30. Januar 2014

Veranstaltungsbericht Glauben Sie (nicht) alles!

Staat oder nicht Staat, das war die Frage

Vor vollem Haus, nur ein paar zur Sicherheit zusätzlich bereitgestellte Stühle sind leer geblieben, fand am Abend des vergangenen Dienstags die Veranstaltungsreihe „Glauben Sie (nicht) alles!“ in der Cigarworld Lounge in Düsseldorf ihre Fortsetzung. Besonders freut mich, dass auch einige neue Gesichter dabei waren, die sich durch die Themenkombination „Christentum und Libertarismus“ angezogen gefühlt haben, und hoffentlich ebenso mit neuen Erkenntnissen nach Hause gefahren sind, wie der Teilnehmer, der mir noch in der Nacht ein Kurzmitteilung mit den Worten „Das war horizonterweiternd!“ zukommen ließ.

Den Dank dafür kann ich natürlich nur an André Lichtschlag, Herausgeber des libertären Magazins „eigentümlich frei“ weitergeben, der zwar unterschiedliche, in sich aber kompatible Denkweisen des Christen oder Katholiken einerseits und des Libertären andererseits, erläuterte. Anhand von aktuellen Beispielen des in Deutschland tobenden „Kulturkampfes“ hinsichtlich der Fragen der Ehe und Familie (Stichwort Homo-Ehe, steuerliche Gleichstellung oder Adoptionsrecht) wurden die beiden Ansätze verdeutlicht, die sich vielleicht in der Kurzform „Ablehnung einer Umdefinition von Ehe und Familie“ auf katholischer Seite und „Ablehnung der Einmischung des Staates in private Themen“ auf libertärer Seite, wiedergeben lassen.

In der Diagnose der zu weit gehenden und einzudämmenden Einflussnahme des Staates waren sich dabei offenbar alle Beteiligten einig, differenziert wurde dagegen die Frage des Maßes eines notwendigen Staates, vor allem im Hinblick auf die heute vorzufindende Situation der von weiten Teilen der Bevölkerung gewünschten „Führung“ durch den Staat, betrachtet: Ist ein Minimalstaat in der aktuellen Situation überhaupt umsetzbar oder werden damit nicht große Teile der Bevölkerung überfordert? Unterschiedliche Menschenbilder hinsichtlich der Bereitschaft, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und sich nicht an die Hand des Nanny-Staates nehmen zu lassen, wurden dabei deutlich, naturgemäß ohne dass man eine direkte Lösung in Aussicht stellen konnte.

Kritisch wurde auch die Frage diskutiert, inwieweit eine gesellschaftliche Veränderung hin zu mehr Freiheit (aus Sicht des Libertarismus) und christlich-konservativer (im Sinne einer positiven Bewahrung) Werte, erreicht werden kann. Das versucht werden muss, die Themen medial möglichst weit zu streuen, um abseits der tendenziell bis tendenziös linken Mainstreammedien Alternativen aufzuzeigen, war dabei unstrittig. Ob hierzu ein parteipolitisches Engagement, insbesondere auch unter Nutzung etablierter (zumindest dem Namen nach) konservativer (Union) oder freiheitlicher (FDP) Parteien sinnvoll ist, auf diese Frage wurde keine einheitliche Antwort gefunden.

Strategisch und taktisch ging es auch bei konkreten Beispielen auseinander: Ist zum Beispiel das Betreuungsgeld als eine „Staatsleistung“, die sich steuerfinanziert in die Erziehung von Kindern einmischt, abzulehnen oder im Hinblick auf die wesentliche höhere Subventionierung von Kita-Plätzen, die auch von denen mitfinanziert werden, die diese Plätze nicht in Anspruch nehmen, eine ausgleichende Gerechtigkeit? Einigkeit herrschte aber auch hier in der grundsätzlichen Zielrichtung: Der Staat muss aus den Einmischungen in die Familien zurück gedrängt werden – und hier liegt wiederum auch der mögliche Schulterschluss zwischen Christen und Libertären: den Staat der „Politikfelder“ zu verweisen, in die er sich – nicht selten so gewünscht vom angenommenen Wählerwillen – hineingedrängt hat und weiter hineindrängt.

Mit der Diskussion war sicher nicht jedes Missverständnis ausgeräumt, es sind die vornehmllich Libertären nicht als Christen und die vornehmlich Christen nicht als Libertäre rausgegangen. Gemeinsamkeiten, die – so ein Vorschlag eines Teilnehmers – auch mal zusammengefasst gehören in einer Art „christlich-libertäres Manifest“, sind jedoch deutlich geworden und wenn für die Teilnehmer generell der eingangs zitierte Satz gilt, dass der Horizont erweitert wurde, dann ist der Zweck der Veranstaltung, der „Glauben-Sie-(nicht)-alles!“-Reihe, erfüllt.

An dieser Stelle noch mal ein herzlicher Dank an André Lichtschlag, der sich für den Vortrag und die anschließende offene Diskussion zur Verfügung gestellt hat und anschließend mit „Todesverachtung“ trotz Erkältung und hoffentlich trotzdem Genuss der persönlichen Freiheit auch noch mit einer Zigarre Ausdruck verliehen hat. Dank auch an die Teilnehmer, ohne deren offenen Geist und Diskussionsbereitschaft ein solcher Abend nicht möglich gewesen wäre!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Felix Honekamp

Über Felix Honekamp

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige