unter zehn Prozent, an der Spitze stehen über 90 Prozent Männer. Erst wenn auch Ärztinnen an entscheidenden Stellen tätig sind und Therapiekonzepte und Strukturen gestalten, werden wir den Gegebenheiten und Anforderungen unseres Gesundheitswesens gerecht – denn auch mehr als die Hälfte unserer Patienten sind weiblich!

Es ist Zeit etwas zu ändern.

Wir fordern, dass Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern und in allen Gremien der Universitäten und der ärztlichen Selbstverwaltung im Laufe der nächsten fünf Jahre zu 40 Prozent, bis 2023 zu 50 Prozent mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Wir freuen uns auf eine baldige Antwort von Ihnen, die wir auf unserer Website veröffentlichen möchten.“

Als ich diesen Brief der Damen, der von Wissenschaftlerinnen, Studentinnen und sonstigen Mitgliederinnen der Heilberufe geschrieben wurde, gelesen habe, dachte ich zunächst, dieser sei ein Scherz. Weil ich als Frau ja besonders neugierig bin, habe ich mich dann auf der Homepage der vernachlässigten Mitglieder unserer Gesellschaft ein wenig näher umgesehen und bin schon ganz zu Beginn bei den Worten einer dort näher Genannten hängen geblieben.

„Es ist bedauerlich, dass wir Frauen um fast alles kämpfen müssen“ ist dort zu lesen! Und weiter geht´s mit: „Es ist gut, dass wir nicht nachlassen, genau das zu tun. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern – auf allen Ebenen – könnte lange schon mehr als 40  Prozent betragen. Wir wollen es gesetzlich verankert bis spätestens 2018 umgesetzt wissen.“

Ich habe mich schon immer gefragt, was das eigentlich für Frauen sind, die sich nicht scheuen, diesen absurden Geschlechterkampf öffentlich zu führen und sich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte offensichtlich nicht zu schade sind, sich selber dermaßen der Lächerlichkeit preiszugeben. Was sind das für Frauen?

Ich kenne keine Einzige in meinem Umfeld, die bei einer solchen Art der Lektüre nicht beschämt in Anbetracht ihrer eigenen Weiblichkeit das Gesicht verzieht und mit deutlichem Missfallen zum Ausdruck bringt, wie sehr uns diese angeblich so Benachteiligten jeglichen Anspruch auf Gleichberechtigung  versagen.

Wo bleiben die vielbeschworenen Menschenrechte, wenn diese Emanzipationswunder viel lieber Gruppenrechte einfordern? Wo bleibt die Fairness, wenn permanent die Frauenquote für Führungspositionen eingefordert wird, das Geschrei bei der Gleichberechtigung jeglicher unangenehmer Aufgabenerfüllung jedoch vollständig ausbleibt? Wo bleibt die Gleichheit vor dem Recht – übrigens die einzige Gleichheit, die einem freiheitlich gesinnten Menschen gut zu Gesicht steht – wenn die Gleichheit im Ergebnis vorgezogen wird?

Als Alice Schwarzer vor vielen Jahren diesen Geschlechter-Irrsinn begann und den Frauen permanent einredete, was sie doch für bemitleidenswerte Opfer seien, die sich unbedingt gegen die verachtenswerte Männerbrut zu wehren haben, so war das schon damals eine peinliche Angelegenheit. Absolut sehenswert ist das Video, das „Frauenrechtlerin“ Schwarzer mit der Buchautoren Esther Vilar im Februar 1975 führte und damit eindrucksvoll belegte, wie „hässlich“ innerlich und äußerlich verbitterte Frauen aussehen.

Wundert es da irgendjemanden, wenn Männer schreiend weggerannt sind und ganz selbstverständlich nicht auch nur eine Sekunde lang darüber nachdenken wollten, ob sie an ihrer bis dahin in vielen Bereichen noch omnidominanten Stellung in der Gesellschaft etwas ändern sollten?

Ich finde es – gelinde gesagt – zum Würgen, wenn Frauen sich nur einseitig bereichern wollen.

Führungspositionen? Ja, unbedingt! Auch dann, wenn kein anderes Qualitätsmerkmal vorzuweisen ist als ein abgeschlossenes Studium und die angebliche Benachteiligung durch das männliche Geschlecht.

Mitarbeit bei der Müllabfuhr? Nö – auf gar keinen Fall! Für so eine stinkende und schwere Arbeit sind unsere zarten, manikürten Händchen nicht geeignet – hier brauchen wir keine Gleichberechtigung.

Unterhalt nach einer Scheidung? Aber sicher doch! Im besten Fall mehr als wir jemals in der Lage und willens gewesen wären selber zu verdienen.

Es ist eine Schande für all die Frauen, die aus eigener Kraft und mit all den notwendigerweise in Kauf genommenen Entbehrungen und Kompromissen ihre Karriere gemeistert haben. Die Frauen, die aufgrund ihrer Kompetenzen in einem Unternehmen einfach die beste Wahl waren und dafür gearbeitet haben, dass sie dahin kommen, wo sie jetzt sind. Die Frauen, deren Stolz es ihnen verbietet, auf gesetzliche Regelungen pochen zu müssen, weil sie sonst keinen Fuß auf den Boden bekommen.

Eine Frauenquote verweigert Frauen prinzipiell ihren Status als unabhängige, selbstverantwortliche und selbstständig entscheidende Individuen und ist daher bezeichnend für eine Gesellschaft, die sich dem Kollektivismus und Sozialismus vollkommen unterwerfen will. Was soll das für ein „Dienst an der Frau“ sein, wenn man ihnen ständig einredet, sie seien erbarmungswürdige Opfer, die dringend fremder Hilfe bedürfen? Die durch wahllose Gesetze beschützt werden müssen, weil sie zum Selbstschutz zu schwach sind?

Bei dem wilden Geschlechterkampf werden keine Gefangenen gemacht – wer als Frau nicht mitzieht, wird beschimpft und beleidigt. Wer als Frau den Einspruch einlegt, dass es durchaus Geschlechtsgenossinnen gibt, die ihre Rolle als Mutter und Hausfrau lieben und dies eine unbedingt zu respektierende Haltung ist, gilt bestenfalls als rückschrittlich, im schlimmsten Fall als Feindin der Selbstverwirklichung der Frau.

Liebe Damen, Ihr Weltbild ist ver-rückt! Ganz offensichtlich werden Sie von der Männerwelt im Privaten oder im Beruflichen Ihren eigenen Ansprüchen nicht entsprechend gewürdigt. Das ist bitter, bedarf aber einer näheren Betrachtung der möglichen Gründe. So sicher Sie sich alle sind, dass das von Ihnen wahrgenommene Manko unbedingt in der männlichen Außenwelt und unter gar keinen Umständen in Ihrer Person zu verorten ist, stellt sich die Frage, ob Sie vielleicht einem Trugschluss unterliegen.

Kann es daran liegen, dass viele Frauen gar keine Führungspositionen anstreben? Sie deshalb nicht anstreben, weil das höhere Gehalt in der Regel auch mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden ist und die Damen dies nicht leisten wollen oder auch gar nicht können?

Kann es daran liegen, dass Ihre Kompetenzen für die angestrebte Stelle schlichtweg nicht ausreichen sind und Sie sich vollkommen überschätzen?

Ist es möglicherweise auch so, dass manche Frauen gerne die Mutterrolle übernehmen und sie sogar ohne schlechtes Gewissen gerne genießen würden? Potz-Blitz – das wäre ja eine Katastrophe! Wie sollen dann nur die ganzen Kitas gefüllt werden, wenn nicht mehr genügend Frauen da sind, die ihre Kinder kurz nach dem Abstillen in gesetzliche Obhut geben wollen und sogar müssen? Wenn unser Finanzsystem endlich wieder auf robuste Beine gestellt und ein nicht enteignendes Steuersystem eingeführt würde? Wenn ein Hauptverdiener in der Familie tatsächlich den Unterhalt leisten und somit freiwillig ein Lebensmodell gewählt werden könnte, das alle Beteiligten sogar zufrieden macht?

Kann es vielleicht auch so sein, dass Sie einfach intolerante und verzweifelte Frauchen sind, die den Männern nun unbedingt mal zeigen wollen, wo der Hase lang läuft? Dass Sie den harten Weg über Ihre Leistung nicht gehen wollen, wenn der Weg an die Spitze auch viel bequemer möglich ist? Ein Spitzenplatz, den Ihnen niemand mehr wegnehmen kann, auch wenn Sie vollkommen inkompetent sind, weil Ihnen stets die Erfüllung der Quote hilfreich zur Seite steht? Weil Sie von allem nur das Beste wollen ohne den notwendigen Preis bezahlen zu müssen?

Was ist los mit Ihnen? Wie kann eine angeblich intelligente Frau so etwas von sich geben: „Erst wenn auch Ärztinnen an entscheidenden Stellen tätig sind und Therapiekonzepte und Strukturen gestalten, werden wir den Gegebenheiten und Anforderungen unseres Gesundheitswesens gerecht – denn auch mehr als die Hälfte unserer Patienten sind weiblich!“

Ja, genau, wenn ich demnächst ärztliche Hilfe benötige, werde ich sicherstellen, dass mein weiblicher kranker Körper nur von weiblichen gesunden Händen wieder in Ordnung gebracht wird. Es ist ein medizinisches Wunder, dass ich die Behandlung durch männliche Ärzte bis jetzt überlebt habe – wahrscheinlich war das aber einfach nur pures Glück. Wie werde ich nur meine weiblichen Kopfschmerzen los, wenn ich einen solchen Schmarrn lese?

Man kann diesen Quark aus dem Gesundheitsbereich auf alle anderen Bereiche nur mit dem ganzen zur Verfügung stehenden notwendigen Sarkasmus ertragen; ernst nehmen sich die jammernden Frauen nur selbst!

Videotipp

Alice Schwarzer „diskutiert“ mit Esther Vilar

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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